Weißenberger liebt die Stadt, in der er lebt – auch seine Wirtschaft und die Leute vor Ort. Aber als er mit seiner Frau und den zwei Kindern aus dem Urlaub zurückkehrte, merkte er: "Mir geht es hier schlechter". Das sei der Moment gewesen, in dem er wusste, dass etwas passieren muss. "Die Krankheit nimmt mir genau die Kraft, die man braucht, um Wirt, Gastgeber und Ausbilder zu sein", schreibt er auf Social Media. Er holte sich Hilfe und befindet sich nun seit knapp acht Wochen in Therapie.
Viel Unterstützung aus dem Umfeld: "Extrem dankbar"
Den ersten Menschen, denen er sich geöffnet hat, waren seine Frau und sein bester Freund. Sie hätte ihm mit am meisten geholfen und immer wieder eine Plattform gegeben. Gerade seiner Frau sei er "extrem dankbar", da sie sehr ehrlich und offen mit ihm gesprochen habe. "Meine Frau hat in der ganzen Zeit bisher sehr große Stärke bewiesen", sagt er. Die Reaktionen auf die Schließungsankündigung hätten ihn tief bewegt. Um die Nachricht in Ruhe verarbeiten zu können, habe er sein Handy zeitweise bewusst auf Flugmodus gestellt. Die zahlreichen Kommentare habe er nur nach und nach gelesen, obwohl sie durchweg positiv gewesen seien.
Besonders wichtig sei ihm gewesen, Familie, Freunde, Stammgäste und langjährige Wegbegleiter persönlich zu informieren. Allein am Wochenende vor der öffentlichen Bekanntgabe, hat er 126 Telefonate geführt. Manche Gespräche hätten nur wenige Minuten gedauert, andere deutlich länger.
Es sei ihm ein großes Anliegen gewesen, dass die Menschen die Nachricht direkt von ihm erfahren. Dabei habe es zahlreiche emotionale Momente gegeben. Manche Gesprächspartner seien am Telefon selbst sichtlich berührt gewesen und hätten ihn etwa zum Jagen, Angeln oder auf ein gemeinsames Bier eingeladen. Die große Anteilnahme hat ihm gezeigt, welche Rolle man im Leben anderer Menschen spielen kann, ohne sich dessen immer bewusst zu sein.
Fränkischer Hof in Marktbreit macht zu – so geht es jetzt weiter
Bis zur Schließung wolle er weiterhin Präsenz zeigen und für seine Gäste da sein. Viele würden aktuell noch einmal reservieren, um persönlich Abschied zu nehmen und Danke zu sagen. Gleiches gelte für ihn selbst. Deshalb wolle er die verbleibende Zeit bewusst nutzen.
Am 28. Dezember ist eine große Kehrausfeier geplant. Für die Zeit danach plant er zunächst eine Pause. Im Januar und Februar wolle er im Rahmen einer psychosomatischen Kur Abstand gewinnen und sich neu sortieren.
Nach vielen Jahren in der Gastronomie brauchte es zunächst etwas anderes, um wieder Kraft zu sammeln. Seine Frau, die als Lehrerin arbeitet, werde die Familie in dieser Zeit als Hauptverdienerin tragen.
Politik in der Verantwortung: "Jeder kann betroffen sein"
Trotz der schwierigen Situation gebe es Dinge, auf die er sich freue. In der Therapie habe er gelernt, sich kleine "Inseln" im Alltag zu schaffen. Dazu gehörten Musik und das Gitarrespielen. Vor allem aber seien es seine beiden Töchter, seine Frau sowie enge Freunde, die ihm Halt geben.
Eine besondere Herzensangelegenheit sei für ihn außerdem, die Zukunft seiner Auszubildenden zu sichern. Es sei ihm wahnsinnig wichtig, dass "alle gut unterkommen", sagt er. Anderen Menschen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden, möchte er Mut machen. Auch wenn er selbst nach eigener Aussage noch nicht "am Licht" angekommen sei, könne man selbst in schwierigen Zeiten Momente der Freude finden. Wenn es nur fünf oder zwanzig gute Minuten am Tag sind, sollte man diese bewusst genießen.
Gleichzeitig appelliert er an Politik und Gesellschaft, das Thema psychische Gesundheit ernster zu nehmen. "Jeder kann betroffen sein, unabhängig davon, wie stark oder belastbar er nach außen wirkt", sagt Weißenberger. Besonders kritisch sieht er die Situation bei Therapieplätzen. Als gesetzlich Versicherter habe er selbst erlebt, wie schwierig es sei, Hilfe zu finden. Die langen Wartezeiten seien für Betroffene "eine Katastrophe". Zudem wünsche er sich deutlich mehr Unterstützung für Angehörige psychisch erkrankter Menschen.