Eigentlich wäre es bereits der 91. Geburtstag, den die Kitzinger Ortsgruppe der Naturfreunde am Samstag zu feiern hatte. Weil die Aktivitäten der Gruppe aber 1975 eingeschlafen waren und erst mit der Neugründung 2006 wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachten, wurde es eben der zehnte Geburtstag.

Das tat der Freude aber keinen Abbruch, im Gegenteil. Das Stadtteilzentrum war voll besetzt. Gut 100 Gäste waren gekommen, um das Jubiläum zu begehen. Darunter auch einen Abordnung aus dem thüringischen Suhl. Mit der dortigen Ortsgruppe verbindet die Kitzinger eine besondere Beziehung, wie der Vorsitzende Reinhold Ziegler erklärte.

Die Suhler Ortsgruppe begeht in diesen Tagen ihr 25-jähriges Jubiläum. Reinhold Ziegler, seine Frau Barbara und Inge Demand waren vor der Gründung in Kitzingen bei den Naturfreunden in Thüringen aktiv. Da die Gruppe dort aber im Laufe der Jahre erheblich geschrumpft ist, kamen die Jubilare kurzerhand nach Unterfranken zum Feiern.

Die Gratulanten gaben sich das Mikrofon in die Hand: Bürgermeister Klaus Heisel gab zu, bisher nichts von der Naturfreunde-Gruppe gewusst zu haben, hatte sich aber eingelesen. Schon seit über 100 Jahren gibt es die Naturfreunde-Bewegung in mittlerweile 21 Ländern. Gegründet als touristischer Verein, ging es aber nicht nur um schöne Wandertouren in den Bergen, sondern um politische Ziele: So setzten sich die Naturfreunde früh dafür ein, dass neben Adel und Bürgertrum auch die Arbeiterklasse ein Recht auf die schöne Natur hat. Mit dem Gruß „Berg frei“, der bis heute gilt, machten sie ihre Forderung nach dem Recht auf Freizeit in den Bergen auch für „den kleinen Mann“ deutlich. Auch in der jüngeren Vergangenheit bezogen die Naturfreunde politisch Stellung: Ob bei den Ostermärschen in den 60er Jahren, beim Protest gegen das Freihandelsabkommen TTIP oder, indem sie ihre Naturfreundehäuser zum Teil für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Kitzingen könne sich glücklich schätzen, solche Menschen in seiner Mitte zu haben, sagte Heisel. Der stellvertretende Landesvorsitzende Alexander Körber erklärte, die Naturfreunde seien eine Familie: „Das ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt. “ Weil die Kitzinger eine so rührige Gruppe sind, überreichte er der Kassiererin und „guten Seele“ der Ortsgruppe, Barbara Ziegler, einen symbolischen Klappkorb.

Großes Lob für das Ehepaar Ziegler kam auch von Körbers Amtsvorgänger, Norbert Denzer. „Ihr seid der Motor der Ortsgruppe“, sagte er.