Es ist nur ein kleiner Knopf auf der Fernbedienung, der für den großen Weihnachts-Spezialeffekt sorgt. Innerhalb weniger Sekunden erwacht der zwei Meter große, leuchtend weiße Schneemann zum Leben. Von seinem Standort auf dem Dach aus hat er einen wunderbaren Blick auf die Stadt, in der Nils und Charlene Gareis mit „Frosti“ und weiteren 2000 LED-Lichtern ihr eigenes, kleines Weihnachtshäuschen gestaltet haben. Viele Stunden und Nerven hat der Elektro-Fachmann in die Beleuchtung gesteckt – schließlich gibt es bei dieser Art von Fassadengestaltung jede Menge zu beachten.

Sebastian Seynstahl, stellvertretender Obermeister der Elektro-Innung Würzburg/Schweinfurt, sagt zum Thema Lichterketten: „Wer billig kauft, kauft zwei Mal.“ Jeder Laie könne ohne technischen Hintergrund bei der ersten Sichtprüfung schon sehen, ob die Verarbeitung und die verwendeten Materialien passen. Kabel sollten ordentlich verpresst sein und keine offenen Stellen, Risse oder gebrochene Fassungen haben. Das GS-Siegel und die CE-Kennzeichnung seien sichere Hinweise darauf, dass die Qualität stimmt und die entsprechende Sicherheit gewährleistet ist. Leben Kinder oder Tiere im Haushalt, empfiehlt der Fachmann eine Kette der Schutzklasse drei. „Das bedeutet, dass die Spannung, die auf den Kabeln fließt, so niedrig ist, dass Mensch und Tier bei einem Kontakt nichts passieren kann.“ Im Außenbereich sollte die Lichterkette außerdem IP44-geschützt, das heißt vor Feuchtigkeit geschützt sein, das Kabel vor dem ersten Lichtpunkt sollte zwei Meter lang sein. „Dann hat man genug Platz bis zur Steckdose.“

Sicherheit ist für Sebastian Seynstahl so und so das zentrale Thema. „Man sollte die Kette nicht unbeaufsichtigt betreiben“, warnt der Experte. „Ich weiß von einem Fall, in dem die Hausbewohner am Heiligen Abend in die Kirche gegangen sind und als sie heim kamen, war die Feuerwehr schon unterwegs: Die Lichterkette in der Krippe hatte sich entzündet.“ Für diesen Ernstfall ist es hilfreich zu wissen, woher die Kette kommt.

„Wir sollten uns lieber Gedanken über die Umstellung auf Ökostrom machen.“
Sebastian Seystahl, Energieberater

Die Anleitung sollte auf deutsch und der Hersteller mit Anschrift und Kontakthotline angegeben sein. „So weiß ich, wen ich belangen kann, wenn es zu einem Brand kommt.“ Grundsätzlich gilt: Ein Steckdosenkreis sollte mit maximal 3000 Watt und höchstens einer Mehrfachsteckdose belastet sein. Dann werden die Leitungen auch nicht überlastet.

Bezogen auf den Stromverbrauch gibt Sebastian Seynstahl weitgehend Entwarnung: In Zeiten von LEDs gebe es da nicht mehr allzu viel zu beachten. Markus Ruckdeschel sieht das ein bisschen anders. Er ist für die Energieberatung Oberfranken, die unter anderem auch Sprechtage im Kitzinger Landratsamt anbietet, im Einsatz und erklärt: „Natürlich hat sich auch bei den Weihnachtslichtern effizienztechnisch viel getan.“ Er spricht im Vergleich zur klassischen Glühbirne von 70 bis 90 Prozent Energieersparnis – wobei seiner Vermutung nach längst nicht alle Haushalte komplett umgestellt hätten.

Außerdem komme dann der sogenannte Rebound-Effekt ins Spiel. „Wo sonst zwölf Lichter am Baum oder 20 am Fenster hingen, leuchten jetzt doppelt so viele und mehr. Damit jagen wir die gesammelte Effizienz direkt durch den Schornstein.“ Die Freude an der Weihnachtsbeleuchtung will er trotzdem nicht verderben. „Sie ist sicherlich nicht unser drängendstes Problem, wenn es um den Klimaschutz geht“, sagt der Energieexperte und hat auch direkt einen alternativen Tipp parat. „Wir sollten uns lieber Gedanken über die Umstellung auf Ökostrom machen. Hier kann jeder seinen Teil dazu beitragen und seinen CO²-Ausstoß beim Energieverbrauch gegen Null senken.“

Nils Gareis hat sein Weihnachtshäuschen fast ausschließlich mit LED-Lichterketten geschmückt. Nur vor dem Haus, auf der alten Traubenkelter, hängt eine altmodische Kerzenkette. „Mir hätte die ja gereicht“, sagt Charlene. In den letzten Jahren leistete sie ihre Dienste vor allem anlässlich des gemeinschaftlichen Glühweintreffens, das ihre Nachbarin im November organisierte. Heuer musste es ausfallen – wie auch alle anderen Weihnachtsmärkte –, und so beschloss das Ehepaar Gareis, sich in seinem Hinterhof (und darüber hinaus) sein eigenes Weihnachtshäuschen herzurichten. Der Elektronik-Fachmann war voll in seinem Element, erklamm Giebel und Gauben, meist nur gesichert vom festen Griff seiner Frau. „Es hat mich auf jeden Fall viele Nerven gekostet“, sagt sie. „Aber es hat sich gelohnt.“

In den schönsten Farben erstrahlt das historische Häuschen mit Nebengebäude nun jeden Abend ab 17 Uhr. „Wenn schon nichts stattfinden darf, müssen wir es uns halt selber schön machen“, sagt auch Ehemann Nils. Wie bestellt kommt dann Tochter Juliana aus dem Haus, mit Kinderpunsch und heißen Maronen in der Hand. „Ich bin schon richtig in Weihnachtsstimmung“, sagt die Zehnjährige. „Jetzt fehlen nur noch die Plätzchen.“ Während also der Backofen im Hause Gareis in den kommenden Tagen auf Hochtouren laufen dürfte, bleibt die Blinker- und Wellenfunktion der Lichterketten draußen im Ruhezustand. „Die erinnern doch mehr an Fasching“, sagt Charlene. Zu diesem Anlass will die Familie ihr Haus im kommenden Februar noch einmal richtig zum Leuchten bringen, bevor die Ketten abgehängt werden. „Frosti“ wird bis dahin endgültig die Luft ausgegangen sein. Wenn es nach Nils Gareis geht, wird er in der Vorweihnachtszeit 2021 aber wieder zum Leben erweckt werden. Mit einem Knopfdruck auf der Fernbedienung – und vielleicht einigen tausend Lichtern mehr.