Die Vorfreude ist mit Händen greifbar. Andrea Drexelius und Heiner Schmidt haben eine lange Durststrecke hinter sich. „Es wird höchste Zeit, dass es wieder losgeht“, sagt Schmidt und seine Augen leuchten.

Anfang 2017 haben die beiden den Veranstaltungsservice „KulturGezeiten“ gegründet. Was langsam und beschaulich losging, hatte sich zuletzt zu einem florierenden Unternehmen entwickelt. „Heuer wollten wir so richtig durchstarten“, sagt Schmidt. Dafür hatte er einiges aufgegeben. Seine politischen Aktivitäten hat er beendet (Kreisvorsitzender der Grünen) und seinen Kurierdienst abgestoßen. Den Verkauf von ökologischen Reinigungsmitteln hat er beibehalten. „Zum Glück“, sagt er rückwirkend. „Sonst hätte ich heute echt ein Problem.“ Zumindest teilweise hätte Schmidt gerne von der Organisation von Kleinkunst-Auftritten in der Region gelebt. Das war sein Traum. Heute denkt er wehmütig an das Frühjahr zurück. „Corona hat uns ausgebremst.“

„Zum Glück sind wir von dieser Arbeit nicht finanziell abhängig.“
Andrea Drexelius, KulurGezeiten

An beinahe jedem zweiten Wochenende war eine Veranstaltung geplant gewesen, im November sollte an jedem Wochenende ein Auftritt stattfinden. Vier Veranstaltungsorte haben die beiden gefunden, Bühnen, die ihnen zusagen und in ihr Konzept passen, hochwertiges Kabarett und Kleinkunst in die Region zu bringen: die Kulturfabrik in Abtswind, den Schafhof in Wiesentheid, den Gasthof „Zum Schwan“ in Astheim und den „Freiraum“ in Dingolshausen. Während es in Astheim und Abtswind in diesem Jahr keine Aufführungen geben wird, sehen die beiden für die anderen Veranstaltungsorte den berühmten Lichtstreifen am Horizont. „Dort können wir ein notwendiges Hygienekonzept umsetzen“, erklärt Andrea Drexelius. „Dort lohnt es sich auch, vor weniger Zuschauern zu spielen.“

100 Leute passen normalerweise in den Schafhof in Wiesentheid. Mit maximal 75 Gästen rechnen die beiden beim Auftritt von H.G. Butzko am 10. Oktober. „Kommt darauf an, wie viele Gruppen sich anmelden und wie viele Einzelpersonen“, erklärt Schmidt und geht davon aus, dass kaum etwas in der Kasse übrig bleiben wird. 65 Gäste werden alleine benötigt, um die Kosten zu decken.

„Zum Glück sind wir von dieser Arbeit nicht finanziell abhängig“, sagt Andrea Drexelius – anders als manche Künstler, wie die beiden nur all zu gut wissen. Seit Anfang des Jahres betreuen sie zwei Kabarettisten und zwei Musikgruppen, organisieren deren Auftritte und Termine – wenn es welche gäbe. „Die Kulturszene ist überall runtergefahren“, sagt Schmidt. In jedem Bundesland das gleiche Szenario. Die Konsequenz: Künstler leben von der Hand in den Mund – oder suchen sich eine Alternative. Andrea Limmer beispielsweise hat einen Bürojob angenommen und ist nur noch an den Wochenenden als Kabarettistin vermittelbar, ein anderer Kabarettist arbeitet jetzt als Lehrer.

Was die beiden noch mehr umtreibt: Viele Kleinkunstbühnen werden auf der Strecke bleiben. Davon geht zumindest Andrea Drexelius aus und spricht von einem bundesweiten Dilemma. Sieben Monate ohne Einnahmen seien eben für manche nicht zu verkraften gewesen. Und die Soforthilfen der Politik hätten nicht ausgereicht. „Manchmal habe ich das Gefühl, dass die Künstler in Hartz IV getrieben werden sollen“, sagt sie und seufzt.

„Corona hat uns ausgebremst.“
Heiner Schmidt, KulturGezeiten

Immerhin: Jetzt kann der Kulturbetrieb wieder langsam hochfahren. Los geht es mit dem Auftritt von Philipp Weber in der Wiesentheider Steigerwaldhalle, den die beiden im Rahmen der Kirchweih organisieren. „Das hat uns total gefreut und überrascht, dass wir das erste Mal für ein Kirchweih-Rahmenprogramm angefragt wurden“, sagt Drexelius. Für 2021 laufen die Vorbereitungen auch für den anderen Stätten auf Hochtouren. Ab April soll der Betrieb in der Abtswinder Kulturfabrik wieder starten, die Termine in Astheim sind von 2020 auf 2021 verschoben worden. „Und für Dingolshausen planen wir heute schon bis ins Jahr 2022“, berichtet Schmidt und schmunzelt.

Im Mai diesen Jahres hatte er nach eigenen Worten einen richtigen Durchhänger, seit ein paar Wochen blickt er wieder optimistisch in die Zukunft. Möglich, dass Corona wieder für Terminverschiebungen sorgen wird. Aber unterkriegen lassen wollen sich die beiden von dem Virus nicht kriegen lassen.

Nächste Veranstaltungen:

Sonntag, 29. September, Steigerwaldhalle Wiesentheid: Philipp Weber mit „KI: Künstliche Idioten". Karten online auf www.kulturgezeiten.net oder im Tourismusbüro im Wiesentheider Rathaus.

Samstag, 10. Oktober, Schafhof, Bahnhofstr. 11, in Wiesentheid. HG Butzko "echt jetzt". Karten online auf www.kulturgezeiten.net, Kartentelefon: 09325/9796200.