Lachs mit Reis steht am Abend auf dem Speiseplan. Dietmar Jung hätte gerne einen Aufstrich dazu. Für Hafes Adel kein Problem, der Feinkosthändler macht sofort ein paar Vorschläge. Er hat in seinem Wagen auf dem Grünen Markt in Kitzingen eine große Auswahl an Produkten dabei.

Freitags herrscht ab 8 Uhr reges Treiben auf dem Marktplatz. Acht Händler kommen mit ihren Ständen und Fahrzeugen, um verschiedenste Waren anzubieten: Es gibt Geflügel und Kaninchen, Gemüse und Obst, Fisch und Feinkost, Honig und Honigprodukte, Käse, Brot und Gebäck, Feinkost und Antipasti. Dienstags ist ein Obst- und Gemüsehändler vor Ort, samstags gibt es Fleisch- und Wurstwaren.

Urlaubsbedingt sind derzeit zwar nicht alle Anbieter jeden Freitag vor Ort, doch das hält die Stammkunden nicht von einem Besuch auf dem Grünen Markt ab. Einer von ihnen ist Manuel Schmitt. „Ich kaufe jede Woche hier ein“, sagt der Iphöfer. Am Stand von Michele Gentile holt er sich diesmal Äpfel. Woher die Lebensmittel kommen, ist ihm wichtig. Gentile kann es ihm genau erklären. Und Schmitt achtet auf Qualität. „Hier ist das Obst und Gemüse um Welten besser als im Supermarkt“, findet er. Beratung gehört natürlich zum Angebot. Und so erfährt Manuel Schmitt, dass die weiße Kugel, die der Obststandbesitzer gerade einem anderen Kunden zeigt, eine Charentais-Melone ist. „Die schmeckt sehr gut, ganz süß“, erklärt Michele Gentile. „So eine nehm ich auch gleich“, entscheidet der Iphöfer.

Die Kunden können aus einem großen Angebot wählen, vom regionalen Gemüse aus Etwashausen bis zur „Flugmango“ aus Peru, die im Oktober angeboten wird. „Die reift am Baum und wird hierher geflogen“, erklärt Marcella Gentile. Supermarkt-Ware dagegen werde in der Regel grün geerntet und reife auf dem Transport mit dem Schiff nach. „Wenn die Frucht am Baum reift, hat sie einen ganz anderen Geschmack“, versichert Marcella Gentile. Die Beratung, das Plaudern, sie sind wichtiger Bestandteil des Einkaufs auf dem Markt. So freut sich Dietmar Jung, dass ihm Hafes Adel auf seine Aufstrich-Frage gleich mehrere passende Produkte anbieten kann – „Darf es etwas Würziges sein? Oder lieber Kräuter? Was mit Schafsmilch?“ Seit etwa einem halben Jahr kommt Adel freitags regelmäßig nach Kitzingen. Inzwischen haben die Kunden Vertrauen gefasst. „Das ist ganz wichtig, das muss man sich aufbauen“, so der Feinkosthändler. Dass sich eine Schlange vor seinem Wagen bildet, ist inzwischen ein normaler Anblick.

Dietmar Jung genießt es, in Ruhe und bei großer Auswahl einkaufen zu können. Er arbeitet freitags, kann das Angebot nur im Urlaub nutzen. „Sehr schade“, findet er das. Aber die Produkte kann er trotzdem regelmäßig genießen, denn seine Frau Petra ist jede Woche auf dem Grünen Markt. „Hier schmeckt es besonders gut, es ist alles frisch. Man wird gut beraten, erfährt etwas über die Produkte“, lobt sie den persönlichen Kontakt mit den Händlern. „Und die Innenstadt wird belebt.“ Petra Jung ist nicht nur Stammkundin, sondern kennt auch die Händlerseite: Sie arbeitet im Hamburger Fischkutter. Dessen Verkaufswagen steht wenige Meter weiter. Weil Jung gerade Urlaub hat, bedient dort Chefin Karin Haberlandt gerade Hans-Jürgen Schneider. Alle zwei bis drei Wochen kommt er, holt Fisch, Eier und mehr auf dem Markt. „Manches kostet hier vielleicht ein bisschen mehr“, sagt er, „aber das ist es mir wert. Hier ist die Qualität besser.“

Zweimal pro Woche bekommen die Haberlandts frischen Fisch per Kühlfracht angeliefert. „Man schmeckt, dass die Ware frisch ist“, sagt Karin Haberlandt. Vier Verkaufswagen hat das Unternehmen, Kitzingen steuert es seit Jahren regelmäßig an. Viele Kitzinger, viele Kunden von auswärts, viele Stammkunden, viel Laufkundschaft, die Mischung passt. Während sie erzählt, geht kontinuierlich Ware über die Theke. Mal ein Scheible Kabeljau, mal 400 Gramm Seelachs... Ein Mann hebt nur den Blick. „Einmal?“, fragt Haberlandt. Ein Nicken. Kurz darauf reicht sie ihm ein Fischbrötchen. Sie packt es nicht ein, er wird es gleich essen, das weiß sie. Man kennt sich eben.

Ein bekanntes Gesicht ist für viele Marktbesucher auch Tanja Merklein. Vom Kitzinger Hofrat Walter Vierrether liebevoll als „Käsekönigin“ tituliert, berät sie seit vielen Jahren die Kunden im Verkaufswagen der Hofkäserei Brunner aus Markt Herrnsheim. Saisonal und regional kann man hier einkaufen – Kuh- und Ziegenkäse, gemacht aus Willanzheimer Kuhmilch und Ziegenmilch aus Marktbergel. Zu wissen, woher die Produkte kommen, wo und wie die Tiere leben, das ist den Verbrauchern zunehmend wichtig, weiß Tanja Merklein, erst recht seit Corona. Die Zahl der Kunden auf den Märkten sei zunehmend größer geworden. Freitags wird am Vormittag in Kitzingen verkauft, am Nachmittag im Hofladen in Markt Herrsheim, samstags dann auf dem Markt in Würzburg. Bei der Produktauswahl lobt Merklein die Kreativität ihrer Chefin. Die Vielfalt in der Kühltheke ist groß, typisch fränkischen Silvanerkäse kann man genauso kaufen wie leicht gesalzenen Frischkäse, der in Rosenblütenblättern gewälzt wurde, oder Calendulakäse mit Fenchel. „Sie probiert immer was Neues aus. Das wird super angenommen“, erzählt Tanja Merklein, während sie für eine Kundin Tomate-Basilikum-Aufstrich verpackt und zu dem Stapel legt, den die junge Frau sich vorher schon ausgesucht hat. Ein Blick in ihre Tasche, die vollen Körbe der anderen Besucher und in die zufriedenen Gesichter von Standbetreibern und Kunden – mehr braucht es nicht, um zu wissen: Der Grüne Markt ist für Kitzingen ein echtes Plus.