Aus Protest gegen das Abwürgen einer weiteren Diskussion um die Salatzucht haben fünf Wiesentheider Gemeinderäte den Sitzungssaal verlassen. Was hat sie so erbost?
Das dürfte es so noch nie im Wiesentheider Gemeinderat gegeben haben. Fünf Räte verließen am Donnerstagabend die Sitzung, während die Beratungen noch liefen. Um 21.47 Uhr standen der Sprecher der Fraktion Bürgerblock, Michael Rückel, und vier weitere Kollegen auf, packten ihre Unterlagen zusammen und gingen hörbar aufgebracht aus dem Sitzungssaal. Bürgermeister Werner Knaier zeigte sich verdutzt; er setzte die Sitzung mit den verbliebenen zehn Räten, darunter auch zwei der Fraktion Bürgerblock, fort. Gegen 22.30 Uhr war der öffentliche Teil der Beratungen dann vorüber.
Auslöser für den Eklat war der Tagesordnungspunkt 4. Die Fraktion Bürgerblock hatte einen erneuten Antrag zur Aufstellung eines Bebauungsplans "Sondergebiet Natur, Erholung, Freizeit und Sport" gestellt. Die betreffenden Flächen liegen im Osten Wiesentheids, in Nähe des Sportzentrums Richtung Untersambach/Abtswind. Zu dem Areal gehören die Grundstücke, auf denen die holländischen Unternehmer-Brüder Delissen ursprünglich Gewächshäuser für eine Salatzucht in größerem Stil errichten wollte. Insgesamt 17 Hektar würden dazu benötigt.
Massiver Widerstand gegen Salatzucht
In der Gemeinde hatte es in den letzten Monaten massiven Widerstand gegen das Projekt gegeben. Auch die Gemeinde will das Ganze auf ihren Flächen möglichst verhindern, was nicht so einfach ist, weil es sich um ein landwirtschaftliches, also privilegiertes Bauvorhaben handelt. Wie das Ganze zu verhindern ist, dazu haben die beiden Fraktionen im Wiesentheider Gemeinderat unterschiedliche Ansichten.
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Während der Bürgerblock ein Sondergebiet im Osten schaffen möchte, auf dem durch eine Veränderungssperre vorerst nicht so leicht gebaut werden könne, sieht die CSU um Bürgermeister Knaier das nicht als richtigen Weg. Mit ihrer Mehrheit im Rat setzten sie die Schaffung einer Konzentrationsfläche für Gewächshäuser durch. Diese Fläche liegt im Nordwesten Wiesentheids, direkt neben einer dort bereits bestehenden Gärtnerei. Wenn überhaupt, dann solle nur dort die Salatzucht entstehen, hieß es. Besitzer der beiden Flächen ist das Haus Schönborn.
Holländische Firma zog Bauantrag zurück
Erst Ende September hatten die holländischen Interessenten ihren Bauantrag für die Fläche in Richtung Untersambach zurückgenommen. Für dieses Grundstück müssten sie eine neue Planung einreichen. Zuletzt hatte nun das Haus Schönborn quasi in letzter Minute das für die Konzentrationsfläche vorgesehen Grundstück aus der Überplanung der Gemeinde zurückgezogen. Darüber wurde bereits in der letzten Ratssitzung am 10. Oktober diskutiert.
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Als Bürgermeister Knaier diesmal den Tagesordnungspunkt mit dem Aufstellen eines Bebauungsplans für die Sonderfläche aufrief, stellte Ratsmitglied Walter Rosentritt (Reupelsdorfer Liste) gleich den Antrag, dass man darüber nicht noch einmal diskutieren müsse, weil es keine neuen Erkenntnisse gebe. Das sahen die Kollegen vom Bürgerblock anders. Es gebe sehr wohl neue Erkenntnisse, Delissen wolle nach wie vor die Fläche in Nähe des Sportzentrums und lasse dazu neue Pläne erstellen, sagte Michael Rückel (Bürgerblock). Die Gemeinde solle "die Karten auf den Tisch legen" und diese Grundstücke dicht machen, was seiner Ansicht nach durch ein dort auszuweisendes Sondergebiet möglich wäre. Man müsse die Untersambacher Flur schützen, weil dort aktuell kein rechtsgültiger Bauplan vorliege, so Rückel.
Es ist schade das es überhaupt soweit kommen musste. Aber vielleicht ist es ja das richtige Mittel gegen die Ignoranz mancher Räte.
Das man Diskussionen aus dem Weg zeigt mir mangelnde Bereitschaft das Problem lösen zu wollen. Die Räte die aufgestanden sind haben alles richtig gemacht. Wofür Stunden am Tisch sitzen wenn Ignoranz das Gegenüber ist.