Für viele Kitzinger hieß das Urlaubsziel einst Mondseeinsel. 1955 wurde das Kitzinger Freibad eröffnet. Viele erinnern sich - an die Ami-Wiese, legendäre Sprünge und etliche nette Anekdötchen.
Vor 60 Jahren wurde das Kitzinger Freibad eröffnet. Zahllose Besucher waren seitdem Gast auf der Mondseeinsel, um sich an heißen Sommertagen Abkühlung zu verschaffen. Ganze Generationen von Schülern verbrachten dort ihre Sommerferien. Manch einer erinnert sich noch an seinen ersten Sprung vom Zehn-Meter-Turm. Oder an die ersten Schwimmzüge mit dem stolzen Vater im Schlepptau. Anlässlich des runden Geburtstages haben prominente und weniger prominente Stadt- und Landkreisbewohner ihre Erinnerungen an das Kitzinger Freibad erzählt.
Für die 78-jährige Ingrid Rüth ist das Kitzinger Freibad fast so etwas wie ein zweites Zuhause. Wenn die Witterung es zulässt, geht sie in den Sommermonaten jeden Tag zum Schwimmen – und das nun schon seit 60 Jahren. „Als junge Mutter bin ich jeden Morgen um 9 Uhr mit dem Fahrrad zur Mondseeinsel gefahren“, erzählt sie. „Vorne im Kinderkörbchen saß meine kleine Tochter, hinten die Nichte und rechts und links hing eine Tasche.“ Bis in die Nachmittagsstunden hinein war sie mit den Kindern im Schwimmbad, solange, bis der Ehemann von der Arbeit nach Hause kam.
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Amüsiert erinnert sich die Kitzingerin noch an eine kleine Episode aus jenen Jahren. „Auf der Mondseeinsel standen damals drei kleine Birkenbäume“, berichtet sie. Zum Trocknen hängte sie das Bikini-Höschen ihrer kleinen Tochter – das sie übrigens selbst genäht hatte – an einen Ast auf. Dem damaligen Bademeister Slani, der als sehr ordnungsliebend galt, gefiel das gar nicht. „Nehmen Sie sofort das Höschen weg! Da bricht der Ast ab“, rief er die junge Mutter zur Räson. Noch heute muss die 78-Jährige darüber schmunzeln.
„Wir sind in der Sonne gelegen, haben Fußball gespielt und uns mit unseren Freundinnen getroffen.“
Alt-Oberbürgermeister Bernd Moser erinnert sich
Mit Bekannten hat Ingrid Rüth im Kitzinger Freibad viele schöne Stunden verbracht. „Wir waren eine Gruppe von zehn bis zwölf Frauen und ein paar Männer, die sich dort jahrelang getroffen haben“, erzählt sie. Die muntere Truppe hatte ihren Stammplatz auf zwei Sitzbänken und war im Schwimmbad bekannt. Jedes Jahr wurde ein Foto gemacht. „Da konnte man sehen, wer einen neuen Badeanzug anhatte und wer nicht“, meint die rüstige alte Dame augenzwinkernd.
Aus Altersgründen können zwar nicht mehr alle regelmäßig zum Schwimmen kommen, aber noch immer trifft sich die „Schwimmbad-Clique“ nach Ende der Badesaison einmal im Monat zum Kaffee.
Auch Oberbürgermeister Siegfried Müller war in seiner Kindheit und Jugend ein fleißiger Schwimmbadgänger. Wenn das Wetter schön war, ist er jeden Tag nach der Schule ins Freibad. Zur Stärkung gab?s von der Mutter ein paar belegte Brote, „meist mit Schweinefett bestrichen“. „Wir haben bis zur Erschöpfung Fußball gespielt. Danach ging?s zur Abkühlung ins Wasser, bis die Lippen blau waren. Zum Aufwärmen haben wir uns dann auf die Steinplatten gelegt, die von der Sonne schön warm waren“, erzählt das Stadtoberhaupt.
Noch gut erinnert sich Müller an die waghalsigen Sprünge der amerikanischen Soldaten, die sich vom Zehn-Meter-Turm ins Becken stürzten. Für die GIs, die bis 2006 in Kitzingen stationiert waren, war das Freibad ein beliebter Treffpunkt. „Ami-Wiese“ wurde der Bereich hinter dem Sprungturm von den Kitzingern genannt, weil sich die Amerikaner dort besonders gerne aufhielten.