So war das nicht geplant. Als die "Ursel" am Montagabend in die Schleuse Goßmannsdorf einfuhr, riss ihr die enorme Strömung des Mains das Hinterteil weg. Das 85 Meter lange Gütermotorschiff lag plötzlich quer. Der vordere Teil schlug auf der Uferböschung auf, der hintere ragte 40 Meter in die Strömung des Wehrs hinein, mittig lag das Schiff auf dem Trenndamm der Schleuse auf.
Nicht nur der Schiffsführer, der die Strömung wohl unterschätzt hatte, und sein Matrose hatten Angst, dass die "Ursel" vom Wasserdruck in zwei Stücke gerissen wird. Auch die rasch alarmierten Fachleute des Wasser- und Schifffahrtsamtes (WSA) befürchteten ein größeres Unglück. Denn als sie gegen 20.45 Uhr am Unfallort ankamen, drang bereits Wasser in den leckgeschlagenen Schiffskopf und dieser sank bedrohlich ein.

Gemeinsam mit der Wasserschutzpolizei machte sich Martina Michel, die Leiterin des WSA-Außenbezirks Marktbreit, ein Bild der Lage. "Wir konnten an Bord gehen und es war gleich klar, dass es im Vorderschiff einen Wassereinbruch gibt. Die Matrosenwohnung und der vordere Maschinenraum standen unter Wasser." Die Feuerwehren aus Ochsenfurt, Goßmannsdorf, Kleinochsenfurt und Eibelstadt brachten ein Stromaggregat in Stellung, leuchten die Szenerie aus und schlossen mehrere Pumpen an, um den Wasserstand möglichst niedrig zu halten.

Wehre schnell geschlossen

"Wir haben dann veranlasst, die Wehre in Goßmannsdorf und Marktbreit kurzfristig zu schließen", berichtet Martina Michel. Damit stieg der Wasserstand und die Fließgeschwindigkeit verringerte sich. Schließlich gelang es der "Ursel" aus eigener Kraft, ihr Heck gegen die Strömung zu drücken und sich vom Trenndamm zu lösen. Mit Seilen konnte der Bug dann Schritt für Schritt in das ruhigere Wasser der Schleuse gezogen werden.
Eine halbe Stunde vor Mitternacht wurde die "Ursel" am Ufer festgemacht, gegen 2 Uhr wurde die wegen des Unglücks gesperrte Schifffahrtsrinne wieder freigegeben. Die Feuerwehren blieben die ganze Nacht im Einsatz, um den Wassereinbruch durch stetiges Auspumpen zu begrenzen.
Es scheint ihnen gelungen zu sein, Schaden an der Ladung - 1000 Tonnen Mais - abzuwenden. Dennoch wird das Unglück für den Schiffseigner finanzielle Folgen haben. Der Einsatz der Rettungskräfte muss ebenso bezahlt werden wie ein eventueller Schaden am Trenndamm - wie groß dieser ist, wird noch untersucht. Natürlich muss auch die "Ursel" selbst innen und außen repariert werden. Taucher haben gestern ein senkrechtes Loch auf der Backbord-Seite im Bereich der Matrosenwohnung entdeckt. Weitere "Dellen" gibt es backbords am Vorderschiff. "Das Leck kann unter Wasser geschweißt werden, das ist normalerweise kein Problem", berichtet Heiko Fröhner vom WSA. Allerdings ist der Wassereinbruch an der "Ursel" derzeit noch so stark, dass trotz dreier Pumpen und einer Gummimatte das Loch innen nicht frei sichtbar ist.
Die Taucher treffen nun Vorbereitungen zur Abdichtung. Das Weiterfahrverbot bleibt für die "Ursel" vorerst bestehen. Erst nach der Reparatur wird entschieden, ob das Schiff die Fahrt zu seinem Zielhafen nach Neuss am Rhein fortsetzen darf oder im nahen Würzburger Hafen entladen muss. In jedem Fall wird es in einer Werft umfassend in Stand gesetzt werden müssen.
Der Unfall, den sowohl ein Passant der Polizei meldete als auch die Videoüberwachung des WSA anzeigte, ereignete sich zu einer Zeit, als Schubverbände wegen des Hochwassers nicht fahren durften. Die Schifffahrt generell war jedoch nicht eingestellt. "Der Schiffsführer war nach dem Unfall schon ziemlich durch den Wind", erinnert sich Michel. "Im Prinzip sind wir aber alle froh, dass die Sache vergleichsweise glimpflich ausgegangen und das Schiff nicht auseinander gebrochen ist."