Würzburg
Soziales

Die Lebenshilfe ist empört

Die Bezirksverwaltung konnte sich auf keine Kompromisslösung mit der Lebenshilfe bei einem neuen Wohnprojekt für ältere Menschen mit schwersten körperlichen und geistigen Handicaps einigen.
Foto: bcs
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Der Interessensverband für Menschen mit geistiger Behinderung möchte zwei neue Heime in Main-Spessart und Kitzingen mit jeweils zwölf Plätzen errichten. Was der Bezirk vor mehreren Monaten auch genehmigte. Allerdings versandeten die Verhandlungen über auskömmliche Personalschlüssel: Das, was der Bezirk künftig an Personalkosten zahlen möchte, ist für die Lebenshilfe so unannehmbar, dass sie den Betrieb der Heime unter diesen Bedingungen ablehnt.

Statt nach einer gemeinsamen Lösung zu suchen, machte sich der Bezirk daraufhin auf die Suche nach einem anderen Träger - und fand diesen auch im Eisinger St. Josefs-Stift, der größten Einrichtung für geistig behinderte Menschen in Unterfranken. Dieses Vorgehen, das die Lebenshilfe laut deren unterfränkischem Sprecher Wolfgang Trosbach völlig überrumpelte, wird von der Elternvereinigung heftig kritisiert.

Damit politische Entscheidungen der Bezirksräte künftig noch mehr Legitimität erhalten, fordern die Grünen im Bezirkstag seit langem einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Für die SPD ein sinnvoller Gedanke, so die Schweinfurter Bezirksrätin Kathi Petersen: Wer sich an einem solchen Aktionsplan orientiert, könne sich nicht mehr so leicht "aufs Kostenargumente herausreden". Eine Mehrheit fand der Vorschlag dennoch nicht.

Dass der Bezirk sein Engagement für Menschen mit Behinderung weiter steigern sollte, darüber waren sich die Ausschussmitglieder allerdings einig. Dies müsse jedoch nicht auf Basis eines Aktionsplans geschehen. Der Ausschuss beschloss einstimmig ein "Bekenntnis" zur UN-Konvention und zum Gedanken der Inklusion.

Eine neue Arbeitsgruppe soll in den kommenden Jahren für Bewusstseinsbildung in Unterfranken sorgen und in einem ersten Schritt Projekte und Konzepte zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben entwickeln.
Auf einen neuralgischen Punkt in Sachen "Inklusion" machte Armin Grein von den Freien Wählern (Main-Spessart) aufmerksam: Die "allzu leichtfertige" Eingliederung behinderter Kinder in reguläre Kindergärten. Der Bezirk förderte 2012 die Integration von 832 behinderten Kindern mit fast vier Millionen Euro. "Gerade Dorfkindergärten fehlt es jedoch an Fachpersonal für deren Betreuung ", prangerte der ehemalige Landrat von Main-Spessart an. Problematisch sei weiter, dass in Main-Spessart mangels Kindern nun der erste Sonderkindergarten schließen müsse. "Genau diese Entwicklung ist gewünscht", kommentierte CSU-Fraktionsvorsitzender Peter Motsch.