Die Gäste fahren voll drauf ab

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Richard Martin hat gut Lachen. Der frühe Wintereinbruch macht es möglch: Sein Skilift in Langenberg läuft bereits. Foto: Dieter
 
 
 

Im Geiselwinder Ortsteil Langenberg existiert seit rund 40 Jahren ein Skilift. Betreiber Richard Martin spricht von seinem sozialen Projekt.

Richard Martin sitzt am großen Tisch, hinter ihm bollert der Holzofen. Martin hat seine Wollmütze abgenommen, schaut aus dem Panoramafenster und beschreibt mit der rechten Hand einen Halbkreis. "Ist das nicht herrlich?", fragt er. "So macht der Winter Spaß."
Während sich Autofahrer und Fußgänger über den frühen Schnee ärgern, können sich Richard Martin und seine Frau Ulrike Werner gar nicht satt sehen an der weißen Pracht. Von der Hütte am Fuß des Skihanges haben sie freie Sicht auf den weiß verzierten Tannenwald oberhalb von Langenberg. Die Hand voll Skifahrer haben sie auch im Blick.
"Es hat sich einfach noch nicht herumgesprochen", erklärt Martin die wenigen Gäste, die am zweiten Adventssonntag den Hang hinunter wedeln. Die Frühstarter stört das ausgebliebene Gedränge wenig. Im Gegenteil. Sie haben den Hang für sich.
Joachim Riedel und sein Sohn Alexander sind Stammgäste. Sie sind aus Herrnsheim herübergefahren. Der Opa ist dieses Mal daheim geblieben. Er gehört zu den ältesten und treuesten Skifahrern in Langenberg.
"Es ist wie eine große Familie", sagt Richard Martin und seine Augen blitzen vor lauter Vorfreude auf die Saison. Für seine Skifamilie hängt sich der 62-Jährige mächtig ins Zeug. Bereits im Herbst beginnt er mit den Vorbereitungen. Die Hütte muss auf Vordermann gebracht werden, das Liftsteil entknotet und eingehängt werden. Kleinere Reperaturen fallen immer wieder an. Vor ein paar Jahren hat er das Dach neu isoliert und eine Photovoltaikanlage angebracht.

Beinahe 40 Jahre gibt es im Geiselwinder Ortsteil Langenberg schon einen Skihang.

Franz Scheller und vier andere Landwirte aus Dürrnbuch waren auf die Idee gekommen. "Eine Zeit lang konnte man sogar bei Flutlicht fahren", erinnert sich Martin, der damals noch in Nürnberg wohnte und an manchen Wochenenden zum Skifahren nach Unterfranken kam.
Als die Winter immer milder wurden, stiegen die meisten Landwirte aus, nur Franz Scheller stand weiter seinen (Schnee) Mann. Mit 75 Jahren wurde ihm der Aufwand dann doch zu groß. In Richard Martin fand er einen enthusiastischen Nachfolger. Langeweile kennt er in den Wintermonaten seither nicht mehr.
Im Jahr 2000 hat die Firma Philipps ihre Geschäftsräume in Nürnberg geschlossen. Für die Skifans im Steigerwald ein Glücksfall. Kommunikationstechniker Richard Martin ging in Frührente, 2002 kaufte er den 300 Meter und rund 50 Meter breiten Hang von Franz Scheller. Zusammen mit seiner Familie renovierte er die Hütte, baute Heizung, Fußboden und Küche ein.
Dort steht Ulrike Werner ihre Frau und bietet ihre Suppen, heiße Würstchen und selbst gebackenen Kuchen an. Natürlich gibt es auch einen Glühwein und für die kleinen Skifahrer einen heißen Kakao. Die ganzen Lebensmittel bringen die beiden in der Früh zu Fuß in die Hütte. An den Wochenenden läuft der Lift ab 9 Uhr. Werktags macht Martin gegen 13 Uhr auf.
"Es macht einfach Spaß", begründet seine Frau das Engagement. "Auch wenn es manchmal anstrengend wird." So wie in der letzten Wintersaison. Von Mitte Januar war der Hang sechs Wochen am Stück verschneit und befahrbar. Bis zu 400 Gäste zählte Martin an einem Tag. Aus Gerolzhofen, Schweinfurt, Würzburg und sogar aus Nürnberg kommen sie angereist und wundern sich über die Schneepracht von Langenberg. Während im Maintal das Gras durch die Schneeschicht schaut, liegen am Nord-Ost-Hang oft noch 20 bis 30 Zentimeter Schnee.
Martins Sohn Sebastian kommt an den stark frequentierten Tagen schon einmal aus Nürnberg und hilft aus. Kleine Pausen verschaffen Martin auch die Mitglieder seiner großen Skifamilie.

Muss er mal beim Campingklo oder am Generator nach dem Rechten sehen, bietet sich immer wieder einmal ein Gast von sich aus an, um in die Skipässe ein Loch für jede neue Fahrt zu knipsen. "Manche sind ganz heiß drauf", sagt Martin und lacht.

An diesem Sonntag kommt Martin problemlos alleine zurecht. Er hilft der älteren Dame, die mit dem Einstieg in den Bügellift so ihre Probleme hat und richtet das kleine Mädchen auf, das immer wieder auf den Hosenboden fällt. "Das schafft Du schon", macht er ihr Mut. Martin hilft gerne, den Skihang bezeichnet er als sein soziales Engagement. Während andere spenden, bietet er Skispaß für die ganze Familie zu moderaten Preisen. Die Tageskarte kostet beispielsweise zwölf Euro für Kinder.
Richard Martin könnte ausnahmslos zufrieden sein. Der Wintereinbruch ist so früh gekommen, wie schon lange nicht mehr, der Lift läuft problemlos, die Gäste strahlen ihn an. Nur eine Sorge treibt den Skihangbesitzer um. Ein Maulwurf macht sich an seinem Hang zu schaffen. Martin packt die Hacke über die Schulter, schnappt sich einen Eimer und macht sich auf. Einen Angriff auf das Langenberger Skivergnügen kann er nicht dulden. Maulwurfshügel haben an seinem Skihang nichts verloren.