So gut wie schuldenfrei, keine Kredite, dazu Platz drei bei der Steuerkraft aller Gemeinden im Landkreis Kitzingen: Der Wiesentheider Gemeinderat verabschiedete für das Jahr 2022 einen Haushalt mit einem Volumen von insgesamt 26,365 Millionen Euro. Das bereits ausgiebig vorher beratene Zahlenwerk wurde einstimmig von den Räten genehmigt.

In der letzten Sitzung des Jahres wirkte Bürgermeister Klaus Köhler zufrieden, mit Blick auf das rund 170 Seiten umfassende Zahlenwerk. "Es ist tatsächlich schön, dass wir da stehen, wo wir stehen." Das sei der Verdienst der Bürger und Unternehmer der Gemeinde, das dürfe man nicht vergessen. Bürgermeister Köhler verzichtete auf eine längere Rede zum Etat. Er dankte später nicht nur Kämmerin Angela Roß, sondern nahezu allen, von den Beschäftigten in der Verwaltung, über die Gemeinderäte, bis hin zu den Zuhörern und Zuhörerinnen bei den Ratssitzungen.

Steigerung gegenüber dem Vorjahr

Der Gesamthaushalt weist eine Steigerung von 1,384 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr auf. Ein Anstieg ist im Verwaltungshaushalt zu verzeichnen, der mit insgesamt 14,093 Millionen Euro um fast 1,8 Millionen Euro höher ausfällt, als zuletzt. Das liegt an den höheren Steuereinnahmen sowie an der geplanten Aufstockung des Personals in der Verwaltung.

Das thematisierte der Fraktionssprecher vom Bürgerblock, Hans Müller, später in seinen Ausführungen. Die Kommune habe zwar 12 Millionen Euro für Investitionen vorgesehen. Jedoch gestalte sich die Umsetzung der Projekte oft als schwierig, weil es dem Bauamt an Mitarbeitern mangele.

Die Gewerbesteuereinnahmen sprudeln

Insgesamt steht Wiesentheid gut da, auch weil die Gewerbesteuer nach wie vor sprudelt. Rund fünf Millionen Euro erwartet die 4905 Einwohner zählende Gemeinde für dieses Jahr, der Ansatz fürs nächste Jahr sind 4,2 Millionen Euro. Dazu kommt die Beteiligung an der Einkommensteuer mit 2,84 Millionen Euro. Die Steuerkraft der Gemeinde steigt auf 1791 Euro pro Einwohner, womit Wiesentheid nach Iphofen und Abtswind auf Rang drei im Landkreis liegt, in Unterfranken belegt die Kommune Platz 15.

Die Kommune ist nahezu schuldenfrei. Zum Jahresende 2022 wird die Pro-Kopf-Verschuldung 19,11 Euro betragen. Eine Aufnahme von Krediten ist nicht vorgesehen. Die Gemeinde erhält keine Schlüsselzuweisungen. Als Umlage an den Landkreis zahlt Wiesentheid 3,6 Millionen, sie ist damit um 641 443 Euro im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Zuführung zum Vermögenshaushalt wurde mit 327 016 Euro kalkuliert. Zum Abgleich des Haushalts entnimmt die Gemeinde 2,093 Millionen Euro aus den Rücklagen.

Rathaus wird für 750 000 Euro umgebaut

Größere Posten bei den Investitionen sind der Umbau des Rathauses (750 000 Euro), die Vergrößerung der Kinderkrippe im Seeflur (1,3 Millionen Euro), sowie die Umgestaltung des Schlossplatzes (rund zwei Millionen Euro).

Die Sprecher der einzelnen Fraktionen im Gremium kommentierten den Etat. So wies Hans Müller (Bürgerblock) darauf hin, dass die Gemeinde zeitnah ein neues Baugebiet auf den Weg bringen solle. Themen wie die Feuerwehrhäuser in den Ortsteilen, der Bauhof, oder die Entlastungsstraße, solle man dringend angehen. Andreas Laudenbach (Pro Wiesentheid) merkte an, dass der neue Etat nahezu identisch mit dem vom letzten Jahr sei, weil man vieles nicht umsetzen konnte. Radwege, Spielplätze, Naherholung, die Ortsteile und manch anderes, solle man im Auge behalten.

Für die CSU hob Otto Hünnerkopf hervor, dass man vor allem in die Jugend investiere. Die Gemeinde habe drei Fachkräfte für die Jugendarbeit angestellt und wolle den Jugendlichen vernünftige Räumlichkeiten bieten. Ein neues Baugebiet sehe er am ehesten im Seeflur. Zudem wies Hünnerkopf auf die Kläranlage hin, deren Genehmigung 2025 ablaufe. Die drei Sprecher bedankten sich bei Bürgermeister Köhler und ihren Ratskollegen für das "gute Miteinander im Rat", wie es Andreas Laudenbach hervorhob.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es, dass Wiesentheid 641 443 Euro Kreisumlage zahlt. Das stimmt so nicht. Um diesen Betrag wird die Umlage 2022 auf 3,6 Millionen Euro steigen.