• Dettelbach will drei autonom fahrende Busse einsetzen
  • Fahrzeuge sollen zwischen Bahnhof und Innenstadt pendeln
  • Gesonderte Fahrspur auf alter Trasse: so funktioniert der Shuttle
  • "Stadtrat begeistert": Machbarkeitsstudie soll folgen

"Dass wir eine Vorreiterrolle in Unterfranken einnehmen könnten, wäre schon spannend", sagt der Leiter der allgemeinen Verwaltung Dettelbachs Daniel Sauer im Gespräch mit inFranken.de. Die Stadt plant, drei autonom fahrende Shuttlebusse einzusetzen, die zwischen der Innenstadt und dem 5,8 Kilometer entfernten Bahnhof pendeln. Die Präsentation des Technologiekonzerns ZF habe den Stadtrat bei der Sitzung am Montag (26. September 2022) "begeistert".

Dettelbach plant autonome Shuttles: Zehn-Minuten-Takt und 22 Sitzplätze

Weil der Bahnhof einige Kilometer außerhalb der Stadt liegt, verkehrte von 1900 bis 1967 die Lokalbahn "Schnefterle". Nachdem der Betrieb wegen mangelnder Rentabilität eingestellt worden war, mussten sich die Leute anderweitig um ihre Mobilität kümmern. Jetzt hat Dettelbach allerdings ein spannendes neues Mobilitätsprojekt vor sich. Sie sei eine von sieben unterfränkischen Interessenten für die autonomen Transportsysteme, heißt es in einer Präsentation von ZF. Der "Marktführer im Bereich autonomer Shuttles" wolle unter anderem mit diesem Projekt den Markteintritt in Deutschland gestalten.

Die noch vorhandene Trasse soll zu einer Fahrspur für die autonomen Busse umgebaut werden. Sie sei noch im Besitz der Stadt, was für den Prozess von Vorteil sei. Die Schienen seien nicht mehr vorhanden, aber die Strecke noch geschottert. Die Busse würden auf ebener Fläche mithilfe von eingelassenen Magneten fahren - und das im Zehn-Minuten-Takt zwischen Bahnhof und Innenstadt mit Zwischenhalt in Bibergau, so der Plan. 

Bis zu acht Sitz- und 14 Stehplätze seien vorgesehen sowie eine Länge von sechs Metern und eine Breite von 2,1 Metern im Fahrzeug. Bis zu 40 Kilometer pro Stunde könnten die Gefährte erreichen - mindestens eine Kreisstraße müssten sie überqueren, so Sauer. So sollen die Busse auch die Fähigkeit besitzen, Ampelschaltungen zu erkennen. Dies ermöglichten eine 360-Grad-Umfelderkennung und Datenverarbeitung in Echtzeit, erklärt FZ in der Präsentation.

Studie, Testbetrieb, Einführung - das sind die nächsten Schritte

Nach dem einstimmigen Stadtratsbeschluss stünden nun vertiefende Untersuchungen zur Umsetzung durch eine Machbarkeitsstudie an, erklärt Sauer. Auch die Kosten sollen in den kommenden Wochen evaluiert werden. In den ersten beiden Quartalen von 2023 stünde dafür die Prüfung und Bewilligung von Fördermitteln auf der Agenda. Und während ZF die Technik stelle, eigne sich die Bussparte der Deutschen Bahn als Partner für den laufenden Betrieb der Shuttles. Doch auch das müsse noch genau besprochen werden, so Sauer. 

Ende 2024 solle dann der Testbetrieb beginnen und im letzten Quartal des darauffolgenden Jahres der Linienbetrieb offiziell starten. ZF setzt beispielsweise auch in Rotterdam autonome Shuttles ein. Dies sei ein weltweit erstes Transitsystem im Mischverkehr - also nicht auf gesonderten Fahrspuren - mit 3000 täglichen Fahrgästen.

Angesichts "tiefgreifender Veränderungen" im ÖPVN (etwa durch Busfahrermangel) und dem Individualverkehr sieht ZF in den autonomen Transportsystemen eine "mögliche Ergänzung zum ÖPNV zur Entlastung des Verkehrs und Reduzierung von CO2". Der Schweinfurter Standort liefere Komponenten für die Shuttles.