"Wir fühlen uns vom Biber in unserer Existenz hier bedroht." Bei einem Ortstermin an der ehemaligen Wasenmeisterei in Düllstadt schilderte Eigentümer Peter Ungemach am Freitag den Ernst der Lage. Biber haben die Dämme der dortigen Fischseen durchlöchert, wodurch die Zufahrt zu Ungemachs Anwesen mitten im Wald gesperrt werden musste. Seit 150 Jahren leben die Ungemachs in der fünften Generation auf dem Grundstück der einstigen Tierkörperbeseitigungsanlage.

Die Gefahren seien groß, so Peter Ungemach, denn ein Fahrzeug mit Heizöl könnte auf der Zufahrt umstürzen. Da das Grundstück eine eigene kleine Kläranlage hat, die regelmäßig entleert werden muss, steht das nächste Problem schon vor der Tür. Er bat die Behörden dringend um Hilfe. Offene Ohren für die Sorgen der Familie Ungemach hatten Dieter Lang von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Kitzingen und Schwarzachs Bürgermeister Volker Schmitt. An dem Vororttermin nahmen auch mit Michael Lukacz und Valentin Beck zwei Vertreter der IG Hochwasserschutz Schwarzach sowie der Biberbeauftragte des Landkreises Klaus Petter teil.

Es kam schon zum Unfall

"Ist der Mensch nicht mehr wert als der Biber", warf Peter Ungemach fragend in den Raum. In den vergangenen 27 Jahren habe seine Familie viel Geld in die Modernisierung und Renovierung des historischen Anwesens gesteckt. Die Wasenmeisterei sei neben Wohnen und Leben eine Herzensangelegenheit und ein Liebhaberstück, das es im Einklang mit der Natur zu erhalten gelte. Bis der Biber kam, sei auf dem Hof alles recht idyllisch gewesen mit biologischem Obst- und Gemüseanbau, Schafhaltung und Streuobstwiese. Das "Drama" für die Ungemachs begann, als der Inhaber im vergangenen Jahr vor seiner Garage einbrach und bis zur Hüfte einfach versank. Schürfwunden und Verstauchung waren glimpfliche Folgen. "Was wäre, wenn mein gehbehinderter Vater eingebrochen wäre?", fragte er in die Runde.

Entlang des ersten Sees stelle er immer mehr Biberbauten, gefällte Bäume und Burgen der Tiere fest. Dem Sportanglerverein Dettelbach, der die Gewässer seit einem Jahr gepachtet hat, habe die Abtei Münsterschwarzach als Eigentümerin erlaubt, die Seen nicht mehr abzulassen. "So bleibt der Biber das ganze Jahr und es sind noch mehr Schäden zu erwarten", betonte Ungemach. Das Kloster, das keinen Vertreter zu dem Ortstermin entsandt hatte, sperrte den Weg, der auf einem Damm zwischen zwei Seen zum Grundstück der Ungemachs führt. "Diese Zufahrt ist aber für uns lebensnotwendig", betonte Marianne Ungemach.

Biber bedroht Dämme

Das Fazit ihres Sohnes Peter lautete: "Wir sind nicht generell gegen den Biber, aber er zerstört mit seinen Verhaltensweisen unsere Existenz." Das könne man nicht einfach hinnehmen. Michael Lukacz erzählte vom jüngsten Hochwasser in Münsterschwarzach, das enorme Schäden anrichtete. Hätte er kurz zuvor mit seinen Söhnen einen Durchlass an der Schwarzachbrücke nicht von "Biberholz" befreit, hätte das katastrophale Auswirkungen für die Wohnbebauung gehabt. Bürgermeister Volker Schmitt beteuerte, alles dafür zu tun, um die Bevölkerung vor den Wassermassen zu schützen. Die Aktivitäten der Biber müssten dabei mit betrachtet werden. Matthias Ernst vom Sportanglerverein Dettelbach machte deutlich: "Der Biber durchlöchert die Dämme und wir haben Angst, dass diese uns wegbrechen." Außerdem verstopfe er den Wasserabfluss vom oben liegenden Biotop in die Seen.

Umweltfachreferent Dieter Lang versprach den Anwesenden, Untersuchungen an den beiden Seen einzuleiten und die Schäden aufzunehmen. Durch bauliche Maßnahmen könne man das Gelände wieder absichern, beruhigte er die Antragsteller. Einer von verschiedenen Seiten geforderten Genehmigung zum Abschuss der Biber erteilte er allerdings eine klare Absage. Das Töten der geschützten Tiere sei gesetzlich nur bei gewerblich genutzten Fischgewässern möglich, so Lang. Zum Hochwasserschutz sagte der Sachbearbeiter im Landratsamt, dass das eine eigene "Baustelle" sei. Gemeinsam begutachteten die Teilnehmer die Biberschäden an den Seen. Rauhaardackelhündin Anni durchforstete die Bibergänge mit viel Elan.