Buchweizen – wer davon noch nie etwas gehört hat, muss sich nicht grämen. Wer es für eine Weizensorte hält, auch nicht. Nun, ein Getreide ist es nicht, sondern ein Pseudogetreide. Die Pflanze zählt zu den Knöterichgewächsen. Während in osteuropäischen Ländern wie der Ukraine die Körner als Grütze regelmäßig auf den Tisch kommen oder in Nordamerika Buchweizenpfannkuchen mit Ahornsirup serviert werden, fristet hierzulande der Buchweizen eher ein Schattendasein. Nur bei Stefan Lenzer nicht. Der Landwirt aus Dornheim baut die Pflanze an.

Stefan Lenzer bewirtschaftet einen kleinen Hof in Dornheim mit zehn Hektar Fläche. 1994 hat er ihn übernommen. Hühner und Gänse laufen herum. Natürlich alles Bio. 2006 hat er umgestellt.

Kurz zuvor war ihm das Nachschlagewerk von Udelgard Körber-Grohne über die "Nutzpflanzen in Deutschland" in die Hände gefallen. "Es macht keinen Spaß, immer dasselbe zu machen", erklärt er, wie es dazu kam, ungewöhnliche Sorten anzubauen. Die erste, auf die er stieß, war der Emmer, auch Zweikorn oder Sommerdinkel genannt. Dieses Getreide wurde auch schon früher, nämlich in der Merowingerzeit, bei Dornheim angebaut, was durch archäologische Grabungen der Universität Jena belegt werden konnte.

Das Saatgut dazu bekam Stefan Lenzer im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim. Einen halben Hektar baute er davon an, zuvor waren Sonnenblumen auf dem Feld.

Ausprobieren ist angesagt

Da stand er vor dem Problem, der aufkeimenden Sonnenblumen. Doch der Emmer schaffte es, die Sonnenblumen unten zu halten. "Das hat super funktioniert", freut sich Lenzer und probierte mehr aus. Leindotter – eine Ölfrucht – und Buchweizen.

Letzterer hat es Stefan Lenzer angetan. Buchweizen ist nämlich an warme, aber kurze Sommer angepasst. Er reift innerhalb von zehn bis zwölf Wochen. Derzeit liefert er die Ernte nach Schrozberg.

Für die Nutzung muss der Buchweizen, dessen Körner übrigens glutenfrei sind, nämlich geschält werden. Deshalb will sich Stefan Lenzer nun selbst eine Schälmühle anschaffen. Denn sein Wunsch nach einer Förderung über das Regionalbudget der Kommunalen Allianz Südost 7/22 hatte sich nicht erfüllt. Seine Projektidee: ein Artenschutzbrot.

Die Idee dazu war ihm durch das Wasserbrot gekommen, bei dem das Getreide in Wasserschutzgebieten unter besonderen Bedingungen angebaut wird. Mit der Schälmühle wollte er die Früchte von ihrer Schale befreien, damit daraus dann Mehl hergestellt werden kann. Zum Brotbacken muss das Vollkornmehl allerdings wegen des fehlenden Klebers mit Weizen- oder Roggenmehl versetzt werden. "Aber ich muss das Ganze schälen können, um es auf den Markt zu bringen."

Ein Insektenparadies

Artenschutzbrot hieß sein Projekt deshalb, weil blühender Buchweizen ein Insektenparadies schafft. Je näher man an das Feld von Stefan Lenzer kommt, desto lauter wird das Summen. Nicht nur Bienen suchen dort nach Nahrung, sondern auch Schmetterlinge, Käfer oder Schwebfliegen. Deswegen steht Buchweizen neben Amaranth und weiteren Pflanzen auf der Liste insektenförderlicher, blühender Kulturarten, die im Bayerischen Kulturlandschaftsprogramm (Kulap) bei der vielfältigen Fruchtfolge aufgeführt sind.

Im Mai hat Stefan Lenzer den Buchweizen ausgesät. In diesem Jahr auf rund einem Hektar, wobei er vom Boden her sein schlechtestes Feld ausgesucht hat. Da er gerne experimentiert, hat er den Boden auch nicht einmal vorher gepflügt. "Ich will sehen, was der Buchweizen alles leisten kann."

"Ich will sehen, was der Buchweizen alles leisten kann."
Bio-Landwirt Stefan Lenzer experimentiert gerne

Wenn sein Weizen gedroschen ist, sät er dort noch einmal Buchweizen an. Denn durch die kurze Vegetationsperiode könnte er noch eine Ernte einfahren.

Der Literatur ist zu entnehmen, dass der Anbau von Buchweizen auch als Zwischenfrucht machbar sei. Getestet wird der bis in den Spätherbst blühende Buchweizen auch als Energiepflanze für Biogasanlagen.

Im Landkreis Kitzingen verzeichnet das Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten nach den Worten des Behördenleiters Gerd Düll eine Buchweizen-Anbaufläche von 1,3 Hektar. Spitzenreiter ist der Landkreis Bad Kissingen mit einer Fläche von 17,6 Hektar. Schweinfurt hat 4,7 Hektar und Würzburg zehn Hektar.