Die Kritik an einer Mitarbeiterin nahm ein Geschäft in Oberfranken zum Anlass, sich öffentlich klar zu positionieren. Nun ist sogar eine besondere Aktion geplant.
Immer wieder wird Temine Daneljan in ihrem Job von Kunden angegangen. Seit 2019 arbeitet sie bei Packwa in Hof, einem Geschäft, das Partybedarf, Dekorationsartikel und Verpackungsmaterialien vertreibt. Obwohl Geschäftsführerin Sabrina Mölter sie in den höchsten Tönen lobt, hätten Ladenbesucher kleine Fehler in Aussprache oder Grammatik bereits des Öfteren zum Anlass genommen, heftige Kritik zu äußern, erzählt die Chefin im Gespräch mit inFranken.de.
Im Netz verteidigte sie ihre Mitarbeiterin nach dem jüngsten Vorfall - und löste damit eine Welle der Solidarität aus. Fast 1500 Leute drückten auf "Gefällt mir", in den Kommentaren schlagen sich viele auf die Seite der Mitarbeiterin. Und auch im Laden ist das Mitgefühl spürbar, wie die Chefin erzählt: Immer wieder würden Kunden den Vorfall ansprechen und betonen, wie unverständlich sie die Kritik fänden. "Das hat die Leute schon alle sehr angesprochen und viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen", erzählt Mölter. Auch im Netz: "So viele Kommentare hatten wir noch nie."
Nach Kritik an Mitarbeiterin: Hofer Geschäft plant besondere Aktion
Von Mölter wird Daneljan in den höchsten Tönen gelobt: "Sie macht ihren Job besser als viele andere. Sie ist toll. Sie lacht, ist für jeden Spaß zu haben und immer da", schreibt sie im Netz. Bei dem jüngsten Vorfall sei der Grund für die Kritik die falsche Verwendung von Artikeln (also der, die, das beziehungsweise ein, eine) gewesen. Ihre Chefin hat dazu eine klare Meinung: "Fehler in einer Fremdsprache sind kein Zeichen von Schwäche. Respektlosigkeit schon!" Von dem jüngsten Vorfall sei sie "entsetzt" gewesen.
Um den Vorfall mit einem Augenzwinkern aufzugreifen, hat sich das Team etwas ganz Besonderes überlegt: Die von der Kritik betroffene Mitarbeiterin soll ihr eigenes Format bekommen. "Temines Wort der Woche" könnte der Titel lauten. Dabei wolle man immer wieder neue Wortkreationen von Daneljan aufgreifen - und so zeigen, wie viel Freude kleine Versprecher bereiten können.
Dass die Resonanz so groß ist, hat Mölter nicht erwartet. "Es zeigt, worauf es wirklich ankommt: nicht Perfektion, sondern Zusammenhalt, Verständnis und ein respektvoller Umgang miteinander", schreibt sie im Netz. Respektloses und unverschämtes Verhalten werde im Einzelhandel immer häufiger, berichtet sie. Zwar habe jeder mal schlechte Laune, diese jedoch an anderen auszulassen, sei nicht in Ordnung.
"Gibt sich größte Mühe": Hofer Geschäft Packwa verteidigt Mitarbeiterin
Schließlich gingen entsprechende Kommentare den Betroffenen nahe. Auch Daneljan habe der Vorfall beschäftigt: "Sie war einfach wirklich schockiert und hat dann ganz schlimm geweint - es hat sie wirklich getroffen", erzählt ihre Chefin. Zwar habe eine Kundin im Laden den Vorfall mitbekommen und das Verhalten eine "Unverschämtheit genannt" - allerdings erst, als der entsprechende Kunde das Geschäft bereits verlassen hatte. "Es ist schade, dass in dem Moment keiner etwas gesagt hat", betont Mölter.
Daneljan sei zunächst sprachlos gewesen, habe sich dann sogar für ihren Grammatikfehler entschuldigt. "Aber sie kann ja auch nichts dafür und gibt sich größte Mühe. Sie spricht auch wirklich gutes Deutsch", ordnet die Geschäftsführerin ein. Zudem sorge der ein oder andere Versprecher im Arbeitsalltag unter den sechs Mitarbeiterinnen oft für witzige Momente.