Am 16. März 2014 dürfen knapp 500 Jugendliche aus Ebern zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl zur Wahlurne gehen. Sie können ihre Stimme abgeben und mitentscheiden, was in Ebern in den nächsten sechs Jahren geschehen soll. Von der "Qual der Wahl" kann jedoch nicht die Rede sein. Sie wählen Personen und keine Parteien.

"Ich erwarte, dass die Personen, die gewählt werden, nach der Wahl dann auch wirklich das machen, was sie vor der Wahl versprochen haben", so eine junge Frau, die am Samstagabend die Erstwählerparty der SPD in Ebern (Kreis Haßberge) besuchte. Über die Wahlversprechen der Listen konnte sie sich ausreichend informieren. Jede Gruppierung hatte ihr Themenbündel geschnürt und es in kreativer Form an den Mann und die Frau gebracht: Flyer, Broschüren, Postkartenheftchen, Zündhölzchen und ganz exklusive Briefe für Erstwähler inklusive Präsent füllten in den letzten Wochen die
Postkästen der Haushalte. Manch Politiker stand sogar höchstpersönlich vor der Tür und klingelte.

"Etwas von der vielen Wahlwerbung habe ich mir angeschaut. Aber ich werde nach Gesichtern wählen. Also die Leute, die ich gut finde", so die 20-jährige Jacqueline Reuter aus Ebern. Genauso wie Marcel Leibold aus Reutersbrunn wartet sie noch auf ihre Briefwahlunterlagen.

Bei dem 21-jährigen Heiko Müller aus Ebern kamen die Wahlzettel schon an: vier an der Zahl und in unterschiedlichen Farben. "Man wird fast erschlagen von diesen Bögen", meint der Student, der seine insgesamt 82 möglichen Stimmen noch nicht an die Kandidaten verteilt hat. Er hat sich ganz bewusst für die Briefwahl entschieden: "Bei der Wahl im letzten Herbst habe ich gesehen, dass das sehr viel Zeit in Anspruch nimmt. Ich kann jetzt die Wahlzettel ganz in Ruhe daheim bearbeiten."

Auch die Lehramtsstudentin Julia Appel aus Ebern verzichtet am Sonntag auf den Gang in ihr Wahllokal. Auf ihre Stimme muss die Kommunalpolitik jedoch nicht verzichten. "Ich erwarte ein Kind und weiß ja gar nicht, ob ich am Wahlsonntag vor Ort sein werde", so die 23-jährige Frau. "Und zum Wählen habe ich daheim einfach mehr Zeit. Im Wahllokal hat man das Gefühl, schnell fertig werden zu müssen, da warten ja noch andere." Ihre Kreuzchen für den Bürgermeister- und Landratsposten hat sie schnell gemacht. Auf dem "riesigen" Blatt zur Kreistagswahl - die Maße betragen 70 auf 80 Zentimeter - musste sie sich erst einmal zurechtfinden. Ihr Wahlergebnis: Eine knappe halbe Stunde hat sie gebraucht, um ihre Stimmen zu vergeben.

Konkrete Ideen

Die Partei spielt für die meisten keine Rolle. Die Jugendlichen wählen Personen, die sie kennen. Auch in den jungen Köpfen der Erstwähler gibt es konkrete Ideen, was in Ebern geschehen soll. Jacqueline Reuter ist hier aufgewachsen und arbeitet als Bürokauffrau in Hafenpreppach. Jetzt sucht sie fast verzweifelt nach einem geeigneten Wohnraum in ihrer Heimatstadt: "So etwas ist in Ebern echt schwer zu finden." Ihre Lösung: das alte Bundeswehrgelände. "Dort stehen noch so viele Häuser leer. Vielleicht könnte man Wohnungen für junge Leute herrichten."

Der 21-jährige Heiko Müller ist leidenschaftlicher Schwimmer. Die "hallenbadlose" Zeit in Ebern überbrückt er mit der Kletterei im Boulderraum des TV Ebern. "Vereins- und Jugendarbeit muss gestärkt werden. Attraktive Freizeitmöglichkeiten müssen erhalten bleiben, und die Jugendlichen müssen auch die Möglichkeit haben, in Ebern einen Job zu finden", formuliert er seinen Wunsch. "Es muss einfach investiert werden, um auch die Angebote aufrechterhalten zu können."

Marcel Leibold wünscht sich für Reutersbrunn ein schnelles Internet. Seine Lösung: neben Kabelverlegungen gibt es ja auch noch andere Möglichkeiten wie Funk, meint der Student. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass es für die Jugend auf den Dörfern kaum Jugendräume gibt: "Wir haben uns damals immer im Wald getroffen. Aber kommunale Einrichtungen könnte man da doch zur Verfügung stellen. Hallen der Feuerwehr oder auch in der Bundeswehr."
Für letztere wünscht sich Marcel Leibold eine eindeutig bessere Vermarktung, auch wenn ihm die zündende Idee noch fehlt: "Ein Survival Camp oder ein Kurpark vielleicht. Etwas, was Ebern einfach einmalig macht." In wenigen Tagen wird er nach Schweinfurt ziehen, um sein Studium dort fortzusetzen. Er kann sich vorstellen, danach in die Region zurückzukommen, ist er doch ehrenamtlich stark verwurzelt. Voraussetzung: "Der richtige Job im Umkreis von 40 Kilometer."
"Ein Drogeriemarkt in Ebern, das wäre schon klasse", meint Julia Appel aus Ebern. Über eine Belebung des Marktplatzes und der ganzen Altstadt würde sie sichfreuen. Wie das im Detail funktionieren könnte, ist sie nicht sicher. " Neue Läden müssten da einfach von der Stadt zumindest am Anfang unterstützt werden." Und noch eine Bitte hat sie ans Stadtoberhaupt: "Die Grünflächen sollen erhalten bleiben. Vorhandene Ressourcen wie das Tegut-Gebäude sollen genutzt und nicht einfach alles neu gebaut werden."