Reiner Reitz, der als Zweiter Vorsitzender den Verein seit einigen Jahren kommissarisch leitet, freute sich darüber, dass das Interesse an der Geschichte von Eltmann derzeit groß sei. Das zeige die Resonanz auf die angebotenen Veranstaltungen des Vereins, und auch das eine oder andere neue Mitglied konnte begrüßt werden.
Mit Fackel- und Geisterwanderung, der Stadtmauerführung am Vorabend der Biertage und dem "Tag des offenen Denkmals" an der Wallburg traf der Verein jeweils ins Schwarze. Vor allem der Denkmaltag übertraf alle Erwartungen: "Mit 30 bis 50 Besuchern haben wir gerechnet, am Ende waren es über 300. Wir wurden förmlich überrannt", erinnerte sich Reiner Reitz. Seit dieser Aktion gibt es im Verein auch eine neue Facette, nämlich die Archäo-Botanik. Die Kräuterführungen mit Silke Blakeley rund um die Wallburg waren der Renner. Auch die Friedhofsführung am Palmsonntag zog eine große Schar Interessierter an.
Die Aktivitäten ermunterten auch einige Teilnehmer, mal an einem der Stammtische teilzunehmen, die immer am ersten Donnerstag des Monats im Gasthaus "Mainterrasse" stattfinden und für jeden offen sind. Dank ging an Markus Römmelt und Willi Lediger für die Vereinszeitung, die allen Mitgliedern per Post zugestellt wird.
Leider nicht so viel Zulauf wie die anderen Angebote hat das Heimatmuseum in der Brunnengasse. Musemsleiter Willi Lediger berichtete von gerade einmal 188 Besuchern - das Museumsfest eingeschlossen. Alle bisherigen Ansätze, den Besuch im Museum zu verbessern, zeitigten noch keinen Erfolg, sagte Lediger. Zudem mache die Zukunft des Hauses einige Sorgen.
Das spannendste Projekt des Jahres waren die archäologischen Ausgrabungen am Burgstall durch die Uni Bamberg, von denen Günther Reuß berichtete. Zu den vielen Unterstützern gehörte vor allem die Stadt Eltmann, die auch die Fortsetzung des Grabungsprojekts im kommenden Sommer mitträgt.
"Die Erforschung unserer Geschichte ist uns wichtig, denn man kann nur Zukunft gestalten, wenn man sich seiner Vergangenheit bewusst ist", betonte Bürgermeister Michael Ziegler, der dem Verein höchstes Lob für seine Aktivitäten aussprach. Die Grabung sei ein echter Kraftakt gewesen. Die Studierenden seien von vielen Ehrenamtlichen sowohl aktiv bei den Grabungen unterstützt, als auch betreut und versorgt worden.
Günther Reuß gab anhand von Bildern einen Einblick in die akribischen Grabungsarbeiten und deren Dokumentation. Fünf Wochen lang wurde auf nur 0,5 Prozent der einstigen Burganlage gegraben. Gefunden wurden die Grundsteine eines kleinen Hauses, die Fundamentierung der oberen Mauer und gepflasterte Verbindungswege innerhalb der Anlage. Die Auswertung der Funde ist der größere Teil der Arbeit und läuft teilweise auch noch.
Um neuere Geschichte geht es bei der nächsten Aktivität des Heimatgeschichtlichen Vereins, bei der "Kellerführung" am Palmsonntag, 25. März, ab 15 Uhr. Sie steht unter dem Motto "Bomber - Bunker - Brückensprengung" und führt in den Luftschutzkeller an der Schloss-Steige. Hier geben unter anderem Zeitzeugen Einblicke in die alltägliche Brutalität des Zweiten Weltkrieges. Weil die Kapazität des Kellers begrenzt ist, werde bei entsprechendem Interesse ein zweiter Termin angeboten, kündigte Reiner Reitz an.


Die "Steinbarone von Eltmann"

Reinhart Kulick ist Bauingenieur und seit letztem Jahr Buchautor. "Geschichte der Sandsteinindustrie am Main bei Ebelsbach, Eltmann, Sand und Zeil" heißt das Buch, das er mit dem Historischen Verein Haßberge herausgebracht hat. Bei der Versammlung ging er auf den Teilbereich der "Steinbarone von Eltmann", also die Familien Ackermann und Vetter, ein. Spannende Einblicke gab Kulick in Aufstieg und Niedergang der Eltmanner Sandsteinindustrie und in die Persönlichkeiten der Patriarchen der beiden führenden Betriebe, die beide um 1900 nicht nur in Eltmann wichtige Firmen, sondern sogar europaweit aktiv waren. Jeder sechste Einwohner in der Region war damals in der Steinindustrie beschäftigt.
Sogar den späteren König Ludwig III. brachte Hans Vetter nach Ebelsbach, und er wurde auch dem Kaiser vorgestellt. Während die Firma Ankenbrand, "Bayerische Schleifsteinwerke", vor allem Schleifsteine und Walzen für die fortschreitende Industrialisierung lieferte, gestaltete Vetter als Lieferant von Bausteinen Fassaden, Denkmäler und Brunnen in vielen Städten: das Armeemuseum in München, die heutige Staatskanzlei, die Reichsbankgebäude in Würzburg und Danzig, den Maxbrunnen in Bad Kissingen, das Franz-Ludwig-Gymnasium in Bamberg oder den viel fotografierten Nepomuk auf der Würzburger Mainbrücke.


Die Spuren in Eltmann

Kulick ging aber besonders auf die Spuren in Eltmann ein, und diese sind zahlreich. Während die Villa Ankenbrand heute sehr versteckt an der Promenade liegt, sind viele der Vetter'schen Gebäude noch heute ortsbildprägend. So die drei Häuser, die für die leitenden Mitarbeiter an der Bamberger Straße errichtet wurden, oder das frühere Planungsbüro direkt an der Mainbrücke - und natürlich die große Villa, die allerdings auch etwas versteckt am Mainufer hinter der "Vetters-Mauer" liegt. Aber auch der heutige Kindergarten ist ein Werk des Kommerzienrates Hans Vetter, der sich nicht nur als Unternehmer, sondern auch sozial und politisch in Eltmann engagierte. So wurde er in den Rat der Stadt gewählt. Er betonte schon damals die Bedeutung einer guten Schulbildung für alle Kinder. Deshalb war er treibende Kraft für den Bau des Schulgebäudes, das heute den Kindergarten beherbergt. Seine Firma steuerte kostenlos Entwurf und Bauleitung bei.
Die Familie Ankenbrand blieb in der zweiten Generation kinderlos. Die Firma wurde 1975 verkauft, und auch Vetter Steinindustrie wurde 1980 vom letzten Schwiegersohn verkauft.