Es muss nicht gleich der "satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" sein. Den hat einst der Kinderbuchautor Michael Ende zusammengebraut. Auch wirkt er nicht als Zaubertrank gegen Corona-Symptome. Aber zu einem liebgewonnenen Stück Weihnachtstradition ist der Bürgerpunsch des Bürgervereins in Ebern in 40 Jahren allemal geworden. Eigentlich würde er beim Weihnachtsmarkt am 1. Advent zum Ausschank kommen. Doch die Pandemie hat den Markt aus dem Kalender und den Punschstand aus dem Hof des Heimatmuseums gefegt. Kompletter Ausfall? Dies dachte man zumindest, bis der Bürgerverein auf die Idee kam, aus der Not eine Tugend zu machen und trotzdem etwas zusammenzubrauen.

In Flaschen abgefüllt

"Auf den Bürgerpunsch muss keiner verzichten", verrät Stefan Andritschke. "Der Bürgerverein hat alle Anstrengungen unternommen, das beliebte vorweihnachtliche Getränk trotzdem anbieten zu können." In Flaschen abgefüllt, kann man den Punsch am ersten Adventssonntag zwischen 14 und 16 Uhr erwerben. Und was von den 200 Flaschen übrig bleibt, ist unter der Woche bei Edeka Rother, der Leseinsel, der Schreinerei Remshard und dem Markgrafen-Getränkemarkt zu haben. Womöglich - je nach Nachfrage - auch nochmal an den kommenden Adventssonntagen.

"So kann man sich ein kleines Stück vorweihnachtliche Tradition nach Hause holen und den wie immer nach Spezialrezept gebrauten Bürgerpunsch coronaauflagengerecht im kleinen Kreis zuhause genießen", sagt Andreas Remshard, der Zweite Vorsitzende des Bürgervereins. Die dekorativ etikettierten Flaschen eignen sich auch prima als Geschenk, "beispielsweise für Freunde und Bekannte, die man sonst am Ausschank getroffen hätte", sagt Stefan Andritschke.

Trotz Corona im Gespräch bleiben

Den Organisatoren - Andritschke, Remshard, Chefkoch Andreas Klein und diverse Helfer - geht es nicht darum, Gewinn zu erzielen. Vielmehr ist dem Bürgerverein laut Remshard daran gelegen, nach einem Jahr ohne Vereinsfeste auf sich aufmerksam zu machen und im Gespräch zu bleiben. "Corona verändert alles", sagt der Schreiner mit Bedauern darüber, dass die Winterausstellung im Heimatmuseum bereits nach zwei Sonntagen wieder geschlossen werden musste. Mit dem Punsch in Flaschen wolle der Verein "in dieser seltsamen Zeit ein Stück Normalität zurückbringen".

Streng nach Vorschrift

Für diese "Solidaritätsaktion" (Remshard) musste das Getränk in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt in Räumen gebraut und abgefüllt werden, die den Lebensmittelbestimmungen entsprechen. Bei der Beschriftung waren selbst der Punkt und der Abstand hinter der vol.-Zahl, die den Alkoholgehalt angibt, von Belang.

Solche Finessen wären dem Bürgerverein nie in den Sinn gekommen, als er vor 40 Jahren zum ersten Mal zum "Eberner Bürgerpunch" lud. 1980 veranstaltete die Stadt den ersten Weihnachtsmarkt und der damalige Bürgermeister Rolf Feulner drängte darauf, bei dieser Gelegenheit Glühwein auszuschenken, um den Bereich um Museum und Grauturm zu beleben. So entstand ein Angebot, das viele Eberner heute nicht mehr missen möchten.

Je später der Abend,...

Das Punsch-Rezept? Ingo Hafenecker, Chef in Verein und Museum, muss passen. "Orangen, Zimt und Vanille, Tee - und, ich glaube, Rotwein", erklärt er augenzwinkernd. "Aber das geht bei uns ja nicht in 32 Gramm, sondern kübelweise." Rund 120 Liter schenkt der Bürgerverein jährlich aus.

"Der Bürgerpunsch ist Kult geworden", sagt Hafenecker und erinnert schmunzelnd an die Anfangsjahre, als Siegfried Birklein noch die Schöpfkelle schwang und mit steigenden Rumbeigaben dafür sorgte, dass das erwärmende Getränk gegen Abend immer stärker wurde.

"Das waren Zustände damals", lacht der Senior, "da würde man uns den Laden heute glattweg schließen. Aber krank geworden ist keiner. Da gab's höchstens Brummschädel".

Heute entfaltet sich der "Flaschengeist" bei exakt 13 Prozent, und "geschmacklich brauchen wir uns nicht zu verstecken", sagt Andreas Remshard. Ihn freut's, dass die Initiative schon vor dem Verkaufsstart am Sonntag auf viel Interesse stößt. Neues vom Bürgerverein in aller Munde - wörtlich.