"Ja ich bin doch wieder unterwegs", spricht Dietmar Hofmann, an seinem Esstisch sitzend, in das Smartphone hinein. Ein seltener Anblick. Denn weder mit dem Sitzen vertreibt sich der 66-jährige Rentner seine Zeit, noch hat er ein Faible für die neuen Medien.

Doch sein Spruch ist schon altgewohnt. Denn der Pfadfinder aus Ebern hält sich streng und schon mehr als 50 Jahre lang an das Pfadfindergesetz. Das fordert von ihm nicht nur Respekt für alle Menschen und in Schwierigkeiten nicht aufzugeben, sondern auch einfach und umweltbewusst zu leben und da zu helfen, wo es notwendig ist. Deshalb fährt er Essen auf Rädern und engagiert sich beim Transport von Schulkindern in Ebern. Und: Hofmann läuft hunderte von Kilometern durch Deutschland für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) und für krebskranke Kinder.

Es war der dritte Anlauf, zu dem Dietmar Hofmann von Nord nach Süd durch die Republik marschierte und für Spenden warb. Im Jahr 2012 waren es 1250 Kilometer innerhalb von vier Wochen, in denen er durch Deutschland wanderte, und auf das Schicksal des damals achtjährigen leukämiekranken Linus aus Rentweinsdorf aufmerksam machte.


Überraschend gestorben

In diesem Jahr wollte er für Merle-Alina aus Gemeinfeld die Wanderschuhe schnüren. Doch das Mädchen starb viel zu früh und ganz plötzlich. "Für sie kann ich nur noch beten. Für andere Kinder kann ich noch laufen", sagte Hofmann und setzte seinen Plan in die Tat um: In den vergangenen 15 Tagen ist er von Rostock nach Ebern gelaufen.

Die diesjährige Aktion des "Deutschlandwanderers" hatte denselben Sinn wie in den letzten Jahren: Gutes tun. Doch änderte Hofmann diesmal einiges an seiner Marschiererei, auch wenn er selbst als Rentner mit der Zeitnot konfrontiert ist: "Ich werde nicht so schnell laufen und mir auch bissl was anschauen", hatte sich Hofmann vorgenommen. Am 9. August wurde Dietmar Hofmann von einem Pfadfinderfreund nach Rostock gefahren. Mit im Gepäck der Bollerwagen "Wilhelm", Zelt, Schlafsack, etwas Proviant und Kleidung, Informationszettel zu seiner Aktion und ein Pfadfinderrosenkranz: "Weil manchmal ist das Gehirn beim Laufen leer. Ganz dahindösen kann ich ja auch nicht. Dann bete ich", schilderte Hofmann und ließ seine Finger über den metallenen Gebetsring gleiten.

Mit seinem knallorangenen T-Shirt und der Brustaufschrift "DKMS - Wir besiegen Blutkrebs helft Amalia" signalisierte Hofmann seine gute Tat für alle Beobachter auf den ersten Blick. Doch allein dadurch konnte Dietmar Hofmann kein einziges Spendenkonto füllen.


Spärliche Nahrung

"Die Wegbeschilderungen waren auf der Tour so schlecht. Ich musste oft nach dem Weg fragen", bilanzierte der Wanderer nach 15 Tagen. Doch er machte den Nachteil zum Vorteil und kam dadurch mit den Einheimischen ins Gespräch und brachte seine Infozettel und Überweisungsformulare an den Mann: "50 habe ich mitgenommen. Ich konnte fast alle verteilen", so Hofmann. Und die Reaktionen? "Durchwegs positiv", freute sich der Deutschlandwanderer.

Das erste warme Essen hat Dietmar Hofmann auf seiner Wanderung von Nord nach Süd nach einer knappen Woche zu sich genommen. Da war er schon an die 300 Kilometer gelaufen und gönnte sich an einer Imbissbude eine Portion Wurstgulasch mit Nudeln. "Nix Großes habe ich gegessen", erzählte Hofmann, "meine Aldi-Überlebenshartwurst habe ich immer dabei. Aber abends hat man keinen Hunger vor lauter Müdigkeit." Für Dietmar Hofmann war das Ganze Erholung. "Ich seh" nicht, dass das Strapazen sind. Ich laufe und da gibt es nichts anderes."
Und wenn die Nacht hereinbrach, stellte Hofmann sein "Zelt ohne Türen" auf dem Campingplatz auf oder schlief zwischen Hecken und Bäumen. Eine Schutzhütte aus Holz konnte er bei dieser Tour als Besonderheit verzeichnen: "Nach 48 Kilometer habe ich mir den Luxus gegönnt."


Ein Platter

War Dietmar Hofmanns Boller- und Gepäckwagen in den letzten Jahren noch mit Hartplastikrädern unterwegs, lief er in diesem Jahr mit Luftreifen über Stock und Stein. "Doch ohne Ersatzrad kein Erfolg", war die Erkenntnis, die sich dem Wanderer bot. Im Thüringer Wald, einige Kilometer vor Rödental, hatte er ein letztes "Schlapprad" an seinem Gepäckwagen. Da half der Sohn aus Ebern aus. "Ich habe ihn angerufen, dass er mir ein Ersatzrad bringt", gestand Hofmann, "da kann man aber dem Hersteller keinen Vorwurf machen. Denn welches Rad muss schon so viel laufen."

Mit 36 Euro baren Spenden, sechs Kilo weniger an Körpergewicht und ohne seine Wander-Sandalen, die waren nämlich in Kaltenbrunn schon "fix und fertig mit der Welt", kehrte Dietmar Hofmann vor einigen Tagen gegen 18.15 Uhr über den Bretzenstein nach Ebern zurück. Die zwei Windräder da oben, wo er noch eine Kaffeepause einlegte, beeindruckten ihn kaum: "Oben im Norden stehen die ja im 50er Pack. Ich hab die mal gezählt, weil ich das wissen wollte", versicherte Hofmann, der nach all den Anstrengungen nicht an das Aufhören denkt.


Gedanken an die Kinder

Denn von Ebern an den Bodensee ist er noch nicht gelaufen. "Vielleicht an Pfingsten. In acht Tagen habe ich das ja", so der Wanderer. Mit dem Drahtesel will er auch noch Kilometer sammeln: "Mit einem Schulkameraden von Ebern nach Kiel und zurück in 14 Tagen. Die Tour haben wir vor 50 Jahren als junge Kerle schon gemacht."

Bei all den ganzen Touren denkt er immer an die leukämiekranken Kinder, die er zwar nicht persönlich kennt, deren Schicksale ihn aber berühren. "Weil Kinder das schwächste Glied in unserer Gesellschaft sind. Es muss wohl das Schlimmste für eine Mutter sein, das eigene Kind zu verlieren", beschreibt Dietmar Hofmann seine Motivation, Jahr für Jahr für die DKMS durch Deutschland zu laufen.


Spenden für Amalia

"Es gibt auf der Welt nix Gutes, außer man tut es", ist der Leitspruch von Hofmanns Wanderungen. In diesem Jahr hat der Eberner vor allem Geldspenden für die 14 Wochen alte Amalia gesammelt, die an Leukämie erkrankt ist. Spenden können auf folgendes Konto überwiesen werden:
Empfänger: DKMS
Bank: DB Reutlingen
Konto: 179000508
Bankleitzahl: 64070085
Betreff: XEV 298 Benefizwanderung / Helft Amalia