Von der "Regierungs"- auf die Schulbank. Nach nur sechs Jahren als Bürgermeister von Kirchlauter musste sich Jochen Steppert (CSU) schwer umstellen. Die Wahlschlappe im Vorjahr hat er mittlerweile verdaut. Jetzt sitzt er an vier Tagen in der Woche erst Zug, dann in der Vorlesung. Steppert studiert in Erlangen Politikwissenschaften mit Schwerpunkt öffentliches Recht/Verwaltungsrecht. Nach sechs Semestern wird er als Diplom-Verwaltungswirt versuchen, in einer Verwaltung in der Region unterzukommen.

"Ich bin hier verwurzelt und möchte in der Gegend bleiben", erzählt der 38-Jährige, der im Vorjahr auch am Auswahlverfahren des Landespersonalausschusses teilnahm und eine Lehre zum Finanzwirt im Zeiler Finanzamt hätte beginnen können. "Da wurde mir aber schon bedeutet, dass ich nach der Ausbildung nach München müsste. Ich bleibe aber lieber in der Heimat."

Entscheidung nicht bereut

Und die heißt nun tagsüber: Erlangen. "Die neue Umgebung tut mir gut und ich bin viel mit jungen Leuten zusammen", bereut Steppert seine Entscheidung in keiner Minute. "Ich bin zwar einer der älteren Studenten, aber auch kein Sonderling, da gibt es viele Quereinsteiger. Das ist ja kein Allerweltsstudium."

Klar hatte der Ex-Bürgermeister anfangs Bedenken, ob er den zweiten Bildungsweg wagen sollten. "Da muss man sich schon reinknien und lernen. Aber mit den jungen Leuten komme ich bestens zurecht. Das klappt bestens und sehr freundschaftlich."

Die Erfahrungen, die er als Bürgermeister sammelte, sind bei diesem Studium zwar hilfreich, aber längst nicht ausreichend. Dennoch meint er: "Ich möchte kaum einen Tag als Bürgermeister missen, da mir viel an Erfahrung fehlen würde."

Von Hundert auf Null

Dazu zählen auch negative Erlebnisse. Schmerzhafte auch. So wie die Wahlschlappe nach nur einer Legislaturperiode. "Am Anfang war das schon hart, wenn man von Hundert auf Null runterfahren muss. Die Langweile war schon ein Problem."

Mit Beginn des Studiums hat sich das aber erledigt. Von Ebelsbach aus fährt Steppert täglich mit der Bahn nach Erlangen und zurück. "Das dauert 50 Minuten."

Finanzielle Probleme hat er nicht. "Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich durch eine Rücklage die sechs Semester finanziert krieg'." So gab es nach dem Ausscheiden aus dem Amt bis 1. Oktober auch ein Übergangsgeld, damit sich abgewählte Bürgermeister neu orientieren können.

Die Entscheidung, nochmals die Schulbank zu drücken, bereut der gelernte Bürokaufmann, der auch schon als Autoverkäufer gearbeitet hat, nicht. "Das Studium eröffnet mir die Perspektive, mittelfristig wieder beruflich Fuß zu fassen. Den Stellenmarkt in der Zeitung lese ich jetzt mit ganz anderen Augen."

Nach dem Wahlausgang habe er sich viele Gedanken gemacht und einen Weg gewählt, den manche nicht nachvollziehen können oder mögen. "Wie es jetzt ist, ist es okay." Zwar kam der Wechsel auch für Steppert überraschend, aber "jetzt sehe ich es als zweite Chance, nach meinem Abitur nun doch ein Studium aufnehmen zu können".

Aus der Kommunalpolitik hat sich der einstige JU-Kreisvorsitzende nicht komplett zurückgezogen. "Ich bin bei der CSU noch Schatzmeister, aber nicht mehr an vorderster Front."

20 Jahre in der Politik

Auch beim Obst- und Gartenbauverein Neubrunn ist er als Beisitzer noch tätig. "Ich steh' nun mal nicht mehr ganz vorne dran, verfolge das Geschehen in der Gemeinde aber noch mit Interesse. Schließlich war ich 20 Jahre lang kommunalpolitisch aktiv, da bleibt man damit verbandelt und das einer erst einmal sx." Seit 2002 saß er im Gemeinderat, seit 2008 gehörte er dem Kreistag an. Diese Mandate hätte er wieder annehmen können, verzichtete aber.

Wo er einmal landen wird? "Sicher in einer Verwaltung, aber nicht so weit weg", schießt es aus Steppert heraus. Von einer erneuten Kandidatur als Bürgermeister war nicht die Rede.