CSU-Kreisvorsitzender Steffen Vogel hoffte auf ein "positives Signal" und Landrat Wilhelm Schneider forderte Geschlossenheit. Beide bekamen ihre Wünsche erfüllt. Mit einem eindeutigen Votum schickt die CSU Haßberge die 38-jährige Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär in die Bundeswahlkreiskonferenz, in der die CSU ihre Direktkandidatin für die Bundestagswahl 2017 nominieren wird. Bei der CSU-Kreisversammlung am Montagabend in der Turnhalle von Obertheres gab es keinerlei Widerspruch oder gar Kritik an einer erneuten Kandidatur der Ebelsbacherin, die seit 2002 im Bundestag Sitz und Stimme hat.

In Obertheres wurde Dorothee Bär nicht nominiert, sondern die CSU Haßberge berief "nur" die 48 Delegierten, die den CSU-Kreisverband bei der Nominierungsversammlung am Samstag, 30. Juli, in Bad Bocklet (Kreis Bad Kissingen) vertreten werden. Mit 98,7 Prozent bestätigten die 162 Parteivertreter die vom Kreisvorstand vorgeschlagenen 48 Delegierten.

Die beiden anderen Kreisverbände Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld folgen in den nächsten Wochen mit ähnlichen Kreisversammlungen, ehe die Bundeswahlkreiskonferenz der CSU in Bad Bocklet zusammentritt. Der Kreisverband Bad Kissingen stellt dort 63 Delegierte und der Kreisverband Rhön-Grabfeld 49 Delegierte. Insgesamt werden dann die 160 CSU-Vertreter die Direktkandidatin für die Bundestagswahl im kommenden Jahr aufstellen.

Es gibt keinen Zweifel, dass das wieder Dorothee Bär ist. Es ist nicht damit zu rechnen, dass aus den Kreisverbänden Rhön-Grabfeld und Bad Kissingen ein Konkurrent aus den eigenen Reihen auftaucht. Die drei Landkreise Bad Kissingen, Haßberge und Rhön-Grabfeld bilden den Bundestagswahlkreis 248 Bad Kissingen, der einen Direktabgeordneten für das Parlament in Berlin stellt.

Dorothee Bär wurde 2002 erstmals in den Bundestag gewählt. Sie profitierte damals von dem hohen Ergebnis des Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber. Der frühere bayerische Ministerpräsident verlor zwar die Wahl gegen Bundeskanzler Gerhard Schröder, aber dank seines herausragenden Wahlresultats in Bayern rutschten zahlreiche Kandidaten auf der CSU-Liste auch von hinteren Plätzen in das Parlament, unter ihnen Dorothee Bär.

2009 war Bär erstmals die Direktkandidatin der CSU im Bundestagswahlkreis. Sie folgte dem Münnerstadter Eduard Lintner, der nicht mehr antrat. Sie wurde als Bundestagsabgeordnete 2009 ebenso bestätigt wie 2013, als sie mit 57,9 Prozent der Erststimmen deutlich vor ihren Konkurrenten das Direktmandat gewann. Bär ließ damals Sabine Dittmar (SPD) aus Maßbach und Hans-Josef Fell (Grüne) aus Hammelburg weit hinter sich.
Die SPD wird wohl wieder Dittmar als Direktkandidatin und Konkurrentin von Bär aufstellen. Die Chancen der SPD-Bewerberin auf das Direktmandat sind zwar gering, aber Dittmar gehört seit 2013 auch dem Bundestag an; die Ärztin ist über die Liste ihrer Partei ins Parlament gewählt worden.

Bei der Kreiskonferenz am Montagabend stellte sich die CSU Haßberge geschlossen hinter die Kandidatur von Dorothee Bär. Der Kreisvorsitzende Steffen Vogel (Theres) bescheinigte ihr "ein hohes Maß an Engagement", das mit ihrer Berufung zur parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesverkehrsministerium gewürdigt worden sei. In einem solchen "Amt kann man mehr bewirken" als ein Hinterbänkler, sagte Vogel. Er bezeichnete Bär als "ein Aushängeschild" und "einen Glücksfall für uns".

Als bei seiner Frage, ob die CSU Haßberge wieder Dorothee Bär im Bundestag sehen wolle, alle Hände der 162 CSU-Vertreter in der Turnhalle in die Höhe schossen (jedenfalls ging bei der Frage nach Gegenstimmen keine einzige Hand nach oben), versicherte ihr der Kreisvorsitzende: "Du hast die volle Rückendeckung Deines Heimatkreisverbandes." Und er legte ihr ans Herz, dass sich die Union wieder um "ein Miteinander von CDU und CSU" bemühen müsse. Die beiden Schwesterparteien könnten "nur gemeinsam erfolgreich" sein, sagte er.

Dorothee Bär bestätigte diese Ansicht in ihrer Rede unter dem Titel "CSU - die starke Kraft in Berlin". Bis zur Bundestagswahl "geht es darum, die Reihen zu schließen". Erste Weichen sollen dazu bereits in einer "Kuschel-Konferenz" der Unionsparteien am kommenden Wochenende in Brandenburg gestellt werden, wie sie sagte.
Bär bestätigte den tiefen Riss in der Union. Die Lage sei "von der Stimmung her hochdramatisch" und die Differenzen seien schlimmer als 1976 beim damaligen Kreuther Trennungsbeschluss. Bär forderte: "Wir müssen nächstes Jahr Wahlkampf CDU/CSU pur machen."