Das Lernen hört nie auf. Eine Weisheit, die Pädagogen ihren Schützlingen gebetsmühlenhaft einimpfen. Er gilt fort, auch oder erst recht in Zeiten wie diesen. Denn selbst wenn der sogenannte Präsenzbetrieb an den Schulen ruht, läuft der Unterricht weiter, und dies erstaunlich gut, wie eine kleine Umfrage an Schulen im Landkreis zeigt.

Dabei geht es nicht nur darum, den Kontakt zwischen Schülern und Lehrern aufrechtzuerhalten und Wissensvermittlung und Arbeitsaufträge über innovative Wege zu gewährleisten. Auf digitalem Weg soll dem Schüler-Alltag auch in Zeiten von Corona und drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens Struktur gegeben werden. Erst recht, wenn es demnächst auch noch zur Ausgangssperre kommen sollte. "Junge Leute brauchen Struktur", sagt Philipp Arnold, der als Leiter der Mittelschule in Ebern zurzeit so richtig in seinem Element ist.

Seine Schule ist seit drei Jahren Teilnehmer des Projekts Digitale Schule 2020, ist Referenzschule für Medienbildung und "lernreich-2.0 Schule".

Die Mittelschule hat bestimmte Präsenzzeiten für Schüler und Lehrer eingeführt. Schüler und Lehrer konferieren per Video-Chats im Google-Classroom. Es gibt Zeitfenster, in denen per pdf-Datei oder Link übermittelte Arbeitsblätter bearbeitet sein sollen, und Regelungen für Kontrolle und Feedback. Die jeweiligen Klassenleiter stimmen sich mit den Fachlehrern ab, damit die Ansprüche an die Schüler nicht überfrachtet werden.

Küche und Kunst im Foto

Da geht es nicht nur um simple Rechenaufgaben oder Aufsätze, sondern um durchaus kreative Ideen: Im Fach Kunsterziehung ist in einer Klasse gerade Kandinsky großes Thema. Die Schüler haben die Aufgabe erhalten, ein Bild im Stil des russischen Künstlers zu malen und eine Fotografie davon zu senden. Im Fach Soziales wird ein Kochrezept geschickt und die Kinder sollen ein Bild ihres fertigen Gerichts als Arbeitsnachweis posten. Selbst im Fach Sport ist kein Stillstand angesagt. Dort nutzt die Schule beispielsweise ein Angebot des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin, der per Youtube Filme für Sportübungen in verschiedensten Altersklassen verbreitet.

Was heute fantastisch in die Landschaft passt, habe bereits unter seinem Vorgänger Manfred Jung begonnen, berichtete der Rektor aus Jesserndorf. Im Jahr 2007 war der Etat im Schulverband verdoppelt worden, um die damalige Hauptschule für das digitale Zeitalter zu rüsten. "Wir haben einen Schulverband, wie man ihn sich nur wünschen kann", sagt der Schulleiter. Aufgeschlossene Geldgeber sind die Mitgliedsgemeinden Ebern, Untermerzbach, Rentweinsdorf, Königsberg und Burgpreppach. Inzwischen ist die Schule vorbildlich ausgerüstet mit Dashboards und Computerarbeitsplätzen; die Lehrer haben langjährige Interneterfahrung.

"Die digitalen Werkzeuge können in vielen Unterrichtssituationen einen Mehrwert in den Bereichen Individualisierung, Kommunikation, Informationsweitergabe und vor allem Kreativität bieten", heißt es auf der Schulhomepage.

"Master of Desaster"

Jetzt sind die Erfahrungen mit der Lernplattform (die Schule verwendet G-Suite von Google) Gold wert, da sie reibungslos funktioniert und Unterricht zu Hause ermöglicht. Bislang hatten die Prüfungsklassen diese Plattform für den Austausch genutzt, nun sind alle Klassen eingebunden. "Schüler und Lehrer können alle Tools nutzen", sagt Arnold, der als Systemadminis-trator, Online-Dozent und technischer Ansprechpartner für Eltern gefordert ist: "Ich bin der Master of Desaster." Arnold lacht dabei, denn von Desaster kann aus seiner Sicht keine Rede sein. Im Gegenteil. "Es funktioniert besser, als ich mir das vorgestellt hätte."

Er und Konrektor Toni Binder sehen sich in ihrem Engagement der letzten Jahre bestätigt. Auch wenn diesen Sonderfall, der nun in der Corona-Krise eingetreten ist, niemand erwarten konnte - und wollte. "Ich bin stolz wie Bolle, vor allem auf meine Lehrer", sagt Arnold. Heute, Freitag, um 11 Uhr wird es an der Schule erstmals eine digitale Lehrerkonferenz geben. "Online-Tüftler" Arnold ist gespannt, wie das klappen wird.

Andere Schulen versenden Arbeitsblätter per E-Mail und erhalten die bearbeiteten Aufgaben von den Schülern auf dem gleichen Weg retour. Damit hat beispielsweise die Dreiberg- Schule seit dem Unterichtsabbruch gute Erfahrungen gemacht, bestätigt Antje Schorn. Die Ebernerin ist Rektorin der Knetzgauer Schule. Von dem Internetportal des bayerischen Kultusministeriums "Mebis" macht man dort keinen Gebrauch.

Ganz anders das Eberner Friedrich-Rückert-Gymnasium, das allerdings zwiespältige Erfahrungen damit macht. "Alles total verrückt", sagt der Schulleiter Martin Pöhner. Eine Flut von gleichzeitigen Aufrufen - mancher vermutet gezielt inszeniert in Form eines Hackerangriffs - hatte die Plattform in der vergangenen Woche zeitweise lahmgelegt. "Jetzt funktioniert es grundsätzlich, wenn auch langsam, weil das Ganze einfach überlastet ist", so Pöhner: "Ist ja auch kein Wunder, denn niemand war auf solch einen Ernstfall vorbereitet", meint er. "Es dauert, aber mit Verspätung kommen die Sachen an und auch wieder zur Schule zurück".

Auch das Elterinformationssystem erfülle seinen Zweck. "Den Umständen entsprechend, so Pöhners Diagnose, "funktioniert alles ganz gut".Das Gymnasium setzt auf Wochenpläne, die jeweils erst ausgearbeitet werden müssen. Nach nur einer Woche ist nicht absehbar, wie diszipliniert die Schüler ihre Aufgaben wahrnehmen.

Corona jedenfalls hält den Oberstudiendirektor auf Trab. "Ich habe noch nie so viele Schreiben an Schüler und Lehrer formuliert wie in den letzten beiden Wochen".

Optimist Pöhner geht davon aus, dass der normale Schulbetrieb, gemäß aktuellem offiziellen Planungsstand, nach den Osterferien wieder anlaufen kann. Dann wird es nach seiner Überzeugung auch keine Probleme mit dem Abitur geben, da die Prüfungen bayernweit um drei Wochen (ab 20. Mai) verschoben wurden. So könne Ausgefallenes problemlos nachgeholt werden.

Im Vergleich zu den Herausforderungen im Gesundheitswesen gebe es für die Schulen bislang kein wirkliches Problem. Martin Pöhner: "Wir werden mit jeder Situation zurechtkommen, auch mal von heute auf morgen."