"Gelottert" haben sie nie, trotzdem einen Hauptgewinn gezogen. Die gräfliche Familie zu Ortenburg hat Großes vor. Restauriert werden soll der an der Ermetz liegende Seitenflügel ihres Schlosses samt Badehaus aus dem 18. Jahrhundert. Eine von drei vergleichbaren, noch erhaltenen Anlagen in ganz Deutschland, wobei das Potsdamer Badehaus in Sanssouci als das bekannteste Badehaus gilt.

Rund 400 000 Euro sind in Birkenfeld für die Sanierung nötig. Eine Finanzspritze gibt es von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die ihre Mittel neben anderen Spenden aus der Glücksspirale von Lotto Bayern bezieht. Womit wir beim Hauptgewinn der Grafen-Familie wären, die doch nie Lotto spielt.

Schloss Birkenfeld ist neben der Ruine Altenstein das zweite Förderprojekt der Stiftung Denkmalschutz im Haßbergkreis.
Diese Tatsache hatte vor elf Jahren dazu geführt, dass Bundespräsident Johannes Rau nach Altenstein gekommen war.

Heimische Firmen gesucht

Neben dem Badehaus in Birkenfeld stehen weitere sechs Gebäude auf der Sanierungsliste. Die Voruntersuchungen sind abgeschlossen und mit den Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege in Schloss Seehof abgestimmt. "Die Ausschreibung der Arbeiten läuft bereits, am liebsten möchten wir mit heimischen Firmen zusammenarbeiten", umreißen Mirjam und Philipp zu Ortenburg, die das repräsentative Anwesen 1995 vom Onkel in Tambach abgekauft haben, den aktuellen Sachstand.

Entstehen sollen zwei Ferienwohnungen, zwei bestehende seien bei größeren Familien oder auch Firmenbelegschaften sehr beliebt, erzählt die Gräfin. Zu den Dauermietern gehört auch der Kinderbuchautor Paul Maar, der sich zum Schreiben oft von Bamberg aus nach Birkenfeld zurückzieht.

Zur kompletten Anlage zählen ein südlich vorgelagerter Wirtschaftshof und nördlich vorgelagerte Pavillons, wie eine Orangerie, Pferdeställe, Scheunen, die Schmiede, ein Schafstall und die Brauerei.

Sehenswertes Innenleben

"Das Schloss verfügt innen über eine repräsentative Ausstattung. Sehenswert sind das Treppenhaus, der Freskensaal, der Chinesische Salon, das Vestibül sowie einige Kabinette. In einem der beiden Seitenflügel befindet sich eine Badeanlage aus der Erbauungszeit. Verschiedene Bauteile sind derzeit akut vom Einsturz bedroht bzw. in ihrer Substanz gefährdet. Notsicherungen wurden durchgeführt und ein Baugutachten erstellt. Damit kann nun mit der Sicherung der einzelnen Bauwerke begonnen werden, konkret den herrschaftlichen Pavillons, dem Badehaus, dem Marstall, dem Schafstall, der ehemaligen Brauerei, der Schmiede und der Pferdeschwemme. Die Ökonomiegebäude sind für das Erscheinungsbild der Gesamtanlage unverzichtbar", urteilt die Denkmalschutzstiftung, deren Vertreter, Uwe Franke, Restaurator aus Schloss Wernstein bei Kulmbach, zusammen mit Hubert Hennes von der Lotto-Bezirksstelle in Hallstadt den Spendenscheck übergab.

Rund drei Millionen Mark hat Graf Philipp zu Ortenburg, der bei einem renommierten bayerischen Autohersteller in leitender Position beschäftigt ist, seit dem Kauf in das noble Anwesen investiert.

Der Onkel aus Tambach hatte in den Jahren 1978 bis 1980 mit der Sanierung des Schlosses, das 1738 bis 1748 von Johann Philipp Friedrich zu Hutten erbaut worden war, begonnen.

1841 gelangte es in die Hände der Grafen zu Ortenburg aus Tambach. "Seitherist kaum mehr etwas gemacht worden, um es an die Erfordernisse der Zeit anzupassen", so der neue Hausherr.

Inspiration durch Dorfjubiläum

"Wir sind sehr zufrieden hier, ich bin hier aufgewachsen", erzählt Philipp Graf zu Ortenburg. "Andere verkaufen ihre Schlösser, wir haben uns eins gekauft. Früher lebten sie vom Besitz, wir leben jetzt für den Besitz", lautet Ortenburgs Prämisse. Land- oder Forstwirtschaft hängen nicht am Schloss, die gehören zum nördlichen Seitentrakt, der noch zum Tambachschen Besitz zählt.

Die künftige Nutzung des Badehauses steht noch nicht fest. Das Becken soll auf jeden Fall erhalten bleiben. Seit der 1200-Jahr-Feier vor wenigen Wochen umtreibt Gräfin Mirjam die Idee eines Birkenfelder Heimatmuseums. "So etwas hatten wir zum Jubiläum in anderen Räumen, und eine Dauerausstellung wäre schön."

Museum oder Sommer-Salon

Allerdings müsste dann ein anderer Zugang geschaffen werden, denn zu viel Publikumsverkehr möchten die Ortenburgs nicht vor ihrem Haupteingang. "Es wäre natürlich auch ein Austragsstüberl denkbar", wirft der Graf ein. "Oder ein Sommer-Salon, aber das wäre Luxus. In den nächsten zehn Jahren müssen wir erst noch andere Baustellen schließen." Die Ehefrau ergänzt: "Wir verlottern unser Geld ja nicht. Deswegen spielen wir auch kein Lotto."