Als Inge und Manfred Wagner ihre vollbepackten Reiseräder über den Marktplatz schieben, hebt plötzlich ein Kamel den Kopf, blickt sie an und reißt den Kiefer weit auf - als ob es lauthals lachen würde. Den Kamelmarkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden die beiden Königsberger wohl niemals vergessen: Händler mustern die Tiere ausgiebig, schauen ihnen ins offene Maul, feilschen leidenschaftlich um den Preis und treiben die Kamele anschließend über eine improvisierte Rampe auf Lastwägen.

Ihre Radreise führte die Unterfranken vom iranischen Teheran an den Persischen Golf. Mit der Fähre überquerten sie die Straße von Hormuz und radelten über Dubai bis nach Muskat, der Hauptstadt des Oman. "Ist das nicht zu gefährlich?" wurden Inge und Manfred Wagner im Vorfeld wiederholt gefragt. Doch zurück von ihrer Reise durch das Land der Mullahs berichten sie von großer Gastfreundschaft. Wiederholt haben ihnen wildfremde Menschen unterwegs Essen und Unterkunft angeboten.

Kopftuch ist Pflicht

Im Iran musste Inge Wagner stets das gesetzlich vorgeschriebene Kopftuch tragen und bei der Besichtigung von heiligen Stätten einen Tschador, ein großes Tuch, umhängen. Auf ihrem Weg nach Isfahan und Shiraz kamen sie durch ausgedehnte Wüstenbereiche. Bei Temperaturen bis zu 50 Grad suchten sie oft vergebens ein schattiges Plätzchen. Weil die Radler nicht abschätzen konnten, wann sie wieder Wasser nachfüllen können, haben sie ihre Räder meistens mit rund 15 Litern beladen.

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In Isfahan besuchten sie ein befreundetes deutsch-iranisches Paar, das sie zum Festessen einlud und ihnen das historische Stadtbild zeigte, das durch Paläste, Minarette und die blauen Kuppeln der Moscheen geprägt ist. Die Franken besichtigten die christliche Kathedrale von Isfahan, deren armenische Gemeinde etliche tausend Mitglieder umfasst. Erstaunt stellten die Königsberger fest, dass sich zahlreiche Iraner sehr offen und kritisch über das Mullah-Regime äußern. Allerdings nur im persönlichen Gespräch, ein Recht auf öffentliche Meinungsäußerung gibt es nicht.

Ein Hauch von Ewigkeit

Auf dem Weg nach Shiraz spürten die Weitgereisten einen Hauch von Ewigkeit, als sie vor einer riesigen, angeblich mehr als 4000 Jahre alten Zypresse standen. Der Sage nach wurde sie vom Philosophen Zarathustra gepflanzt. Kurz darauf bestaunten sie die Weltkulturstätte Persepolis: Die antike Metropole wurde einst von Alexander dem Großen zerstört. Beeindruckt waren sie vor allem von den gut erhaltenen Reliefszenen.

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Oft stellten die Globetrotter ihr Zelt einfach in der Landschaft auf. In den arabischen Ländern gibt es noch Nomaden, und im Oman ist Wildcampen sogar offiziell erlaubt. Kurz bevor die Wagners den Persischen Golf erreichten, fegte nachts ein heftiger Gewittersturm über ihr Zelt. Fast orkanartig rüttelte der Wind an den Zeltstangen und der Regen prasselte hart auf die Zeltplane. Kurz darauf gesellte sich an der Küste noch eine hohe Luftfeuchtigkeit zu der sengenden Hitze. Auch nachts kühlte es kaum ab. Nach der Schiffspassage hielten sich die Wagners nicht lange in Dubai auf. Auf sechs- bis achtspurigen Straßen rasen noble Autos mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit dahin. Radfahren ist zwar nicht verboten, aber es gibt keine Seitenstreifen, geschweige denn Radwege.

Uralte Bienenkorbgräber

Im Oman beeindruckten jahrhundertealte imposante Festungen aus gestampftem Lehm. Noch wesentlich älter sind die Reste der sogenannten Bienenkorbgräber. Aufgereiht auf einem Berggrat sind sie aus flachen Steinen in der Form von etwa vier Meter hohen Bienenkörben aufgesetzt. Mit einem kleinen Loch am Boden, durch das ein erwachsener Mensch gerade so hineinkriechen kann.

Weil die Grabstätten touristisch nicht erschlossen sind, mussten die Wagners ihre Räder durch ein ausgetrocknetes Flussbett schieben. Sagenhafte 5000 Jahre alt sollen die Grabmäler sein. Nur ein verrostetes Schild informierte darüber, dass man sich hier an einer archäologischen Stätte befinde. Kein Hinweis auf das Weltkulturerbe, keine Absperrung, keine Aufseher, kein Eintritt - keine Touristen.