Der Stadtrat informierte sich im Reutersbrunner Forst und zeigte sich mit Holzmenge und -qualität zufrieden. Gewirtschaftet wird dort möglichst naturnah.
Die naturnahe Waldwirtschaft war Thema des Waldgangs der Mitglieder des Stadtrates
Ebern. Im Stadtwald bei Reutersbrunn informierten Betriebsleiter Jürgen Hahn und Förster Wolfgang Gnannd vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) das Gremium.
Bei der letzten Vermessung im Jahre 2017 verfügte der Stadtwald über eine nutzbare Fläche von rund 880 Hektar. Im Vergleich dazu gab es im Jahr 1994 nur 764 Hektar. Zu den Veränderungen sei es durch Abtretungen und Zukäufe gekommen, erklärte Jürgen Hahn.
Die Eiche dominiert
Bei der Verteilung der Baumarten dominiert die Eiche mit fast 35 Prozent. Ihr folgen Kiefer (31 Prozent), Buche (15) und Fichte (10). Aber auch reine Wirtschaftsbaumarten wie zum Beispiel die Douglasie sind mit rund fünf Prozent vertreten. In Ebern wird auf Naturverjüngung gesetzt, das heißt, dass der Nachwuchs-Waldbestand durch angeflogene oder aufgeschlagene Saat oder Saat umstehender Bäume entsteht.
In keinem anderen Forstbetrieb gäbe es soviel Eiche wie hier, informierte Hahn. Jedoch brauche man bei dieser Baumart sehr viel Fingerspitzengefühl bei der Lichtsteuerung. Die Lichtsteuerung spielt bei der Naturverjüngung eine entscheidende Rolle. Mit verschiedenen waldbaulichen Verfahren könne man unterschiedliche Lichtverhältnisse erzeugen und so den zukünftigen Bestand beeinflussen.
Beim Baumvorrat ganz vorne
Beim Baumvorrat liegt der Eberner Stadtwald an der Spitze der kommunalen Betriebe in Unterfranken. Außerdem habe der Vorrat eine sehr hohe Qualität, die sich dadurch auszeichnet, dass die Stämme kaum Äste aufweisen. So belaufe sich die Summe der erntefähigen Festmeter (Efm) auf 273 000. Grundsätzlich wird aber maximal die Menge Bäume gefällt, die auch nachwächst.
Weiterhin haben 14 Holzrechtler aus Reutersbrunn das Gewohnheitsrecht, in den Abteilen "Vorbacher Weg", "Jockelsgraben" und "Heidhügel", das Holz für sich zu nutzen. Die Rechte beruhen auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 1863 mit der damaligen Gemeinde und sind an die Häuser beziehungsweise die Flur-Numnmern der Rechtler gebunden. Erstmals haben diese die Bewirtschaftung an die Firmen Birklein und Ebert vergeben, die mithelfen sollen, die richtige Mischung des zukünftigen Baumbestandes zu fördern. Auf den 50 Hektar der Rechtler ist die Kiefer mit 64 Prozent am meisten vertreten.
Bei der Schlussbesprechung resümierte Bürgermeister Jürgen Hennemann, dass der Waldgang wieder einmal eine gute Gelegenheit war, Abläufe näher kennenzulernen. Dank kontunuierlicher Bewirtschaftung und Betreuung durch die engagierten Fachleute, stehe der Stadtwald top da. "Unser Wald darf ein Stück Natur sein", erklärte das Stadtoberhaupt in Bezug auf die Naturverjüngung.
Neuer Wildkatzenpfad
Die Stadträte führte es auch zu dem neuen Wildkatzenpfad im Rechtlerwald. In diesem Bereich wurde auch der erste Nachwuchs der scheuen Tiere registriert. Zwar noch nicht ganz fertiggestellt, werde das eine Einrichtung werden, die die Leute in das Naherholungsgebiet holt, ist sich Hennemann sicher. Zusammen mit dem Naturpark Haßberge und dem AELF hat hier die Stadt Ebern interessante Stationen geschaffen, die das Leben der Wildkatzen und allgemein die Natur näherbringen sollen.
Eberhard weist den Weg
Auf 2000 Hektar habe eine Wildkatze ihr Revier, erläuterte Förster Wolfgang Gnannd und hob gleichzeitig hervor, dass eine Waldbewirtschaftung nicht im Gegensatz zur natürlichen Lebensweise der Tiere stehe. "Da liegen aber schon mal Äste auf dem Weg, so wie es halt die Natur will", aber man solle sich ja auch quasi auf den Spuren der Wildkatze auf diesem Pfad bewegen, so Gnannd weiter. Katze "Eberhard" als Symbolfigur wird in Zukunft den Besuchern den richtigen Weg weisen. Die offizielle Eröffnung ist für Herbst diesen Jahres geplant.