In vielen Rathäusern werden Bürgermeister schon ungeduldig, im zuständigen Ministerium in München die Verantwortlichen auch: Wann werden endlich die Erhebungen der bundesweiten Verkehrszählung vom Sommer 2015 vorgelegt? An vielen Bundesstraßen, an denen keine automatische Zählvorrichtungen vorhanden sind - wie an der B 279 - saßen damals Schüler,. Studenten, Rentner und strichelten die Listen voll.

Doch Ergebnisse wurden vom zuständigen Bundesverkehrsministerium bislang nicht bekannt gegeben. Der Bundesverkehrswegeplan indes, mit dem das Ausbauprogramm und die dafür notwendigen Finanzmittel für die nächsten festgeschrieben werden, wurden längst verabschiedet.


Nachfrage im Ministerium

Wie passt denn das zusammen? Eine Nachfrage im Bundesverkehrsministerium im Spätsommer ergab, dass die Ergebnisse der Verkehrszählung 2015 "noch vor Weihnachten" präsentiert werden würden. Dem war nicht so. Ein erneutes Nachhaken vor einigen Wochen ergab, dass die Auswertung der automatischen Zählstellen, wie entlang der Autobahnen und manchen Bundesstraßen, erfolgt sei, die von Menschen erfolgten Zählungen würden noch ausgewertet, die Bekanntgabe erfolge "in nächster Zeit".


Nachfrage in der Anstalt

Die hat sich hingezogen. "Ja leider ist das so", erklärte eine Sprecherin der zuständigen Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in Bergisch Gladbach am Montag. "In dieser Woche werden den Ländern die vorläufigen Daten zur Verfügung gestellt."

Vor Ostern also. Doch schon am Tag darauf erfolgte der Widerspruch aus dem bayerischen Wirtschaftsministerium in München: "Wir warten seit nunmehr zwei Jahren auf die Verkehrszählung für 2015 der Bundesanstalt für das Straßenwesen." Und: "Nach Rücksprache unseres Hauses mit der Bundesanstalt für das Straßenwesen (BASt) werden wir in dieser Woche keine Daten zur SVZ 2015 von der BASt bekommen. Bis dato wurden am 30.01.2017 lediglich der Ergebnisse (DTV (Durchschnittlicher täglicher Verkehr) und SV-Anteil (Schwerverkehrsanteil)) für die Bundesautobahnen veröffentlicht."

Woran hängt's? Nochmaliger Vorstoss in Bergisch Gladbach: "Im Rahmen der manuellen Straßenverkehrszählungen werden Verkehrsstärken auf Autobahnen und Bundesstraßen im Fünf-Jahres-Turnus erhoben. Bei diesen manuellen Zählungen wird der Verkehr im außerörtlichen Bundesfernstraßennetz als zeitliche Stichprobe über ausgewählte Tage/Stunden eines Jahres flächendeckend erhoben. Diese Zählungen sind umfassender und genauer als die automatischen. Die Zählungen werden nach einheitlichen Richtlinien von den Straßenbauverwaltungen der Länder organisiert. Die Erhebungen decken das gesamte außerörtliche Bundesfernstraßennetz ab. Darüber hinaus wird nach dem Ermessen der Länder auch auf Landes-, Kreis- und Gemeindestraßen im bundeseinheitlichen Erhebungsdesign gezählt", teilte das Amt mit.


Nachfrage in den Gemeinden

Und jetzt kommt die Antwort, wo das Problem liegt: "Um sicherzustellen, dass die manuell erhobenen Daten fehlerfrei sind, werden sie anhand der automatisch erhobenen Daten mittels eines Rechen-Algorithmus auf Plausibilität überprüft. Das alles macht die BASt mit vielen Partnern zusammen und Sie wissen, jede Kette ist so stark wie das schwächste Glied... Wir alle arbeiten mit Hochdruck an der Zusammenstellung der Daten."
- Also irgendwann nach Ostern 2017.

Das gilt für alle drei Bundesstraßen, die den Landkreis Haßberge durchziehen (Fragmente der B 26, B 303 und B 279), besonders bei Ortsdurchfahrten.

Da haben es die Breitengüßbacher schlauer gemacht. Im Zusammenhang mit einem Förderprogramm, der gewünschten Verkehrsberuhigung im Ortszentrum sowie den laufenden Umgehungen durch den Ausbau der ICE-Strecke haben sie selbst eine Verkehrszählung bei einem Büro in Auftrag gegeben und nun die entsprechenden Zahlen vorliegen, aus den denen sich entsprechende Schlüsse über Regelungen oder Neubauten ziehen lassen.
In anderen Rathäusern hofft man auf Argumentationshilfen aus Bergisch Gladbach.

So meint Maroldsweisachs Bürgermeister Wolfram Thein (SPD): "Als Information ist eine Verkehrszählung schon wichtig für die Kommune, da wir einen Vergleich zu unseren Verkehrsmessungen haben und das was für uns noch wichtiger ist, ist der Anteil an Schwerlastverkehr, der bei der Verkehrszählung mit erhoben wird. Natürlich spielen diese Zahlen eine große Rolle, wenn es um die Wichtigkeit einer Straße geht wie z.B. einer Bundesstraße 279, um hier Argumente für eine geplante Umgehung zu haben."