Braucht es nach 34 Jahren neue Ideen und Initiativen? Um die künftige Konzeption des Altstadtfestes ging es vor einer erneuten Ausschreibung des Festes im Oktober bei einer Zusammenkunft von rund 30 Interessierten im Rathaussaal. Allzu große Erwartungen dämpfte Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) gleich zu Beginn: "Wir werden heute zu keinem fertigen Konzept kommen, das bleibt dem Stadtrat vorbehalten, aber ich möchte eine Diskussionsbasis bieten."

Davon machten die Teilnehmer auch rege Gebrauch. Mit dabei auch der bisherige Festwirt Stefan Kaiser, dessen Familie das Fest im Auftrag der Stadt seit 28 Jahren ausrichtete. Kaiser lehnte ein weiteres Engagement zwar nicht kategorisch ab, gestand aber eine gewisse "Amtsmüdigkeit" ein: "Das ist jedes Mal eine große Last und eine Gratwanderung. Und Du bist jeden Tag um 6 Uhr früh froh, wenn es einigermaßen glatt gelaufen ist." Zahlen über Umsatz, Helferstab usw.
ließ sich Kaiser nicht entlocken.

Als neuen Ansatz ließ Bürgermeister Hennemann anklingen: Aufteilen des Festes in verschiedene Bereiche, die von unterschiedlichen Gastwirten oder gar Vereinen betrieben werden. Eine Grundsatzfrage, wie auch Sebastian Ott, einer der regen Diskutanten, meinte.

Vereine überfordert

Für den Vorsitzenden der Tourismus- und Werbegemeinschaft (TWG), Günter Dietz, gibt es da gar keine Zweifel: "Das muss in einer Hand liegen, wenn solche Massen kommen." Gar keine Hoffnung hegt Dietz in Bezug auf ein Vereins-Engagement: "Die haben doch alle schon ihre Feste. Und ich erinnere daran, dass ein großer Verein erst kürzlich vor einem großen Fest per Zeitungsveröffentlichung nach Helfern für den Zeltaufbau suchte."

So erklärte beispielsweise Steffen Schanz für den Bürgerverein, dass ein weitergehendes Engagement über die bisherigen Feste hinaus innerhalb des Vorstandes abgelehnt wurde.

Weiter fand Günter Dietz, dass die Feste in früheren Jahren weit weniger geordnet abliefen als zuletzt. "Das hat vom Dreck her schon viel schlimmer ausgschaut", wusste er als morgendlicher Helfer, der mit Besen über den Marktplatz zog.

Auch Kulturringsvorsitzender Eberhard Wohl hegt Zweifel, dass Vereine aufs Altstadtfest aufspringen: "Ich werde es bei unserer nächsten Sitzung in die Diskussion einbringen, aber ich glaube nicht, dass jemand mitmacht. Für das Mittelalter-Fest haben wir ja auch keinen gefunden, der den Kaffee-Stand übernehmen wollte."
Frust klang auch bei Christina Seebach-Künzel durch, die an die vergeblichen Bemühungen der TWG erinnerte, um die Kirchweih aufzuwerten. "Wir sind schon froh, dass die Fleisch- und Wurstfreunde jetzt regelmäßig wieder einen Kirchweihtanz veranstalten."

Stadträtin Isabell Kuhn (Junge Liste) gab zu bedenken, dass bei einer Aufsplittung auf mehrere Beteiligte auch an die Rahmenbedingungen, wie Sicherheitskräfte, Toiletten, Hygienevorgaben etc. gedacht werden müsse. Dazu Bürgermeister Hennemann: "Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das ehrenamtlich neben einem Beruf zu schaffen ist. Da braucht es schon zwei tüchtige Frührentner."

Die geforderten Rettungswege hielt Stadtrat Philipp Arnold (Freie Wähler) für "kein Totschlag-Argument, wenn am Marktplatz etwas geändert wird". So fand er, selbst Musiker, die Stimmungskapellen heuer für "schlichtweg schlecht, wenn am Abend drei Mal die nackten Friseusen angestimmt werden".

Im Zusammenhang mit einem Foto-Rückblick auf das erste Altstadtfest zur 750-Jahr-Feier, den Steffen Schanz zusammengestellt hatte, wurde daran erinnert, dass in den ersten Jahren die Eberner Wirte als Veranstalter auftraten, ehe es zu Reibereien gekommen sei und dann über eine Ausschreibung die Wahl auf die Familie Kaiser fiel.

Blick auf die Anfänge

So vor Augen geführt wurde das Straßentheater in der Rosengasse, die Handwerker rund um die Stadtpfarrkirche, die Tanzgruppen am Grauturm und im Pfarrgarten. Alles Winkel, die manchen der Versammlungsteilnehmer auch jetzt inspirierte, um sie wieder als Veranstaltungsorte zu nutzen.

"Das war damals aber noch nicht so überlaufen, aufgelockerter und damit ganz andere Rahmenbedingungen", relativierte der Bürgermeister diese Reminiszenz. "Mittlerweile sind wir das drittgrößte Fest im Landkreis, das auch heuer wieder fast 20 000 Besucher anlockte", ergänzte Helen Zwinkmann als Festleiterin.

Programm für alle Zielgruppen

An der Programmgestaltung fand sie wenig zu mäkeln. "Es ist für alle etwas dabei." Kulturprogramm, Frühschoppen, Kinderaktionen, DJ-Party, Künstlermarkt. "Der Montag hat sich als Firmentag längst etabliert."
Zwinkmanns Frage: "Wollen wir das bestehende Konzept übernehmen, oder nur in Teilen ausschreiben, oder gar komplett neu anfangen, sodass Vereine, Geschäftsleute oder gar eine Event-Agentur als Veranstalter auftreten?"

Womit sie auch wieder Günter Dietz auf den Plan rief. "Mit unserer Bandbreite erreichen wir doch alle Zielgruppen, haben selbst ein Angebot für Kinder und ansonsten ist das Altstadtfest doch ein großes Klassentreffen für alle Eberner."

Diese Euphorie teilten nicht alle Teilnehmer. Bei einer Ideensammlung klang an, dass die Doppel-Beschallung von zwei Bühnen aus weniger Anklang findet.

"Die Musik ist zu laut, die Biertische zu eng gestellt", lautete ein Kritikpunkt. Rückzugs-Nischen wären daher vorteilhaft, außerdem sollten Brotzeiten ins kulinarische Angebot aufgenommen werden.

Seitens der TWG wollte Günter Dietz kein Umkrempeln. "Wollen wir ein lautes Fest oder den gemütlichen Plausch?"
Eine weitere Zusammenkunft findet am 23. September statt, ehe die Ideensammlung auf dem Ratstisch landet.