"Die ausgestellten Kunstwerke gehören normalerweise nicht zum Programm einer Kunst-Galerie", erklärte die Galeristin. "Doch wir leben hier im Steigerwald am Rande gesellschaftlicher Hierarchien und dürfen frei fantasieren, auch räsonieren und quasi unseren eigenen Kulturraum schaffen", ergänzte Egon Stumpf. "Denn grundsätzlich ist es unser Anliegen, die Grenzen zwischen Kunst und Kunsthandwerk oder angewandter und freier Kunst zu entideologisieren." Keramische Kunst ziele auf die menschliche Fähigkeit ab, Ästhetisches wahrzunehmen und zu schätzen, letztlich Freude zu bereiten und den Alltag zu schmücken.

Zwar seien die ausgestellten Arbeiten generell dem Kunsthandwerk zuzuordnen.
Doch sie wurden laut Eleonore Schmidts-Stumpf von mehrfach ausgezeichneten Künstlern geschaffen, die die Grenze vom Töpfer für Gebrauchsgegenstände zum Künstler für keramische Plastiken überschritten und sich damit einen Namen gemacht hätten.

Filigrane Türme und Figuren

So kann der Betrachter angesichts der filigran erscheinenden Gefäßkeramik, der aufgebauten Stücke wie Türme oder Figuren sowie der Plastiken von Silvia Ullmann nur staunen. Die Künstlerin legt sehr viel Wert darauf, dass man den Ton sieht. Sie verwendet statt einer Glasur Farboxyde, Sande und Mehle zur Gestaltung der Oberfläche, in der das Geheimnis liegt. "Der Ton inspiriert mich und deshalb mische ich ihn mir selbst", sagte sie.

Schon auf den ersten Blick wirken auch die Doppelwandgefäße von Gabi Ehrminger bezaubernd. Sie brennt ihre Arbeiten nach uralter Tradition bei niedrigen Temperaturen. Denn sie poliert die Oberfläche anschließend und verleiht ihren Werken damit einen schimmernden Glanz. Weil sie zwischen Ton und Brennmaterial auch Pflanzen einbringt, kommen diese auf faszinierende Weise auf den Gefäßen zum "Blühen".

Die Formen des Feuers

Dass Jochen Rüth Interesse an der Bildhauerei hat, sieht man seinen formschönen Vasen, Wandobjekten und schalenförmigen Objekten an. Der Künstler liebt die Arbeit mit den vier Elementen Luft, Feuer, Wasser und Erde. Weil er besonders gerne mit dem Feuer experimentiert und den Schwarzbrand anwendet, sind seine Werke dunkelgrau bis schwarz und strahlen eine besondere Faszination aus. "Ich gebe dem Feuer viel Raum bei der Gestaltung. Denn es wäre langweilig, beim Öffnen des Brennofens schon zu wissen, was herauskommt", erklärte er. Dass in einer seiner Vasen Blumen stehen, begründete er damit, dass dies den Kontrast zwischen dem Vergänglichen und dem Leben offenbare.

An organischen Formen ist Barbara Schwämmle interessiert. Sie bezieht ihre Inspiration aus der Natur und ist mit sehr farbigen Vasen und Objekten vertreten, die an Blumen, Fruchtformen oder Seeanemonen erinnern. Weil sie im Brennofen den Sauerstoff reduziert, färbt auch der Rauch ihre Objekte, die in diffiziler Detailarbeit aufgebaut werden und sehr lebendig wirken.

Die Farbe ist aufregend

Elisabeth Schaffer hat einige ihrer Porzellanarbeiten ausgestellt. "Porzellan ist sehr empfindlich beim Brennprozess, doch die weiße Farbe und die Möglichkeit, die Objekte mit Farben zu gestalten, fasziniert mich sehr", teilte sie mit. Um die Farbigkeit zu erreichen, trägt sie farbiges Porzellan auf Gipsplatten oder in hohle Gipsformen auf. Dann gießt sie das flüssige Porzellan darüber, fügt nach dem Trocknen die entstandenen Platten zusammen, schleift sie und brennt sie zweimal. "Ich versuche meine Arbeiten aus dem strengen Maßstab herauszuführen, um ein räumliches Phänomen zu erschaffen", so die Künstlerin.

Die Arbeiten dreier japanischen Keramiker vervollkommnen die Ausstellung. Masami Kobayashi beschäftigt sich mit der keramischen Skulptur und verlässt damit die traditionelle japanische Keramik. Toshihiro Juhaku Inoue ist der traditionellen japanischen Technik der Porzellanherstellung verpflichtet. Seine Werke sind im Museum für moderne Kunst in Tokio zu sehen, und sogar der Kaiser von Japan hat sich von ihm Ritualgefäße anfertigen lassen.

Sein Sohn Hideki Inoue absolvierte seine Keramiker-Ausbildung in Deutschland und wurde in Japan bereits mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet. Dass die japanischen Künstler vertreten sind, ist dem Bildhauer Peter Picciani aus Bad Königshofen zu verdanken, der seit vielen Jahren ihre Arbeiten verwaltet und immer wieder Ausstellungen organisiert.