Jahrelang ging es schleppend voran, jetzt wagt niemand mehr, daran zu zweifeln: Im Gemeindegebiet Knetzgau entsteht ein Tierheim.
Was lange währt, geht endlich los: Nach jahrelanger Standortsuche und vielen Rückschlägen hat gestern der Bau des Tierheims für den Landkreis Haßberge offiziell begonnen. Dazu trafen sich die Hauptverantwortlichen aus Politik, Verwaltung und der Tierschutzinitiative Haßberge in Zell und legten beim symbolischen Spatenstich selbst Hand an.
Das klare Signal: Jetzt hält uns nichts mehr auf. "Ab heute kann ich endlich antworten: Wir bauen schon", sagte Landrat Wilhelm Schneider (CSU). Da fiel ihm ein großer Stein vom Herzen beziehungsweise wenig später ein dicker Batzen Erde von der Schaufel. Denn häufig sei er in den vergangenen Wochen und Monaten gefragt worden, ob denn neben all der Planung nun endlich auch mal mit dem Bauen begonnen würde. "Eine scheinbar unendliche Geschichte geht nun ihrem Ende entgegen", sagte er. "Mein Vorgänger Rudi Handwerker hat sich an diesem Projekt fast die Zähne ausgebissen." Denn als Altlandrat Handwerker im Jahr 2011 nach der Schließung des Tierheims in Haßfurt damit begann, eine neue Lösung für die Fundtierbetreuung zu suchen, ahnte er nicht, dass es sich dermaßen zäh gestalten würde.
Widerstand und andere Probleme
Mehrfach mussten Pläne verworfen werden, dieses Hickhack blieb auch Wilhelm Schneider, der seit 2014 Landrat ist, nicht erspart: Auch er sah sich mit etlichen Problemen konfrontiert. "Allein die Suche nach einem geeigneten Grundstück gestaltete sich äußerst schwierig", erklärte er. "26 Alternativ-Grundstücke haben wir untersucht." Entweder habe es Widerstand aus der Bevölkerung gegeben, weil Bürger Angst vor hohem Verkehrsaufkommen, Hundegebell und Gestank hatten oder "eine Zerstörung des Naherholungsgebietes befürchteten". Oder es gab Probleme beim Grundstückserwerb, so war es teils zu teuer, zu klein, die Erschließungskosten waren zu hoch "oder der Standort für ein Tierheim nicht geeignet".
Letztlich klappte es in Zell nahe der Autobahnzufahrt auf die A70. Dort hat der Landkreis Haßberge nun tatsächlich damit begonnen, das neue Tierheim zu bauen. Knapp 1000 Meter Wasserleitung sind bereits verlegt worden, Kanal- und Stromanschluss folgen demnächst, erklärte Marko Fleischmann vom Kreishochbauamt vor Ort.
Karin Kraus und Britta Merkel, die Vorsitzenden der Tierschutzinitiative (TI) Haßberge, waren sichtlich erleichtert, dass das Projekt nun konkrete Züge annimmt.Die TI hatte seit 2011 provisorisch die Fundtierbetreuung koordiniert und zum Teil auf Privatgrund freiwillig übernommen, viel länger als eigentlich gedacht.
Im Jahr 2015 etwa waren es insgesamt 312 Tiere, die auf dem privaten Hof von Britta Merkel in Oberschwappach versorgt wurden. Tierarztkosten von 2000 bis 4000 Euro monatlich fallen in der Regel an, erklärte Karin Kraus. Zwar unterstützte der Landkreis die TI finanziell, aber die Fundtierbetreuung mitten im Ort auf Privatgrund war schlicht auf Dauer nicht tragbar: "Der nette Fundhund, der früh um sechs gauzt. Da freut sich der Nachbar", sagte Karin Kraus. "Aber der Rückhalt in der Bevölkerung ist toll. Da muss ich mal eine Lanze brechen für die Oberschwappacher." Die Anwohner seien immer verständnisvoll gewesen.
Kommunen als Eigentümer
Zum neuen Tierheim steuern die 26 Kommunen im Landkreis Haßberge gemeinsam eine Million Euro bei. Der Landkreis übernimmt die restlichen Kosten, insgesamt soll das Vorhaben mit 1,7 Millionen Euro zu Buche schlagen. Wie Aidhausens Bürgermeister Dieter Möhring, Kreisvorsitzender des bayerischen Städte- und Gemeindetags, erklärte, sei das Projekt einmalig in Bayern. Denn die Landkreiskommunen beziehungsweise Verwaltungsgemeinschaften werden gemeinsam ein Tierheim bauen und über einen noch zu gründenden Zweckverband als Eigentümer auftreten. Darüber hinaus soll mit der Tierschutzinitiative Haßberge ein Betreibervertrag geschlossen werden. Über eine Einwohnerpauschale werden die Abgaben der Kommunen für die Fundtierbetreuung bestimmt. Voraussichtlich im ersten Quartal 2017 soll das Tierheim dann in Betrieb gehen.