Ebern soll ein Zentrum zur Förderung von talentierten Fußballern werden mit dem Ziel, die Spieler in den Profibereich zu bringen. Die Philosophie und das Konzept zur Talentförderung stellten am Freitagnachmittag im Sitzungssaal der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ebern Thomas Kastler, Geschäftsführer der Internationalen Fußballakademie (IFA), sein Vertreter Maximilian Schug und Claudia Biebl, Pressesprecherin der IFA, vor.

Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) sagte, dass in Sachen IFA Informationsbedarf vorhanden sei, damit sich die Bürger in Ebern und Umgebung eine Vorstellung davon machen könnten, was die IFA anstrebt. Die beiden Sportplätze der Stadt Ebern auf dem Areal der früheren Kaserne würden der IFA im Pachtverhältnis zur Verfügung gestellt, sagte er. "Ich hoffe, dass durch die Arbeit der IFA Ebern weit hinaus bekannter wird."

Claudia Biebl machte deutlich, dass die IFA einen guten Kontakt mit der Stadt Ebern, höherklassigen und örtlichen Fußballvereinen knüpfen möchte beziehungsweise das schon getan habe. Sie freute sich, dass die Stadt die Idee unterstütze, dass sich die IFA in Ebern niederlasse.

Wie sie und Geschäftsführer Thomas Kastler sagten, halten Fußball-Scouts Ausschau nach talentierten Spielern in Europa und Südamerika. Sie sollen als sogenannte Rohdiamanten in Ebern ihren Feinschliff erhalten. Hierfür stehen Trainer mit A-Lizenz und UEFA-Pro-Lizenz zur Verfügung. "Wir unterstützen auch regionale Vereine durch internationale Trainer in Workshops", ergänzte Maximilian Schug, Sport- und Finanzmanager der IFA und studierter Sportökonom.

Zurzeit, das wurde deutlich, ist die Corona-Pandemie ein Hemmschuh für die ehrgeizigen Pläne der Verantwortlichen. Wie Thomas Kastler sagte, stehen bereits viele Spieler in ihren Ländern in den Startlöchern. "Wir brauchen nur auf den Knopf zu drücken, und sie sind da", sagte er. Insgesamt sollen dann 32 Fußballtalente verschiedener Nationen in Ebern ihren "Feinschliff" erhalten.

Der Plan ist nach den Worten von Pressesprecherin Claudia Biebl dreigegliedert. Zunächst sollen Scouts der IFA potenzielle Kandidaten vorstellen. "Dies sollen international aufstrebende Talente im Alter von etwa 18 bis 20 Jahren sein." Erfüllen sie diese Voraussetzungen und Geschäftsführer Thomas Kastler und Maximilian Schug geben ihr Einverständnis, kommen die Spieler für ein Jahr an die Akademie nach Ebern. Dort steht im zweiten Schritt das Einzeltraining im Vordergrund; hinzu kommen individuelle Betreuung, Essenspläne, und es ist wichtig, einen passenden Lebensstil und soziale Fähigkeiten zu schulen und zu erlangen. Im dritten Schritt haben die Spieler die Möglichkeit, sich in Top-Vereinen zu versuchen.

Wie finanziert sich das alles? Dazu sagte Geschäftsführer Thomas Kastler, dass Vereine, die ihre Spieler schicken, auch für deren Ausbildung aufkommen. Kehren sie nach der Ausbildung zu ihren Vereinen zurück oder schließen sich einem anderen Profilclub an, erhält IFA eine Ausbildungsentschädigung. "Wie die Spieler oder deren Vereine sie dann vermarkten, ist nicht mehr unsere Angelegenheit", sagte Kastler.

Das auf dem ehemaligen Kasernengelände gelegene Gebäude, in dem die Spieler untergebracht werden, ist per Mietkauf von der IFA übernommen. Der Sportplatz, der unterhalb der Frauengrundhalle liegt, ist von der IFA von der Stadt angemietet und wird derzeit von der IFA hergerichtet, die auch die Kosten dafür trägt, so die Aussagen von Bürgermeister Hennemann und Geschäftsführer Kastler.

Mit im Schlepptau hatten die Verantwortlichen der IFA den 19-jährigen Mittelfeldspieler Chris Dierke, dessen Ziel es nach seinen Worten ist, Profifußballer zu werden. Er war zuvor zweieinhalb Jahre beim 1. FC Nürnberg, spielte beim FSV Erlangen-Bruck, um dann für sieben Jahre zur SpVgg Greuther Fürth zu gehen. Dort wurde er 2017 in Duisburg mit seiner Mannschaft deutscher Meister in der Jugendmannschaft. Gegenwärtig ist er beim TSV Aubstadt und erster Spieler in der Sportakademie in Ebern. "Ich halte das Konzept der IFA für recht gut", sagte Dierke.

Warum hat sich die Sportakademie in Ebern niedergelassen? Dazu sagte Geschäftsführer Thomas Kastler, dass er bei einer Veranstaltung in Würzburg eine Bedienstete der Stadt Ebern getroffen habe, mit der er sich über seine Pläne unterhielt. Diese meinte, dass in Ebern gute Voraussetzungen vorhanden seien, was sie ihrem Chef, Bürgermeister Hennemann, mitteilte, der das Thema aufgegriffen habe.

"Wir hatten hier den Vorteil, dass entsprechende Gebäude und Flächen vorhanden waren und wir keine neuen suchen mussten", sagte Hennemann. Ebern und IFA wurden sich einig. Mittlerweile sei ein Gebäude, ein früheres Kompaniegebäude der Bundeswehr, komplett renoviert, erläuterte Pressesprecherin Claudia Biebl. Wenn Corona es zulässt, sollen bis Ende Februar Spieler in das Gebäude einziehen.

Wichtig ist es für Geschäftsführer Kastler auch, dass die Spieler eine Ausbildung machen, quasi für alle Fälle. Wie Schug sagte, können gerne Spieler aus der Region auf die Akademie zukommen. Ein Angebot der IFA werde sein, mit regionalen Vereinen zu trainieren oder dort mit Profitrainern Workshops zu veranstalten. Es sei in naher Zukunft auch daran gedacht, in Ebern oder in einer Partnerstadt internationale Jugendturniere zu veranstalten, sagte Kastler. "Da holen wir halt mal etwa sechs Mannschaften hierher."

Er blickte auf seine Zeit als Sportdirektor in Gibraltar an der Südspitze der iberischen Halbinsel zurück und sagte: "Dort hatten wir ein Turnier mit einer chinesischen Mannschaft und danach haben viele Chinesen Gibraltar als Urlaubsort aufgesucht." Das ließ Bürgermeister Hennemann hellhörig werden. Hofft er auf eine ähnliche Resonanz?

Wie zu erfahren war, ist geplant, neben dem bisherigen Gebäude ein zweites für die Zwecke der IFA zu nutzen. "Dort könnten dann Mannschaften, die zu uns kommen, untergebracht werden", sagte Thomas Kastler. Das derzeitige Gebäude verfügt über Einzelzimmer.

Hennemann betonte, dass er die Aktivitäten der Fußballakademie für eine gute Sache hält und er sich auch für die Stadt Ebern und das Umland einiges erhofft. Nun hoffen alle gemeinsam, dass es im Frühjahr "in die Vollen" gehen kann. Wer sich weiter informieren möchte, kann dies unter www.ifagermany.com oder unter der Telefonnummer 09531/9448264 tun. Die Adresse der IFA lautet: Im Frauengrund 5, 96106 Ebern.