Der Zeiler Ultralangläufer Hubert Karl war wieder unterwegs. Diesmal war Schottland sein Ziel, wie er berichtet.

Der West Highland Way in Schottland ist einer von Europas meist frequentierten Fernwanderwegen. Er wird von vielen als der schönste Fernwanderweg auf der britischen Insel angesehen und ist zu einem echten "Renner" geworden. Inzwischen zählt der Weg jährlich mehr als 50 000 naturbegeisterte Schottlandfreunde, die sich auf den Weg von Glasgow nach Fort William machen. Zum Großteil erstreckt sich der Weg über viele alte Verkehrswege, zumeist Viehhändlerrouten, Militärstraßen und alte Behelfswege.

Seit der Eröffnung des Wanderweges 1980 ist er auch zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor geworden - viele Herbergen leben von den Wanderern, die in der Regel zwischen vier und acht Tagen auf dieser Strecke unterwegs sind.

4500 Höhenmeter

Vom Start in Minlgavie bei Glasgow sind bis zum Endpunkt in Fort William 154 km zurückzulegen. Alle Anstiege zusammengerechnet ergeben eine Höhendifferenz von 4500 Metern. Der erste Streckenabschnitt führt durch hügeliges, meist landwirtschaftlich genutztes Gelände zum Loch Lochmond, Schottlands größtem Süßwassersee, passiert die Highland-Boundaury-Fault und gelangt ins Glen Falloch, ein Tal mit einem reißenden Fluss.

Schroff und gebirgig

Durch eine immer schroffer und gebirgiger werdende Landschaft kommt man ins Rannoch Moor, Schottlands größtes zusammenhängenden Moorgebiet. Das berühmt berüchtigte Tal Glen Coe verlangt den Teilnehmern vieles ab und der bergigste Teil der Strecke beginnt. Der Weg erklimmt in einem steilen Anstieg das Devil's Staircase ("Teufels Treppenhaus"), den höchsten Punkt der Strecke, bevor es wieder steil hinab bis auf Meereshöhe nach Kinlochleven geht, einer kleinen Stadt mitten in der Wildnis der Highlands. Den letzten Abschnitt bestimmt Ben Nevis, der mit 1345 Metern höchste Berg Großbritanniens, an dessen Fuß der Weg endet.

Erstes Rennen 1986

Seit 1986 wird das West Highland Way Race veranstaltet, ein Ultramarathon über die gesamte Distanz. Waren es Ende der 80er Jahre nur zehn bis 20 Teilnehmer, die diese Strecke durchliefen, musste in den letzten Jahren eine Begrenzung der Teilnehmerzahl eingeführt werden. Die Attraktivität sprach sich in der Läuferszene herum und man beschränkte die Teilnehmerzahl bei meist 400 bis 500 Bewerbern auf 300 Startplätze. Der Startschuss erfolgt am Morgen des längsten Tages im Jahr kurz nach Mitternacht. Das heißt für zwei Drittel der Teilnehmer, durch zwei Nächte zu laufen. Auch wenn die Dunkelheit durch den Mittsommer sehr kurz ist, ist man gezwungen, höchst konzentriert die schwierigen Pfade zu bewältigen. Die Teilnehmer müssen in 35 Stunden die Strecke von Milngavie nach Fort William nonstop bewältigen.

Schotten als treue Gäste

Wie kam es, dass Hubert Karl den Weg nach Schottland fand? Der TV Zeil mit Karl als Hauptorganisator führt seit 2004 jährlich den Zeiler Waldmarathon durch. Unter anderen halten einige Läufer aus Schottland schon seit Jahren dieser Veranstaltung die Treue. Sie starten unter dem Team-Namen "Zu kalt für den Kilt". Das jährliche Wiedersehen mit den Schotten, die ihren Gefallen an der Zeiler Laufveranstaltung fanden und nach dem Marathon besonders ihre Liebe zum hiesigen Bier entdeckten, ist es zu verdanken, dass beim freundschaftlichen Zusammensitzen über die verschiedensten Läufe geredet wurde. Stolz berichteten sie von ihrem Westhighland-Way-Race und fragten, ob das nicht eine Herausforderung für Karl wäre. Sie würden ihn auch dabei unterstützen. Aus dieser Bierlaune heraus entwickelte sich also das Vorhaben, in Schottland zu starten. Wer Karl kennt, weiß, dass der Funke übergesprungen war und er nun für diesen Lauf brannte.

Eigene Betreuer nötig

Wer am Rennen teilnehmen möchte, muss bestimmte Laufleistungen als Qualifikation nachweisen und ist verpflichtet, mindestens zwei Betreuer zu haben, da vom Veranstalter keine Verpflegungsstationen angeboten werden. Alles, was während des Rennens getrunken und gegessen wird, muss selbst mitgebracht werden. Die schottischen Lauffreunde und Karls Ehefrau Christine erklärten sich bereit, das Mietauto zu fahren und die Betreuung zu übernehmen. Bereits viele Male haben die Schotten Andrew und Sam Läufer bei diesem Rennen unterstützt und kennen die Strecke in- und auswendig. Sie wussten genau, wo man mit dem Auto an die Wanderwege heranfahren konnte. Manchmal mussten auch einige Kilometer zu Fuß zurückgelegt werden, um an die Strecke zu gelangen. Da ist es von Vorteil, Läufer als Betreuer zu haben.

Um die Motivation der Betreuer zu steigern, hatte Karl "Zeiler Schottisch Lager"-Bier aus der heimischen Brauerei im Gepäck, das es im Ziel als Belohnung gab. Karl freute sich selbst nach 25:50 Stunden über das Mitbringsel und ließ es sich schmecken. Die Schotten waren sehr überrascht und die Freude war groß. Karl erlief sich Platz 100 unter 196 Finishern und siegte in der Altersklasse M60 als zweitältester Teilnehmer.