Nein, gegen die immer wieder neuen technischen Möglichkeiten und den rasanten Fortschritt ist er überhaupt nicht. Das alles habe ja auch "seine gute Seiten", macht Thomas Kluczniak deutlich. Aber für ihn ist längst nicht alles Gold, was glänzt. Und er kann mitreden, wenn es um Veränderungen, auch technische, im Amateurfußball geht. Der mittlerweile 41-jährige Routinier ist seit 34 Jahren aktiv und hatte mit zwei Treffern in der Relegation großen Anteil daran, dass der FC Sand III in dieser Saison in der Kreisklasse antreten darf. Kluczniak hat schon viel erlebt.
"Diese Sachen", und damit meint er vor allem Smartphones, soziale Netzwerke oder Spielekonsolen, "hat es früher einfach nicht gegeben. Da war man bei der Feuerwehr oder im Musikverein.
Wer noch etwas sportlicher engagiert war, hat Fußball gespielt." Dass sich das Vereinsleben seiner Meinung nach insgesamt negativ verändert hat, habe freilich weitere Gründe: "Das fängt doch schon beim schulischen Leistungsdruck der Kinder an, dass viele gar keine Zeit mehr haben, eine Sportart dauerhaft auszuüben."
Außerdem gebe es mittlerweile ein sehr breites Spektrum an Freizeitangeboten. "Viele Jugendliche", so der Torjäger, "haben vielleicht auch keine Lust, neben Schule oder Beruf zusätzliche Verpflichtungen einzugehen, die mit Anstrengung verbunden sind und bei der Pünktlichkeit beziehungsweise Verlässlichkeit gefordert werden." Zu guter Letzt gebe es in einigen kleineren Firmen "eine Art Sportverbot, weil es sich der Chef einfach nicht leisten kann, wenn ein Arbeiter tage- und sogar wochenlang wegen einer Sportverletzung ausfällt."
Diese Entwicklung macht dem gesamten Sport zu schaffen, "da der Nachwuchs fehlt, viele kleine Vereine aus den unteren Ligen deshalb ihre zweiten Mannschaften abmelden und sich mit anderen Vereinen zusammenschließen müssen." Kluczniak bedauert diese Entwicklung sehr. "Ich habe wirklich schon sehr viele schöne Stunden im Vereinsleben mit vielen verschiedenen Menschen und Charakteren verbracht und dabei viel für mein Leben gelernt."
In seiner bisherigen Laufbahn hat der Zahntechnikermeister, der seit zehn Jahren sein eigenes Dentallabor betreibt, angesichts seiner diversen Spielorte viele Erfahrungen gemacht. Nach seiner Schüler- und Jugendzeit war Kluczniak bis 1996 zunächst weiter für seinen Heimatverein SV Sylbach aktiv, ehe er zum FC Sand wechselte. Weitere Stationen waren der 1. FC Haßfurt (2000 bis 2004), der TSV Wonfurt (bis 2008) und für eine Saison erneut der SV Sylbach. Doch mit mittlerweile 35 Jahren wollte er seine Fußballschuhe noch nicht an den Nagel hängen, sondern schloss sich ein zweites Mal dem FC Sand an - allerdings der zweiten Mannschaft. Seit vier Jahren verstärkt er nun die dritte Garnitur, mit der in der Saison 2015/16 in der Kreisklasse antritt. "So lange es gesundheitlich geht, der Spaß und ein gewisser Erfolg noch da sind, möchte ich weiterspielen", setzt sich Kluczniak kein definitives Ende.
Spaß hatte der Familienvater derweil schon reichlich. In der A-Jugend des SV Sylbach in der Bezirksliga ("guter Zusammenhalt einer bunt gemischten und lustigen Truppe, erfolgreich waren wir ja auch") ebenso wie in den ersten Mannschaften danach. So erinnert er sich gerne an die Bezirksligazeit mit seinem Heimatverein, wo er von den "alten" Hasen wie etwa Manfred Rother, Paolo Lazzarin oder Achim Deuber "viel gelernt" habe. Beim Landesligisten FC Sand erlebte er dagegen einen ganz anderen Fußball. "Es war eine sehr anstrengende, lehrreiche Zeit, die mich bis an meine Leistungsgrenzen gebracht hat." Kluczniak hatte trotzdem viele positive Erlebnisse und im Seestadion "sehr viele schöne Stunden mit Freunden" verbracht.
Mit dem 1. FC Haßfurt, damals ebenfalls Landesligist, verbindet er einen "super Zusammenhalt" in einer "sehr ausgeglichenen Mannschaft" mit einem "etwas verrückten" Trainer Peter Hofmann. "Der hatte viel Herz und Verstand, hat ein super abwechslungsreiches Training gemacht und hielt vor den Spielen Motivationsansprachen mit Gänsehautfaktor."
Auf seinen bislang "schwärzesten Tag" in seiner Laufbahn blickt er nur ungern zurück: Die knappe 0:1-Relegationsniederlage mit dem TSV Wonfurt gegen Stadtlauringen, nachdem er und seine Teamkollegen am letzten Spieltag der Saison 2004/05 die bereits greifbar nahe Meisterschaft beim TSV Zell vergeigt haben. "Zum einen war an diesem Tag die halbe Mannschaft verletzt und krank, aber die Kiste von Zell war auch wie komplett zugenagelt."
Mit dem FC Sand III soll es nach dem Aufstieg möglichst viele weitere positive Erlebnisse geben. "Ich hoffe natürlich auf eine gute Saison, dass ich verletzungsfrei bleibe und mit dem Abstieg wollen wir natürlich nichts zu tun haben." Sollte Kluczniak am Ende der Saison seine Ziele erreicht haben, hält er einen ersten Gedanken an einen Wechsel in die neugegründete AH-Mannschaft der "Schwarz-Weißen" für möglich. Sein breites Grinsen bei dieser Aussage lässt freilich viel Raum für Spekulationen. Er möchte sich jedenfalls schon einmal "bei allen bedanken, die mich bisher auf meinem sportlichen Werdegang begleitet und unterstützt haben, egal ob Mitspieler, Trainer, Betreuer oder Fans, die die Mannschaften angefeuert haben, in denen ich aktiv war".