"Wir haben uns halt schon immer gerne", strahlte Johanna Steppert bereits vor fünf Jahren. "Viel aufeinander zugehen und vor allem miteinander leben", ergänzte damals ihr Mann Wilhelm, als die schon nicht alltägliche eiserne Hochzeit groß gefeiert wurde. Und weil dieses einfache Rezept für eine lange glückliche Ehe für die beiden Ebelsbacher auch im Jahr 2017, nach nunmehr 70 Jahren, immer noch wie am ersten Tag Bestand hat, feiern sie am Mittwoch die noch viel seltenere "Gnadenhochzeit".

Am 8. März 1947 in einem der kargsten Nachkriegsjahre mit Nahrungsmangel, Wohnungsknappheit und Flüchtlingsnot, gaben sich die junge hübsche Eltmannerin Johanna May und ihr stolzer Bräutigam "Willy" aus Ebelsbach das Ja-Wort. Erst zwei Jahre zuvor war dieser aus englischer Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Doch bald darauf trafen sich die beiden auf der alten Main-Holzbrücke vor Eltmann und verliebten sich ineinander.


Ein aufregender Tag

Dass die Brücke ausgerechnet bei der Hochzeit eine fast tragische Rolle spielte, hätte freilich keiner gedacht. Fakt ist, dass die Trauung in der Stadtpfarrkirche der Wallburgstadt beinahe sprichwörtlich ins Wasser gefallen wäre: Einen Tag vor der geplanten Feier musste das einsturzgefährdete Bauwerk über den Main aufgrund von Hochwasser sowie vor allem wegen Treibeis gesperrt werden. Das beeindruckte Wilhelm Steppert jedoch nur wenig. Er fuhr mit einem Postauto einfach einen kleinen Umweg über Haßfurt. Und Johanna? Die ahnte davon noch nichts, stand vielmehr fast verzweifelt am Mainufer und schaute mit bangen Blicken nach Ebelsbach. Als dann die Brücke tatsächlich einstürzte, brach für die junge Braut zunächst auch eine kleine Welt zusammen. Doch Ende gut, alles gut: Willy kam pünktlich zum Gotteshaus, und die Hochzeit konnte wie erhofft stattfinden.


Einfache Anfänge

Zehn Jahre, bis 1957, wohnte das junge Ehepaar danach im Elternhaus von Johanna unter engen Verhältnissen in der Eltmanner Maingasse, ehe das Elternhaus des Bräutigams in der Schützenstraße in Ebelsbach dank eines gemeinsamen Kraftaktes aufgestockt wurde und als neues Domizil bezogen werden konnte. Johanna und Wilhelm Steppert, bis zu seiner Pensionierung viele Jahre bei der Bahn beschäftigt, hatten einerseits anstrengende und entbehrungsreiche Jahre vor sich. Andererseits auch ereignisreiche. Mit ihrem 1947 geborenen Sohn Günter, für den der Papa sogar das Rauchen aufgab, um Nahrungsmittelkarten einzutauschen, damit der Bub nicht zu sehr hungern musste, verbrachten sie die Sommerferien stets bei Verwandten im Allgäu oder bei Hamburg.
Und zu Hause? Die Stepperts waren viele Jahre äußerst sportlich unterwegs. Radtouren bis zu 100 Kilometer waren keine Seltenheit. Über 65 000 Kilometer kamen so im Laufe der Jahre zusammen. Ebenso stand Tanzen ganz oben auf der Beliebtheitsskala der beiden. Außerdem Wandern. "Das hielt uns fit bis ins hohe Alter", sagen sie. Ein Markenzeichen der Stepperts war zudem der fast tägliche Gottesdienstbesuch sowie bis vor einigen Jahren noch die "Hand in Hand"-Spaziergänge durch Ebelsbach und den Gleisenauer Schlosspark.


Geborgen beim Sohn

Anfang der 70er Jahre entstand ein Zweifamilienhaus in der Ebelsbacher Eichenleite, wo das Jubelpaar heute mit Sohn Günter und dessen Frau Margot wohnt. Neben Bürgermeister Walter Ziegler, Pfarrer Matthias Rusin sowie stellvertretendem Landrat Michael Ziegler gratulieren zum seltenen Ehejubiläum auch die Enkel Frank und Holger mit ihren Ehefrauen Dani und Juliane sowie die beiden Urenkel Maya und Lenny. Ach ja: Die damals zusammengebrochene alte Holzbrücke wurde von einer ebenfalls bereits wieder abgerissenen und neuerrichteten Brücke aus Eisen ersetzt. Dagegen hält die Liebe von Johanna und Wilhelm Steppert bis heute - ohne jegliche Ermüdungserscheinung. "Wir sind froh, dass wir uns haben". Welch ein schönes Schlusswort für den Ehrentag von Willy.