"Es ist schon mau zurzeit", sagt der Metzger Karl-Rainer Hertlein über seine momentanen Fleischverkäufe. In der Metzgerei Hertlein in Zeil gehen deutlich weniger Bräten, Steaks, Würste und andere Fleischwaren als sonst über die Theke. Es ist Fastenzeit in Deutschland. Traditionell verzichten während der 40 Fastentage vor Ostern viele Menschen auf Fleisch. Andere wollen zumindest ihren Fleischkonsum reduzieren. Macht sich die Fastenzeit bei allen Fleischereien im Landkreis Haßberge bemerkbar? Und wie reagieren die Metzgereien aus der Region auf diesen vorösterlichen Fleischverzicht?


Kunden kaufen wenig Fleisch

Karl-Rainer Hertlein kennt die Fleischerbranche. Seine Metzgerei Hertlein am Marktplatz in Zeil hat eine lange Tradition. Er hat den Familienbetrieb vor 46 Jahren von seinem Vater übernommen. Nun betreibt der 70-Jährige zusammen mit seinem Sohn Rainer den Metzgerladen und den dazugehörigen Partyservice. Durch seine langjährige Erfahrung kennt Karl-Rainer Hertlein das Kaufverhalten seiner Kunden und meint: "Das ist ganz normal. Während der Fastenzeit wird bei uns in der Metzgerei weniger gekauft als sonst."

Der Metzger kommt gerade zurück von der Schlachterei in Bamberg. Dort lässt er regelmäßig seine Tiere schlachten. Kleine Metzgereien schlachten wegen der hohen Auflagen kaum noch selbst. Vor Ort in Bamberg, in der Schlachterei, hat er aus erster Hand mitbekommen, dass gegenwärtig weniger geschlachtet wird. "Ich war einer der wenigen, der heute Fleisch abgeholt hat," berichtet Karl-Rainer Hertlein.


Bestätigung

Ein Indiz dafür, dass die Metzgereien derzeit weniger an den Mann und die Frau bringen als üblich. Offensichtlich merken auch andere Fleischereien, dass die Nachfrage nach Fleisch- und Wurstwaren geringer ist.
Auch im Landkreis Haßberge wird während der Fastenzeit tatsächlich weniger Fleisch verkauft. Das bestätigt Obermeister Alfred Kaiser von der Fleischer-Innung Haßberge: "In der ganzen Branche ist das so. Deswegen wird auch weniger geschlachtet."


Umsatzeinbußen

Wie arg der Fleischverkauf im Kreis Haßberge aktuell zurückgegangen ist, lässt sich laut Obermeister Alfred Kaiser nur schwer sagen. Der 49-jährige Metzgermeister aus Aidhausen schätzt, dass in seinem eigenen Betrieb der Umsatz während der Fastenzeit um ungefähr 20 Prozent geringer ausfällt. Er merkt außerdem an, dass die Fleischverkäufe im Vergleich zum Dezember letzten Jahres schon im Januar abgenommen haben. Zur Weihnachtszeit und den Feiertagen werde natürlich viel Fleisch gegessen. Wohingegen sich viele Menschen zum Anfang des Jahres vornehmen, weniger Fleisch essen zu wollen. "Erst ab Ostern werden wir wieder mehr Geschäft haben," lautet die Prognose von Alfred Kaiser.

Die saisonale Flaute im Fleischergeschäft ist für die Metzgereien kein Grund zur Sorge. Bei der Metzgerei Kaiser in Aidhausen lässt man die Angestellten jetzt Überstunden abfeiern oder man nimmt schon jetzt Urlaub. Denn das Personal wird wieder gebraucht, wenn es wärmer wird und die ersten Kunden Fleisch zum Grillen kaufen wollen. Andere Metzgereien aus der Region reagieren ebenso gelassen.


Fleischlose Alternativen?

Die Metzgerei Hümmer in Ebern verkaufe derzeit "schon ein bisschen wenig", aber Geschäftsführerin Melanie Müller erzählt, dass sie Konfirmations- und Kommunionsfeiern beliefert. Dank solcher "spezieller Kunden" kann sie trotz der Fastenzeit gut wirtschaften.Geht's auch anders? Von pflanzlichen Fleisch- und Wurstersatzprodukten halten die Betriebe allerdings nicht viel. Die 39-jährige Melanie Müller ist von den Qualitäten ihrer Waren überzeugt: "Unser Fleisch und unsere Wurst wird korrekt hergestellt und ist auch gesund."

Die Fleischindustrie hat einen schlechten Ruf: Massentierhaltung und bisweilen undurchsichtige Herstellungsbedingungen verunsichern die Verbraucher. Umweltschützer halten Fleischkonsum generell für umweltschädlich. Auch Fleischerobermeister Alfred Kaiser kennt die Kritik an seinem Gewerbe. Er legt Wert darauf, zwischen den handwerklichen Familienbetrieben und den großen Fleischherstellern zu unterscheiden. Im Landkreis Haßberge vertrauten die Kunden den regionalen Metzgereien. "Hier bei uns kennen viele Kunden sogar den Bauern, von dem wir die Tiere bekommen."


Informationen zum Fleischverzicht

Umweltverbände riefen die Verbraucher auf, während der Fastenzeit den Fleischkonsum zu reduzieren. Zur Herstellung von Fleisch benötige man mehr Ressourcen und setze mehr Kohlenstoffdioxid frei als für pflanzliche Produkte, heißt es.

Der Deutsche Bauernverband hält dagegen: Mit dem Verzicht auf Fleisch könne man nicht das Klima retten. Ein Zwei-Personen-Haushalt spare bei einem ganzjährigen Verzicht auf Fleisch im Jahr lediglich 3,5 Prozent an Kohlenstoffdioxid.

In Deutschland liegt der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleisch bei 88,3 Kilogramm jährlich. Das ist doppelt so viel wie der Welt-Durchschnitt.