"Diese Räume sind für unsere Kinder doch eine Zumutung. Bei Asylbewerbern wäre schon längst etwas passiert." So schimpfte jüngst ein aufgebrachter Opa vor der Kujathvilla, wo er eben den Enkel von der Mittagsbetreuung abgeholt hatte. Der Verfall des Jugendstil-Hauses im Anlagenring lässt sich trotz kosmetischer Reparaturen zuletzt nicht mehr übertünchen, außerdem platzt es aus "allen Nähten", wie Toni Michel von der Arbeiterwohlfahrt (Awo), die das städtische Anwesen für die Mittagsbetreuung der Grundschüler nutzt, zugibt. Ein Miss-Stand, dessen Ende sich abzeichnet.

Landkreis winkt ab

Doch nicht in nagelneuen Räumen, die in einer Mensa entstehen sollten, die Stadt und Landkreis als nächstes Gemeinschaftsprojekt am Standort des einstigen Hallenbades für Grund- und Realschule realisieren wollten.

Der Landkreis hat sich aus diesen Plänen verabschiedet, wie die Pressesprecherin des Landrates, Monika Göhr, unserer Zeitung auf Anfrage bestätigte. "Der Landkreis kann sich an dem Bau der geplanten Mensa der Stadt Ebern leider nicht beteiligen, da die für die Realschule erforderlichen Mensaplätze bereits in der kreiseigenen Mensa am Friedrich-Rückert-Gymnasium nachgewiesen sind und damit von der Regierung nicht gefördert werden würden."

Lediglich der Bedarf eines Betreuungsraumes für die offene Ganztagsbetreuung von 48 Quadratmetern würde bei dem Neubau der Mensa durch den Landkreis erforderlich, wobei dieser Raum im bestehenden Realschulgebäude nachgewiesen werden kann. "Somit ist von Seiten des Landkreises keine Beteiligung am Mensa-Neubau darstellbar, weil ohne staatliche Unterstützung nicht finanzierbar."

Doppelte Umzugspläne

Ein schwerer Schlag für die Eberner Stadtväter, da sich besonders der frühere Landrat Rudolf Handwerker (CSU) für so eine Mensa stark gemacht hatte.

Der Haßfurter Rückzug sorgt in Ebern für eine Rochade, wie sie bisher nur hinter verschlossenen Tür besprochen wurde. Die Mittagsbetreuung der Awo zieht vermutlich zu Beginn des neuen Schuljahres in die einstige Akademie für Gestaltung neben der Schreinermeisterschule um, die aktuell noch von der Volkshochschule (VHS) genutzt wird.

Die VHS wiederum "wandert" ins einstige Pfarrzentrum, in den früheren Pfarrsaal, wie Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) jüngst bei der Sitzung des Caritasvereins verriet, als es auch um die Einrichtung einer dritten Kindergartengruppe ging.

Den Umzug der VHS ins einstige Pfarrzentrum, das die Stadt ja wieder erworben hat, bestätigte Bürgermeister Hennemann von seinem Urlaub aus.

Im Zusammenhang mit der Eingliederung der Eberner VHS in die Kreis-VHS werde die Stadt weiterhin die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. "Mit Blick auf die derzeitigen Räume, deren Größe, Nutzung und der Kosten ist im Rahmen der Haushaltsberatung über Möglichkeiten zur Kostensenkung diskutiert worden, weswegen die Räume in der alten Schule, die im Besitz der Stadt sind, für die Nutzung der VHS imn Betracht gezogen wurden. In der alten Schule stehen der erste Stock für Seminarräume mit großem Saal und der zweite Stock als Büro und Archiv zur Verfügung. Also ausreichend Platz. Um das Gebäude nutzen zu können, muss eine Außentreppe als Flucht- und Rettungsweg angebracht werden. Entsprechende Planungen und Vorarbeiten laufen. Die Nutzung soll bis zum Sommer möglich sein", so Hennemann

Realschüler kommen hinzu

Damit wäre die Akademie frei für die Mittagsbetreuung der Grundschule, und möglicherweise auch für die Mittelschule, was dem Rektor Philipp Arnold schon schwant, wenn nach Einführung der Ganztageszüge an der Realschule deren Schüler die Gymnasiums-Aula mitnutzen sollten.

"Die Akademie ist von den Räumlichkeiten her superklasse geeignet", meint Awo-Sprecher Toni Michels, der sich die Aula als Essensraum vorstellt und den Garten als Freibereich schätzt." Das einzige Problem: Der längere und gefährlichere Weg. "Eine Betreuung muss gewährleistet sein", so Michel, und: "Zeitprobleme hatten wir jetzt in der Kujathvilla auch schon."

Einig ist sich Michels mit vielen Stadträten, dass die Kujathvilla "außen wie innen total abgenutzt ist", obgleich der Standort ideal sei. Deswegen gibt es im Stadtrat auch Stimmen, ob ein Mensa-Neubau nicht im Alleingang gestemmt werden sollte. Zweifelsohne ein finanzieller Kraftakt.

Am Rande der letzten Bauausschuss-Sitzung wurde diese Idee zumindest noch nicht ad acta gelegt. Dabei waren sowohl der Platz in der Anlage wie das Gelände auch am alten Hallenbad-Standort im Gespräch.

Der erste Schritt ist aber der Umzug in die Akademie in der Nikolaus-Fey-Straße, den Bürgermeister Hennemann im Mittelschulverband in einem Nebensatz schon angekündigt hat.