Die Fraktion der Freien Sander Bürger (FSB) hatte zwei Anträge gestellt, die in der Sander Gemeinderatssitzung am Dienstag behandelt wurden. Mit dem ersten Antrag wollte die FSB Informationen über mögliche Fördermöglichkeiten zur Sanierung des Gemeindehauses und mit dem zweiten Antrag forderte die FSB-Fraktion die Schaffung von Stellplätzen für Wohnmobile auf dem Campingplatz.

Auf den ersten Antrag eingehend, listete Bürgermeister Bernhard Ruß (SPD) die Entwicklung zum Gemeindehaus auf. Danach hat der Bürgermeister im Februar 2016 ausführlich die Fördermöglichkeiten vorgestellt. Die Regierung sei der Gemeinde bei einer Förderung gerne behilflich. Konkrete Aussagen seien jedoch erst möglich, wenn auch konkrete Pläne und belastbare Kosten auf dem Tisch liegen. Der Gemeinderat beschloss jedoch, die staatliche Förderung nicht weiter zu verfolgen, keine Planung in Auftrag zu geben, sondern das Gemeindehaus zu verkaufen.

Mit der Übertragung der Aufgabe für die Schaffung von Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge vom Staat auf die Kommunen habe die Gemeinde jedoch reagieren müssen, sagte Ruß. Denn für Flüchtlinge, die bisher in vom Staat finanzierten Wohnungen untergebracht waren, sei nun die Kommune verantwortlich. Sie müsse für Wohnraum sorgen. Deshalb habe der Bürgermeister empfohlen und der Gemeinderat beschlossen, den Verkauf des Gemeindehauses zu stoppen und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Aus diesem Grund sei die Überlegung wieder aufgegriffen worden, Wohnraum für Asylsuchende und ihre nachziehenden Angehörigen sowie für sozial schwache Bürger im Gemeindehaus zu schaffen.

Wie Bürgermeister Bernhard Ruß weiter ausführte, gibt es zur Schaffung von Wohnraum für Asylsuchende staatliche Fördermittel. Um an solche Zuschüsse zu kommen, sei jedoch die Vorlage einer genehmigungsfähigen Planung erforderlich. Er habe deshalb den Architekten Hubertus Gieb auf Honorarbasis beauftragt, ein Raumkonzept mit Kostenschätzung zu erstellen. Gieb werde sein Konzept in der nächsten Gemeinderatssitzung vorstellen. "Wenn es der Wille des Gemeinderates ist, das Projekt Sanierung des Gemeindehauses weiter zu verfolgen, denn werden wir das tun", versicherte Ruß.

In der kurz aufflammenden Diskussion trat FSB-Gemeinderat Heinrich Schmitt dafür ein, das Konzept "Sanierung des Gemeindehauses" weiter zu verfolgen und eine Kostenberechnung voranzutreiben. Dagegen wehrte sich CSU-Gemeinderat Robert Wagner, der sich aus Kostengründung gegen jede weitere Investition in das Gebäude aussprach. Er forderte: "Das Ding gehört verkauft und fertig!"

Gemeinderat Bastian Hümmer (SPD) sprach sich dafür aus, zunächst einmal eine Planung und eine Kostenberechnung für die Sanierung des Gemeindehauses erstellen zu lassen. Dem stimmte Gemeinderat Gerhard Zösch (CSU) zu. Er verwies darauf, dass sich nach dem ursprünglich geplanten Verkauf durch die staatliche Verpflichtung eine neue Situation ergeben hat. "Wir sollten die Sanierung des Gemeindehauses ins Auge fassen. Die Wertschöpfung daraus bleibt ja bei uns in der Gemeinde", sagte Zösch.

Nach dem mehrheitlich vom Gemeinderat gefassten Auftrag an die Gemeindeverwaltung, eine Planung und eine Kostenberechnung für die Sanierung des Gemeindehauses erstellen zu lassen, stellte Bürgermeister Ruß deutlich heraus. "Wir können uns der staatlichen Verpflichtung zur Schaffung von Wohnraum für Asylsuchende und sozial schwache Bürger nicht entziehen".

Zum zweiten Antrag der Fraktion Freie Sander Bürger merkte Bürgermeister Bernhard Ruß an, dass die Gemeine Sand schon seit Jahren im südlichen Teil des Touristikcampingplates Stellplätze für Wohnmobile bereit hält. Der Tourismuscampingplatz ist in den Monaten April bis Mai geöffnet, so dass bereits ein gutes Angebot besteht. Gemeinderat Jörg Kümmel (FSB) trat trotzdem dafür ein, weitere Versorgungseinrichtungen für Wohnmobile zu schaffen. Dem widersprach Paul Hümmer (SPD) aus Kostengründen. Ruß verwies darauf, dass in den nächsten Wochen sowieso eine Sitzung des Campingplatzausschusses anberaumt wird, in der über die zukünftige Ausrichtung und Betriebsform des gesamten Campingplatzes gesprochen wird.

Wichtiges Thema der Sander Gemeinderatssitzung am Dienstag war der Umbau beziehungsweise ein neuer Anbau am Pfarrheim, um zur bestehenden Kinderkrippe im benachbarten Kindergarten St. Nikolaus zwei neue Kinderkrippen-Gruppen zu installieren. Für diesen Zweck hat die Gemeinde Sand das ehemalige Pfarrhaus einschließlich des Pfarrgartens bereits erworben.

Dass in Sand weitere Kinderkrippenplätze für Kinder bis drei Jahren notwendig sind, belegte der Bürgermeister anhand der Geburtenzahlen der letzten Jahren. Darüber hinaus stellte Ruß fest, dass es im Interesse der Gemeinde liegt, ein so prägnantes Gebäude wie das ehemalige, aber seit Jahren leer stehende Pfarrhaus zu erhalten und neu zu nutzen.

Architekt Jürgen Bergmann (Hofheim) legte die Planung mit dem Raumkonzept. Im zweistöckigen Anbau könnten danach zwei Kinderkrippen Platz finden, im Obergeschoss des Pfarrhauses die dritte. Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen bezifferte er auf rund 1,7 Millionen Euro. Der Gemeinderat stimmte dem Projekt zu.