Mit dem Headset auf den Ohren sind die Propellergeräusch nur gedämpft zu hören. Ein leichter Benzingeruch macht sich im Cockpit bemerkbar, als Gerold Mahlmeister den Gashebel der Aeroprakt A 32 nach vorne schiebt. Das Ultraleichtflugzeug holpert übers Gras auf dem Sendelbacher Flugplatz und bewegt sich langsam in Richtung Startbahn.

"Ebern Info – Delta Mike Eko Bravo November – am Vorfeld für einen Rundflug lokal." Die Freigabe wird erteilt. Also den Gurt noch einmal festzurren und dann zeigt der 100-PS-Rotaxmotor was er kann: Der Körper wird in den Sitz gedrückt, während der Geschwindigkeitsmesser schnell auf 65 Stundenkilometer steigt. Nach etwa 150 Metern zieht Mahlmeister den Steuerstick nach hinten. Das Höhenruder reagiert, die Schnauze des Flugzeugs reckt sich. Das Ruckeln verschwindet, dafür wird es kurz flau im Magen: Kein Bodenkontakt mehr und die Flughöhe steigt rapide als es in die Platzrunde geht. "Wie geil ist das denn?!", hört der Volontär eine Stimme durch die Kopfhörer – es war seine eigene.

Rechts die Gleichberge, frontal die Haßberge und am Horizont ist sogar der Kreuzberg in der Rhön erkennbar. Der Ausblick ist völlig klar – das ist wichtig: "Es geht fast bei jedem Wetter, aber man muss eine gute Sicht haben – horizontal und vertikal", erklärt Franz Hardi. Der Vorsitzende des Flugsportclubs Ebern und seine Pilotenkollegen in Sendelbach holen vor jedem längeren Flug eine Wetterberatung ein. Durch die neuste Technik haben sie das Wettergeschehen ohnehin stets im Blick. "Früher war das eher Pi mal Daumen. Da bist du dann auch mal auf einem Feld zwischengelandet und weitergeflogen, wenn es wieder ging", erinnert sich Hardi.

Mit T-Shirt statt Krawatte

Als Pilot von Ultraleichtfliegern ist er ein Sichtflieger und kein Instrumentenflieger. "Die fliegen mit Krawatte und wir im T-Shirt", sagt Hardi und grinst. Mit einem Blick auf die ICAO-Karte – eine Luftfahrerkarte – beschreibt er den dort markierten Flugplatz seines Vereins. Dessen Kennung lautet "EDQR" und er liegt südlich des Rentweinsdorfer Gemeindeteils Sendelbach. Auf seiner Start- und Landebahn dürfen Flugzeuge mit einem Gewicht von bis zu zwei Tonnen und Helikopter mit bis zu 5 Tonnen landen. Also können beispielsweise auch Cessnas den Flugplatz anfliegen.

Das Gefährt, in dem der Volontär während seines Gastflugs sitzt, ist wesentlich leichter. Bei einem Leergewicht von nur 323 Kilogramm sind leichte thermische Böen also spürbar, als die Maschine mit 190 Stundenkilometer über die Haßberge fliegt. Dennoch: Von Übelkeit keine Spur – also fast keine. Der Anblick, der sich bietet, entschädigt aber für alles: Die Königsberger Altstadt und die Spornburg darüber. Haßfurt ist bereits am gelben Malzturm erkennbar. An das Wackeln hat sich der Reporter allmählich gewöhnt – sein Magen auch. Über Zeil und Ebelsbach fliegt Mahlmeister dann wieder in Richtung Sendelbach. Dank des 90-Liter-Tanks der Maschine wäre eine längere Tour jedoch auch kein Problem. Jüngst flogen er und Hardi in etwa dreieinhalb Stunden nach Krakau – das wäre früher undenkbar gewesen.

Die Anfänge des Vereins

Als 13 Flugbegeisterte am 13. November 1961 den Flugsportclub Ebern gründeten, lag der Fokus noch auf dem Modellbau. Bald starteten die Männer aber auch erste Versuche in Sachen Segelflug. Schließlich kam mit der quittengelb-gestrichenen Auster 5-J-4 das erste Motorflugzeug hinzu. Der eigene Flugplatz folgte im Sommer 1967 – ein Meilenstein für den Verein. Mittlerweile hat dieser 70 Mitglieder – auch der Modellflug kommt nicht zu kurz.

Ebenfalls groß geschrieben wird das soziale Engagement: Einmal jährlich laden die Vereinspiloten Menschen mit Behinderung und deren Angehörige ein, mit ihnen zu fliegen. "Das ist auch für mich eine große Freude", sagt Hardi mit leuchtenden Augen. In diesem Jahr musste die Aktion coronabedingt jedoch ausfallen – wie viele andere Aktivitäten des Flugsportclubs.

Die Ausbildung neuer Ultraleichtpiloten ist nun aber wieder möglich. So kann jeder ab 17 Jahren die theoretische und die praktische Prüfung für seinen Flugschein vor Ort ablegen – die mindestens 30 Flugstunden ebenfalls. "Normal dauert die Ausbildung eine Saison", erklärt der Vereinsvorstand. Insgesamt sei mit Gesamtkosten zwischen 4000 und 5000 Euro zu rechnen.

Ein eigenes Flugzeug ist kein Muss: Der Vereinsflieger kann gechartert werden. "Der Sinn und Zweck unseres Clubs ist es, kostengünstig das Fliegen zu ermöglichen", erklärt Hardi die Vereinsphilosophie.

"Das Fliegen ist sehr sicher"

Auch Gerold Mahlmeister fliegt dieses Mal mit dem vereinseigenen Flugzeug. Seine Flugausbildung ist schon zehn Jahre her. Die jahrelange Erfahrung ist spürbar, als er die Landebahn in Sendelbach flach anfliegt und die Maschine sanft aufsetzt. "Das Fliegen im Ultraleichtbereich ist sehr sicher", betont er. In Sendelbach habe es, abgesehen von ein paar Schäden an den Flugzeugen, noch keine Unfälle gegeben.

Auch der Gastflug des Volontärs lief glatt. Nachdem der Pilot das Tempo der Aeroprakt gedrosselt hat, fährt er sie zurück auf den Stellplatz vor den Flugplatzgebäuden. Dort stehen weitere Ultraleichtflugzeuge und einige Tragschrauber. Auch ein Buschflugzeug ist zu sehen. Mit dem sind Start und Landung über eine extrem kurze Distanz möglich. In Sendelbach ist das nicht nötig – die Start- und Landebahn ist 450 Meter lang.