Der Angeklagte, ein 75-jähriger Rentner und Jäger aus dem Maintal, darf zufrieden sein. Ein Verfahren wegen Nötigung und Bedrohung gegen ihn wurde gegen eine Geldauflage von 1800 Euro eingestellt. Diese muss er an die Tierschutzinitiative Haßfurt bezahlen. Eine der Zeuginnen, eine junge Frau, die nach ihren Worten in den Gewehrlauf des Jägers sah und nicht vom Gericht vernommen wurde, verstand nach der Verhandlung "die Welt nicht mehr".


Er droht, die Hunde zu erschießen

Was war passiert? Nach der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Bamberg, die Ilker Özalp als Vertreter der Anklage vortrug, war es im Bereich einer Gemeinde im Maintal zu zwei Vorfällen mit dem Jäger gekommen. Der erste Fall ereignete sich im Juni/Juli 2016; der genaue Tag ließ sich nicht mehr feststellen. Laut Anklageschrift hatte der Angeklagte zwei Frauen gedroht, ihre Hunde zu erschießen, wenn sie diese nicht anleinten. Im zweiten Fall, Februar 2017, drohte der Angeklagte erneut zwei Frauen, die ihre Hunde nicht angeleint hatten; dabei hatte er offensichtlich ein Gewehr aus dem Seitenfenster gehalten. Nötigung und Bedrohung, weshalb im Strafbefehl insgesamt 50 Tagessätze zu je 40 Euro (2000 Euro) gefordert worden waren.

Gegen den Strafbefehl hatte der Angeklagte Einspruch eingelegt. Der Verteidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Alexander Wessel, gab für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Es sei richtig, dass sein Mandant, der Jäger ist, zu den genannten Tatzeiten vor Ort war. Er habe die Frauen darauf hingewiesen, dass sie ihre Hunde anleinen sollen. Ob tatsächlich eine Anleinpflicht bestand, stehe letztlich nicht fest.

Es habe eine verbale Auseinandersetzung gegeben, bei der der Hund der einen Zeugin, ein Labrador, die Beifahrertür des Autos seines Mandanten verkratzt habe. "Der Schaden beläuft sich um die 1000 Euro", erklärte der Verteidiger. Von einer Bedrohung durch seinen Mandanten gegen die beiden Frauen sagte der Anwalt nichts und auch nichts zum Vorwurf der Bedrohung mit einer Waffe. Vielmehr stellte der Anwalt nach seinen Ausführungen die Frage, ob das Verfahren nicht gegen eine Geldauflage eingestellt werden könnte.

Richterin Ilona Conver berichtete: In der betreffenden Gemeinde gelte laut Internet und auch laut Gemeindezeitung, Hunde zu jeder Tages- und Nachtzeit anzuleinen. Allerdings, räumte die Richterin ein, sei das möglicherweise rechtlich nicht in trockenen Tüchern.


Drastische Konsequenzen

Die Anleinpflicht sei das eine, die Bedrohung und Nötigung des Angeklagten gegen Zeuginnen das andere: Noch dazu wurde in dem einen Fall ein Gewehr aus dem Beifahrerfenster gehalten, sagte Özalp. Er wies hier darauf hin, dass im Falle einer Verurteilung der Angeklagte seinen Jagdschein verlieren könnte und seine Waffen eingezogen würden.

An dieser Stelle schaltete sich der Angeklagte ein. Er berichtete, wie er nach dem Vorfall vom Ehemann der Zeugin angerufen worden sei, der ihm vorgehalten habe, er hätte dessen Frau mit einem Revolver bedroht. Das passe nicht zu der Anschuldigung, er habe ein Gewehr aus dem Fenster gehalten. "Mit einer Waffe habe ich nichts gemacht - null", unterstrich der 75-Jährige.

Vernommen wurde der Sachbearbeiter der Polizeiinspektion Haßfurt, bei dem die Anzeigen erstattet wurden. "Offensichtlich hat der Angeklagte bei der Auseinandersetzung ein Gewehr aus dem Autofenster gehalten", berichtete der Polizeibeamte; er konnte sich nur auf die Aussage der Zeugin beziehen. Er habe sie gefragt, ob das Gewehr "abgeknickt" war, um so eventuell feststellen zu können, ob es in schussfertigem Zustand war oder nicht. Das sei nicht der Fall gewesen, erklärte ihm die Zeugin, die zwei Kinder und einen Hund dabei gehabt hatte. Auch wegen der Anleinpflicht hatte sich der Beamte bei der Gemeinde erkundigt. Der zuständige Sachbearbeiter erklärte ihm, dass eine solche erlassen sei, sie aber vermutlich rechtlich nicht haltbar wäre.


Unangenehme Situation

Eine der Zeuginnen von dem Vorfall aus dem Jahr 2016, eine 27-jährige Erzieherin, sagte aus, dass sie mit einer weiteren Frau am Main die Hunde hatte baden lassen. Der Angeklagte wäre angekommen und habe gedroht, dass er die Hunde erschießen könne, wenn sie die Hunde nicht anleinen würden.


Kein Grund, sich so aufzuführen

"Es gab keinen Grund, sich so aufzuführen, unsere Hunde waren in unserem Einwirkungsbereich direkt in unserer Nähe", sagte die Zeugin. Der Angeklagte habe daraufhin auch seinen Hund aus dem Auto gelassen. "Es war schon ein komisches Gefühl für mich, und ich habe mich mit meiner Bekannten entfernt."

Auf Vorhalt des Anklagevertreters sagte die Zeugin weiter, dass sie wusste, dass der Angeklagte Jäger ist. Er sei gleich direkt und aggressiv gewesen. "Meine Bekannte und ich wussten, dass er auch vorher in der Art schon auffällig war und anderen gedroht hat." Eine Anzeige hätten sie und ihre Bekannte nicht gleich gestellt, sondern erst, als sie von dem Vorfall hörten, dass er eine andere Frau mit einem Gewehr bedroht habe.


Gerichtsbeschluss

Die Zeugin im zweiten Fall im Februar 2017 wurde letztlich nicht vernommen, weil, wie vorher unter den Verfahrensbeteiligen besprochen, eine Einstellung gegen eine Geldauflage im Raum stand. Dazu kam es durch das Gericht per Beschluss.

Bei einer Verurteilung hätte der Angeklagte mit dem Entzug seines Jagdscheins und der Einziehung seiner Waffen rechnen müssen. Auf den Vorschlag einer Einstellung reagierte der Jäger: "Ich bin nur damit einverstanden, weil ich gerne auf die Jagd gehe." Und diesen Einwurf quittierte selbst sein Verteidiger mit einem erstaunten Blick.

Die Richterin merkte noch an, dass sich die Zeugin es sich sicher nicht aus den Finger gesogen habe, dass der Angeklagte das Gewehr aus dem Beifahrerfenster hielt. "Auch wenn man Jäger ist, kann man sich nicht dort, wo man jagt, als Sheriff aufspielen."

Der Beschluss, das Verfahren mit einer Geldauflage zu beenden, sorgte nach der Verhandlung vor dem Gericht für Diskussionsstoff unter den Frauen, die als Zeuginnen geladen waren. Die Frau, die nach ihren Angaben hatte in den Gewehrlauf blicken müssen, konnte nicht verstehen, dass sie dazu nicht vernommen wurde. Ihr Fall wäre nach ihrer Meinung eigentlich "der Schlimmere" gewesen, und der sei bei der Verhandlung unter dem Tisch gefallen: "Ich versteh' die Welt nicht mehr", sagte sie kopfschüttelnd.