Wenn ein Förster zu einer Bürgerversammlung oder Sitzung eines Gemeinderates kommt, erwartet man eigentlich Aussagen über die Waldbewirtschaftung des Kommunalwaldes. Anders war es aber bei Wolfgang Meiners, für Ermershausen zuständiger Forstbeamter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Schweinfurt: Er stellte bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend in der Gaststätte "Goldener Schwan" die "Ermershäuser Tanne" in den Fokus seiner Ausführungen.
Schier ins Schwärmen geriet Meiners, als er über die "Ermershäuser Tanne", die hier Weißfichte genannte werde, referierte. "Die mächtige Tanne am Hellinger Weg hat die Anerkennung, dass man von ihr zugelassenes Saatgut gewinnen kann", sagte der Förster. Die Weißtanne sei die ökologische Alternative zur Fichte, was in Zeiten des Klimawandels wichtig sei. Er stellte Überlegungen an, dass es wichtig sei, unter diesem Aspekt den Nadelholzbereich zu erhalten, um den Wald zukunftsfähig zu machen.
Meiners zählte eine Reihe von Baumarten auf, die mit dem Klimawechsel Probleme hätten, und kam wieder auf die Tanne zu sprechen. "Wir können das Potenzial unserer Ermershäuser Tannen nutzen", zeigte sich der Forstmann überzeugt. Der Bestand am Hellinger Weg gelte als Saatgutbestand, was entsprechende Tests ergeben hätten. Im Jahr 2012 habe man die Mitteilung erhalten, dass man aus den Ermershäuser Tannen Saatgut gewinnen und verkaufen könne. "Von unserer dicken Tanne, bezeichnet mit W 19, ist Saatgut in einer Gendatenbank gelagert und im europäischen Saatgut-Register eingetragen", berichtete Wolfgang Meiners.
In einem fast wissenschaftlichen Exkurs zeigte er auf, wie die Tanne nach Ermershausen gekommen ist. 36 Kilogramm Saatgut konnten im Jahr 2013 gewonnen werden. Aus einem Kilogramm dieses hervorragenden Materials konnten 24 000 Pflanzen gezogen werden. Eine davon, einen vierjährigen Sämling, hob er hoch und zeigte ihn den Versammlungsteilnehmern. Für 1,60 Euro pro Stück würden diese Sämlinge verkauft. Gezogen und mit besonderem Verfahren eingetopft würden diese Sämlinge in der Justizvollzugsanstalt in Bayreuth. Die "erste Tanne dieser Art" überreichte schließlich Bürgermeister Günter Pfeiffer (Freie Wähler) an seinen Vorgänger im Amt, Werner Döhler, der zusammen mit Förster Wolfgang Meiners in seiner Amtszeit die Anerkennung als Saatgut unterstützt habe.
Wie der Bürgermeister weiter mitteilte, werde jede Familie in Ermershausen eine solche Tanne von der Gemeinde geschenkt bekommen. "1500 Tannen sind bereits bei uns eingetroffen, die bei meinem Vater gelagert sind", sagte Günter Pfeiffer. Dessen Vater dazu: "Die werden von meinem Hund bewacht." Bestellungen nimmt die Gemeinde entgegen.
Da viel Holz infolge von Sturmschäden auf dem Markt war, habe man sich in Ermershausen mit dem Holzeinschlag zurückgehalten, sagte Meiners. Nun werde man wieder mit dem Einschlag beginnen, der durch eine Fachfirma erfolge. "Wir werden einen Buchenhieb machen. Auch Fichten und Kiefern fallen an", sagte er. Bereits elf Eichen seien zur Submission am Holzlagerplatz bei Ebern aufgelegt. "Das ist Holz für Fasseichen, womit wir einen Festmeterpreis zwischen 600 und 800 Euro erzielen können", sagte Meiners. Die Gemeinde Ermershausen biete in ihrem 280 Hektar großen Wald, im "Toten Mann", auch Brennholz für Selbstwerber an.
Bürgermeister Pfeiffer machte längere Ausführungen zum Gemeindegeschehen. Eine wichtige Botschaft, die alle gerne hörten: "Wir sind gegenwärtig schuldenfrei." Allerdings dämpfte er gleich die Euphorie, da auf die Gemeinde Projekte zukämen, die diesen Zustand schnell wieder ändern würden. In diesem Zusammenhang nannte er Zahlen aus dem Haushalt, der im Jahr 2017 ein Volumen von 2,6 Millionen Euro habe.
Pfeiffer zeigte auf, was in den Kindergarten Ermershausen investiert wurde: Kosten seien angefallen für den Heizöltank-Raum, für die Wasserleitung, die Treppe im Eingangsbereich, und auch für den Kinderspielplatz sei einiges aufgewendet worden.
"Große Projekte sind in diesem Jahr Platzgestaltungen", erklärte Pfeiffer. Er nannte die Plätze am Zollhaus und an der Fresengasse. Die baulich umfangreichste Fläche im Umfeld der Gaststätte sei gegenwärtig in Arbeit. Eines stellte er klar, weil er immer wieder mit Anfragen konfrontiert werde: "Die Gemeinde übernimmt nur Kosten für eigene Flächen, nicht für Privatflächengestaltung." Er dankte allen, die sich hier konstruktiv zeigten.
Im Ort mussten Kanäle "befahren" werden, um festzustellen, weshalb es zu deutlichen Fremdwassereinträgen kommt. Ein Ergebnis hierzu liege noch nicht vor.
Ein weiteres Aufgabenfeld sei die Kläranlage in Birkenfeld. Dort passten die Reinigungswerte nicht, was auch in Schweinshaupten der Fall sei. Deshalb sei schon ein Termin beim Wasserwirtschaftsamt Schweinfurt, auch unter Beteiligung der Gemeinde Ermershausen, gewesen. Der gesamte Ort Ermershausen soll mit freiem W-Lan erschlossen werden. Das sei teilweise schon erfolgt, solle aber noch erweitert werden. Er rief Privatpersonen auf, Router aufzustellen, die von der Gemeinde bezahlt würden. "Wenn wir das schaffen, ist das wohl einmalig", sagte Günter Pfeiffer. Ansprechpartner wäre Andreas Franz.
Die Jugendarbeit werde von der Gemeinde weiterhin unterstützt und die Förderung pro Jugendlichen sei von 7,50 auf zehn Euro erhöht worden. "Damit würdigen wir die Arbeit von Vereinen mit Jugendlichen." Pfeiffer verwies auf das Projekt "Vergissmeinnicht" des Friedrich-Rückert-Gymnasiums Ebern, das sich mit dem Schicksal jüdischer Kinder, auch aus Ermershausen, befasse. "Eine beeindruckende und bewegende Dokumentation", meinte der Bürgermeister.
Die Kalkulation der Wassergebühren müsse neu erfolgen. Bei einem Aufwand von 145 000 Euro kämen derzeit nur 94 000 Euro wieder herein. "Da besteht Handlungsbedarf", erklärte Pfeiffer. Die Abnahmemengen gingen drastisch zurück; sie lägen derzeit bei 21 000 Kubikmetern, mit 28 000 hätte man kalkuliert. Die Verbrauchspreise je Kubikmeter sollen unverändert bei 2,50 Euro und bei 1,20 Euro bei den Kanalgebühren bleiben. Aufgefangen werden soll das Defizit durch Erhöhungen der jährlichen Grundgebühr von derzeit 80 auf 100 Euro und der Kanalgebühr von derzeit null auf 80 Euro. "Das bedeutet für jeden Haushalt eine Steigerung um 9,16 Euro im Monat", konstatierte der Bürgermeister. Die Hälfte des Defizits werde die Gemeinde tragen.
Für die Feuerwehr sei die Anschaffung eines Mannschaftsbusses geplant. Sorge bereite die Kneipanlage, die zu wenig Wasser führe. Am Projekt "Blühender Landkreis" beteilige sich auch die Gemeinde Ermershausen. Auf Sauberkeit am Spielplatz sei zu achten, wobei der Appell des Gemeindechefs an die Hundebesitzer ging.
Pfeiffer sprach auch die Gemarkungswanderungen an, die gut angekommen seien. Der Bürgermeister rief dazu auf, an der Gedenkfeier am Volkstrauertag teilzunehmen. Möglich sei, sich am Bürgerbus der Gemeinde Bundorf zu beteiligen. Hier soll aber erst das Interesse abgefragt werden. Pfeiffer rief dazu auf, in Ermershausen zu bauen, da es hier moderate Grundstückspreise gebe und die Infrastruktur passe. Mit einem umfassenden Dank an alle, die sich in der Gemeinde einbrachten, schloss er seine Ausführungen.
Bei der Diskussion wurde der desolate Zustand der ehemaligen Schule angesprochen. Herbert Engmann: "Dort sieht es aus wie in einem Rattenloch." Die Schule sei in Privateigentum und man habe schon versucht, bei dem Eigentümer etwas Positives zu erreichen, sagte der Bürgermeister.
Ob eine Umgehungsstraße für Ermershausen irgendwann noch möglich sei, wurde gefragt. In dieser Sache sei man zurückgestuft wurden, erklärte Pfeiffer und es sei nicht absehbar, wann und ob sich da etwas tut.
Auch um den Erhalt der Bankenzweigstelle und des Bankautomaten machen sich die Ermershäuser Sorgen.