"Der Steigerwald hat seine Hausaufgaben gemacht, der Forstbetrieb Ebrach kann als Beispiel für alle Staatsforstbetriebe dienen." Mit diesen Worten lobte der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Fahn (FW) bei der Jahresversammlung des Vereins "Unser Steigerwald" am Samstagabend im Gasthaus Michel die Arbeit des Vereins und des Forstbetriebs Ebrach, der an diesem Abend sein Trittsteinkonzept vorstellte. Rund 250 Mitglieder des Vereins "Unser Steigerwald" trafen sich zu der Jahresversammlung. 3470 persönliche Mitglieder hat der Verein; dazu kommen 56 Verbände, Organisationen und Vereine. Angesichts ungebrochener Bemühungen des Bundes Naturschutz um einen Nationalpark im Steigerwald ermunterte Ex-Staatssekretär Albert Meyer (Haßfurt) den Verein, sich bundesweit mit anderen zu vernetzen, die sich ebenfalls gegen solche Bestrebungen wenden.
Der Verein ist entschiedener Gegner eines Nationalparks.

Ein Stück weit geschieht das schon, wie der Zweite Vorsitzende Oskar Ebert im Jahresrückblick aufzeigte. Immer wieder treffen sich Vorstandsmitglieder oder Vereinsdelegationen mit anderen Gruppen, die sich gegen Fremdbestimmung wehren.

Gleichzeitig habe sich im Steigerwald viel getan, sagte Ebert, der Bürgermeister von Rauhenebrach. Intensiv habe der Verein sich im Trägerverein für das künftige Steigerwald-Zentrum engagiert, das als Zentrum Nachhaltigkeit Wald in Handthal gebaut wird. In vielen Gesprächen ging es laut Ebert um die Konzeption des Hauses und darum, was in der gesamten Region entstehen soll. Wie sich das weiter entwickeln soll, zeigten die ersten Schritte wie der Totholzweg am Zabelstein, der Gewässerlehrpfad in Tretzendorf oder der Baumwipfelpfad am Radstein bei Ebrach, der in Planung ist.

Ein Name ist inzwischen für das Haus in Handthal gefunden. Es heißt: "Steigerwald-Zentrum - Nachhaltigkeit erleben". Die Konzeption der Dauerausstellung steht. Für den 2. August ist geplant, dass Ministerpräsident Horst Seehofer das Haus besucht und am 3. und 4. August ein großer Waldtag in und um Handthal stattfindet. Die Einweihung wird wohl erst 2014 möglich sein, erfuhr die Versammlung.

Auseinandergesetzt hat sich der Verein mit der angeblich wegweisenden möglichen Nationalparkverordnung des Bundes Naturschutz. Die jedoch habe sich als Etikettenschwindel erwiesen. Neues stehe dort nicht, sagte Ebert. Der Bund Naturschutz "tat so, als gehe es uns nur um das Pilzesammeln und um das Spazierengehen", erklärte Oskar Ebert. Immer wieder habe sich die Vorstandschaft auch der Diskussion gestellt, doch ohne Erfolg. Auch im Trägerverein weigere sich der Bund Naturschutz weiterhin mitzuarbeiten. Dafür würden er und Vorsitzender Gerhard Eck in Internetforen heftig und unsachlich von den immer gleichen Kommentarschreibern angegriffen.

"Aber das halten wir aus", betonte Eck. Der Verein dürfe nicht nachlassen in seinem Widerstand gegen Fremdbestimmung. Vielmehr stehe man hinter dem Trittsteinkonzept, das Forstdirektor Ulrich Mergner im Forstbetrieb Ebrach umsetzt.

Mergner stellte diese Konzeption in Untersteinbach vor. Entgegen dem Ansatz eines Großschutzgebietes in einem Nationalpark zielt Mergner darauf ab, die Artenvielfalt auf der ganzen Fläche des Staatsforstes zu fördern. Die Basis dafür ist das neue Bayerische Waldgesetz.

Diese Artenvielfalt habe sich in den ausgewiesenen Naturwaldreservaten erhalten. Über Trittsteine, die diese Reservate verbinden, sollten den Arten Brücken gebaut werden. Wie gut das funktioniere, zeigen laut Mergner Schwarzkäfer und Ästiger Stachelbart.

Der Schwarzkäfer lebt in älteren Zunderschwämmen. Da im Wirtschaftswald inzwischen wieder so genannte Biotopbäume stehen bleiben und es wieder mehr Zunderschwämme gibt, gibt es wieder mehr Schwarzkäfer. Das gleiche gilt für den Ästigen Stachelbart. Er wurde nur deshalb selten, weil kaum noch dicke Stämme als Totholz im Wald liegen blieben.
Totholz, das im Wald verrottet, verbessere den Boden, bringe Nährstoffe zurück und fördere die Wasserhaltung im Boden, erläuterte Mergner. Wo dicke Stämme verrotten, findet sich auch der Ästige Stachelbart. Ulrich Mergner und Oskar Ebert sind stolz, dass der Pilz mittlerweile den gesamten nördlichen Steigerwald zurückerobert hat. Das erste Vorkommen in einem Wirtschaftswald war im Gemeindewald von Rauhenebrach.

"Den Zehnten für die Natur, wie ihn der Naturschutz fordert, erfüllen wir schon jetzt", erklärte Mergner anhand seiner Bewirtschaftungsstatistik. Das Ziel von zehn Biotopbäumen pro Hektar sei noch nicht erfüllt. Der Wert liege derzeit im Durchschnitt bei knapp sechs. Obwohl 1500 Brennholzkunden versorgt werden, 60 Menschen einen festen Arbeitsplatz haben und eine Million Euro für den Freistaat erwirtschaftet wird, wachse die Artenvielfalt, und nur zwei Drittel des jährlichen Zuwachses würden genutzt, schilderte Mergner die Lage.