Das seit Jahren geplante und umstrittene Radwegprojekt mit darunter liegender Abwasserdruckleitung zwischen Unterschleichach und Tretzendorf war wieder einmal Thema in der Sitzung des Oberauracher Gemeinderates. Der Bund Naturschutz hatte im Jahr 2018 gegen die Ausnahmegenehmigung der Regierung von Unterfranken Klage eingereicht. Im zwischenzeitlich stattgefundenen Erörterungstermin vor dem Verwaltungsgericht hat der Richter erhebliche Zweifel darüber geäußert, was die Rechtmäßigkeit der Ausnahmegenehmigung für den Bau des Geh- und Radwegs mit Abwasserdruckleitung entlang der Staatsstraße angeht. Das Gericht sieht den bestehenden Waldweg zwischen Tretzendorf und Unterschleichach als zumutbare Trasse für einen Fahrradweg an. Zudem bestehen Bedenken, was die Berechnung der notwendigen Ausgleichsflächen angeht. Das Gericht schlug angesichts dessen allen Beteiligten eine einvernehmliche Lösung dahingehend vor, dass lediglich die Abwasserdruckleitung gebaut werden darf und sich der Bund Naturschutz verpflichtet, hiergegen nicht wieder zu klagen.

Dritte Bürgermeisterin Sabine Weinbeer (FWG) verwies darauf, dass der bestehende Waldweg keine Alternative sei, da ein Radweg von allen Bürgern nutzbar sein sollte, unabhängig ihrer körperlichen Fitness und ihres Alters. Die Sicherheit aller müsse stets im Vordergrund stehen, sagte sie. Dies wurde auch durch Zweiten Bürgermeister Hans Albert und Gemeinderat Norbert Hartmann (beide CSU) unterstrichen. Beide sehen keinen richtigen Vergleich, da der geplante Radweg komplett wegfallen würde. Im Gegensatz dazu sah Gemeinderat Thomas Karg (SPD/ABO) den angebotenen Vergleich des Gerichts als Chance, um als Gemeinde mit der Regierung von Unterfranken und dem Bund Naturschutz gemeinsam eine neue Trasse für den Radweg zu finden.

Bürgermeister Thomas Sechser (CSU) verdeutlichte, die Angelegenheit nunmehr zum Abschluss bringen zu wollen und eine Entscheidung in Form eines Urteils herbeizuführen. Zudem brachte das Gemeindeoberhaupt seine Verwunderung über den Meinungswandel einzelner Gremiumsmitglieder zum Ausdruck, da in den vergangenen Jahren stets einstimmige Beschlüsse zum Radwegebau im Gemeinderat gefasst wurden. Der Gemeinderat beschloss mit zwei Gegenstimmen, dem Vergleich nicht zuzustimmen.

Bereits in einer früheren Sitzung wurden die Sanierungs- und Umbauplanungen des Gebrüder-Mendel-Hauses in Dankenfeld beschlossen. Auf Anregung des Gemeinderatsmitglieds Klaus Thomas (CSU) wurden die Planungen um die Errichtung eines zusätzlichen Raums oberhalb des Garagenanbaus zu voraussichtlichen Mehrkosten von 195 000 Euro erweitert. Es kann weiterhin mit einer Förderung bis maximal 300 000 Euro gerechnet werden.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt sah den Beschluss über die Einführung des Ratsinformationssystems vor. Ab der kommenden Wahlperiode werden den Gemeinderatsmitgliedern die Sitzungsunterlagen mobil übermittelt. Alle sitzungsrelevanten Informationen sind in diesem System jederzeit vollständig, übersichtlich, aktuell, sicher, einheitlich und digital für Informationszwecke verfügbar. Der komplette Ablauf der Einladung für die Gemeinderatssitzung kann somit effizienter gestaltet werden und führt zu einer Einsparung von Papier.

Auf Antrag der Gemeinderäte Roland Baumann, Thomas Karg (beide SPD/ABO) und Julian Bayer (Junge Bürger Oberaurach) wurde weiterhin beschlossen, die Möglichkeiten zur Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer zum Schutz der Kinder und aller Fußgänger in Trossenfurt im Umfeld der Auffahrt zur Grundschule beziehungsweise zum Oberaurach-Zentrum zu prüfen. Nach Meinung der Antragsteller wären hierzu auch Bodenschwellen geeignet, so wie sie bereits im neuen Siedlungsgebiet "Hinter der Quelle" in Kirchaich eingebaut wurden.

Ebenfalls auf Antrag der drei Gemeinderäte hielt das Gremium zu Beginn seiner Sitzung eine Schweigeminute ab, mit der an die Opfer rassistischer Gewalttaten der letzten Monate in Deutschland gedacht wurde.