Selten war ein Neujahrsempfang der Stadt Haßfurt auf dem Marktplatz so politisch und eindringlich wie in diesem Jahr. Denn der Einsatz vieler Menschen für die Flüchtlinge, also die gelebte Nächstenliebe, bestimmten sowohl die Reden von Bürgermeister Günther Werner als auch von Pfarrer Stephan Eschenbacher.

"Wir können abwarten, was uns das Neue Jahr bringen wird, oder Verantwortung zeigen und uns Jesus als Vorbild nehmen. Denn er hat - ob wir ihn für Gottes Sohn halten oder nicht - gezeigt, dass ein einzelner Mensch durch sein Handeln die Gesellschaft, ja die ganze Welt, verändern kann", sagte Pfarrer Eschenbacher im Rahmen der Andacht, die er mit Pfarrerin Doris Otminghaus feierte. "Unsere Gesellschaftsform ist ein großes Geschenk und sie lebt davon, dass sich Menschen verantwortlich fühlen, mithelfen und sich in Politik, Kirche und sozialen Einrichtungen engagieren", erklärte der Pfarrer weiter. "Als Christen können wir auch auf Jesus schauen; er fordert uns sogar mit dem Satz ,Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt' auf, uns in die Gesellschaft einzubringen."


Niemanden ausschließen

Jesus selbst habe sich eingemischt, sei auf die Menschen am Rand der Gesellschaft zugegangen und habe ihnen Mut zugesprochen. Er habe Nächstenliebe geübt, niemanden ausgeschlossen, sich mit allen an einen Tisch gesetzt, egal welcher Religion, welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe, welcher Nation, und er trage den Menschen sogar auf, ihre Feinde zu lieben und in jedem Fall zu verzeihen. "Auch wenn es manchen nicht passt: dies ist das christliche Erbe, das unsere Gesellschaft bis heute prägt", betonte der Pfarrer.

Gerade 2015 habe sich gezeigt, welch positive Kraft entstehe, wenn Menschen aus sich heraus Verantwortung übernähmen und zupackten. "Ohne die vielen Ehrenamtlichen hätten wir die Flüchtlinge nicht so aufnehmen und versorgen können. Bei allen Schwierigkeiten können wir darauf erst einmal stolz sein und sollten nicht wieder gleich das zerreden, was wir geschafft haben", sagte Pfarrer Eschenbacher.

Auch Bürgermeister Günther Werner stellte fest, dass Haßfurt die Verpflichtung habe, den Flüchtlingen zu helfen. "Viele in unserer Stadt und in unserem Landkreis engagieren sich in der Flüchtlingshilfe und haben im vergangenen Jahr Überragendes geleistet. Für mich sind alle ehrenamtlichen Helfer und alle hauptamtlichen Mitarbeiter der Verwaltung, der Polizei und der Hilfswerke die wahren Patrioten", erklärte er unter dem Beifall der Besucher.


Opfer, nicht Täter

"Die Menschen, die in diesen Tagen bei uns Schutz suchen, kommen gerade deshalb, weil sie religiös oder politisch motivierter Gewalt in ihren Heimatländern entkommen müssen. Sie sind Opfer des Terrorismus, nicht Täter", so Günther Werner. Die Gesellschaft könne diese Zuwanderung verkraften und die neuen Mitbürger könnten das Land sogar voranbringen. "Allerdings nur, wenn wir jetzt alle zusammen die richtigen Schritte gehen." Integration sei ein schwieriger und komplexer Prozess und verlange viel Engagement, Selbstdisziplin, vielleicht auch Überwindung - von allen Beteiligten. Er bedeute, die neuen Nachbarn willkommen zu heißen, sie zu unterstützen, sich solidarisch zu zeigen und Unterschiede auszuhalten. Integration bedeute aber auch, dass die Spielregeln von allen eingehalten werden müssten.

Günther Werner teilte mit, dass "Haßfurt recht gut dasteht". Denn die Kreisstadt habe von der stabilen Konjunktur der letzten Jahre profitiert. Ein Schwerpunkt der Anstrengungen liege weiterhin auf einer guten Betreuung und Bildung für die Kinder und Jugendlichen. "Mir liegt viel daran, dass Haßfurt ein familienfreundlicher Ort ist. Denn wenn junge Paare, wenn Familien hier ihre Zukunft sehen, dann hat auch unsere Stadt Zukunft", so der Bürgermeister. Zur Familienfreundlichkeit gehörten aber auch bezahlbare Bauplätze für junge Familien. Man verstärke aber auch die auf Senioren zugeschnittenen Angebote und so dankte Günther Werner dem Seniorenbeirat und den vielen Vereinen und Institutionen für ihre hervorragende Senioren-Arbeit.


Ausrichter des Empfangs

Ausrichter des Empfangs war der FC Haßfurt, mitgestaltet wurde er vom evangelischen Posaunenchor (unter der Leitung von Pfarrer Gerhard Barfuß) sowie den Trompetern Sebastian Raab und Markus Lenhardt.