Mit diesem Programm fühlte sich so ziemlich jeder der vielen Besucher in der nahezu ausverkauften Stadthalle angesprochen. Sei es als kleiner Bub, der in den Wirtschaftswunder-Jahren staunend vor dem ersten Fernseher saß und mit einem Messer bewaffnet darauf wartete, dass Indianer herausspringen, als "Am Fuß der blauen Berge" lief. Auf dem Sofa durfte er nicht sitzen, weil er sonst den Bezug abnutzt. Oder sei es als argloser Bahnfahrer, der sich über lärmende Gören auf den Nachbarsitzen und sächselnde Schaffner ärgert und nur noch einen Ausweg weiß: "Hey, wo ist meine Spitzhacke?"

Derart resolut ging Günter Grünwald am Donnerstagabend auch auf der Bühne der Stadthalle zu Werke.
Sein aktuelles Kabarettprogramm heißt zwar "Das sagt der Grünwald Stop!", aber davon war nichts zu hören, schon gar nicht stoppte das Mundwerk des 58-jährigen Ingolstädters, der zwei Stunden lang eine Pointe nach der anderen zündete und manchen Besucher staunen ließ. "Holt der überhaupt Luft?"

Wortschwall zwei Stunden lang

Setzt der bekannteste Ingolstadt-Export neben Audi und Seehofer bei seinen Fernsehproduktionen häufig gespielte Video-Sketche ein, stand er mutterseelenallein vor dem Publikum. Sonst nix, gar nix. Kein Manuskript, keine Flasche Wasser. Dabei redete er sich den Mund fusselig, zog übers Fernsehprogramm her, über alternde Stars, über Psychologen und moderne Erziehungsmethoden.

Einige Kostproben gefällig? "Mit gefallen die Amigos, wie sie da von Helfern auf Sackkarren hereingefahren werden und in Richtung Publikum ausgerichtet und mit Mottenpulver besprüht werden, damit auch nicht s passiert. So etwas möchte ich auch machen, wenn ich tot bin", klang es bissig-sarkastisch im urigen Oberbayerisch. Aber so weit ist der eben 58 gewordene denn doch nicht. Quietschfidel zieht er über die Bild-Zeitung und ihre Tier-Bilder her ("Dagegen hast Du keine Chance"). Nach Eisbär Knut und Opossum Heidi kommt bald der einbeinige Tausendfüssler aus dem Tiergarten Hellabrunn, dem ein Prothesen-Hersteller helfen will. "Das könnte er freilich auch bei minenverletzten Kindern. Aber das hatte ja noch Zeit, die laufen uns ja nicht davon", klang schwarzer Humor an. Über solche Missstände ärgert sich Grünwald grün und schwarz. Seine Tiraden in Form aneinander gehängter bayerischer Kraftausdrücke bilden eine neue Form des Schimpf-Superlativ. "Die können mir den Buckel runterrutschen. In Kreiseln oder in Serpentinen", findet er bei Sendungen wie "Bauer sucht Frau", wobei er super fände, wenn der eine wirklich eine Frau fände. "Für seine Schafe wäre das sicher eine Entlastung."

Luft nach unten

Kaum weniger glimpflich ging Grünwald mit Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer um. "Ja leben wir denn im Plemplem-Land?" Und eine klare Meinung hat er zu Daniela Katzenberger. "Die gehört nicht ins Fernsehen, sondern in den Puff. Aber bei den Fernsehmachern bleibt ja immer noch Luft nach unten."

Seine Pointen baut der Kabarettist sorgsam auf und setzt auf jeden Gag gleich noch einen drauf. Ein feinsinniger Beobachter und scharfzüngiger Haudrauf. Wie beim Klatsch aufs Hinterteil von Jennifer Lopez am Abend, das am nächsten Morgen noch wackelt, weil "der liebe Gott als Schöpfer da noch mal fünf Atü dazu gegeben hat".

Ja, es gibt auch noch Freuden im Leben, obgleich der 58-Jährige vielen seiner Altersgenossen im Publikum aus dem Herzen sprach, dass die gefühlte Zeit nun viel schneller vergehe. "Als Kind dauerte es mir bis zum nächsten Weihnachten viel zu lang und vor zwei Jahren bin ich mir schon selber begegnet, wie ich den einen Christbaum raus- und den anderen reingetragen habe." Womit wir beim Fest wären. Grünwalds Wunsch steht schon fest: Eine Fernbedienung, die sich von selber durch die Programme klickt, denn "ich krieg' schon Kapselprobleme im Daumen der rechten Hand".
Beim Beifall des begeisterten Publikums gab es kein Krämpfe.