Es gibt ein paar wichtige Vorgaben und viele gute Ratschläge dazu, wie man sicher durch die kalte Jahreszeit fährt. Wir haben die Sachbearbeiter für Verkehr an der Polizeiinspektion Haßfurt, Stefan Scherrer und Werner Rottmann, befragt und zusätzlich Tipps des ADAC zusammen getragen.

Beim Thema Winterreifen halten sich sowohl die Polizeibeamten Scherrer und Rottmann als auch der ADAC an eine einfache Regel: "von O bis O" (von Oktober bis Ostern). Ein guter Merksatz, doch vorgeschrieben sind Winterreifen im Winter gesetzlich nicht. Man muss sie aber benutzen, wenn die Straße durch Eis oder Schnee glatt geworden ist. Tut man das nicht, drohen Bußgelder in Höhe von 80 bis 120 Euro. "80 Euro werden bei einer Kontrolle fällig. 100 Euro sind es, wenn durch die fehlenden Winterreifen eine Gefährdung entstanden ist und 120 Euro bei einer Schädigung", erklärt Polizeihauptkommissar Werner Rottmann.

Auch wenn Schnee und Eis dank Klimawandel nicht mehr der Normalzustand sind: Glatt wird es im Landkreis Haßberge trotzdem. Polizeihauptkommissar Stefan Scherrer gibt ein Beispiel: "Wenn die Maintäler über den Zellberg in den Steigerwald fahren, kommen sie da oben ins Rutschen."

Sobald sich also die Temperatur dem Nullpunkt nähert, sollte man auf die Pneus mit dem Flocken-Symbol umsteigen. Die sind, weil aus anderen Gummimischungen gefertigt, bei Kälte griffiger und damit immer sicherer. Apropos Griffigkeit: Die geht durch die typischen Fahrbahnverschmutzungen des Herbstes - Laub und Ackererde von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen - oft verloren. "Wenn dann noch Nebelfeuchte, Regen oder Raureif dazu kommen, ist die Fahrbahn schmierig wie Seife", weiß Stefan Scherrer. Da helfe nur eines: Fuß vom Gas.

Nur so schnell wie man kann

"Unangepasste Geschwindigkeit ist eine der häufigsten Unfallursachen", betont Scherrer und sein Kollege Rottmann wendet sich direkt an die Leser: "Fahren Sie nur so schnell, wie Sie die Strecke auch bewältigen können. Nach Unfällen sagen die Leute so oft ,Ich bin nicht zu schnell gefahren'. Wo steht denn, dass man in der Ortschaft 50 Stundenkilometer fahren muss?"

Ein weiterer Satz, den Unfallverursacher geraden in dunklen Herbst- und Wintermonaten oft rezitieren, ist: "Ich habe das andere Auto gar nicht gesehen." Scherrer weiß auch warum. "Es sind so viele Fahrzeuge in Tarnfarben auf den Straßen unterwegs: in grau, blau oder schwarz. Die sieht man im Sommer schon schlecht und im Herbst und Winter kaum. Also: Licht an!", appelliert er an die Autofahrer.

Die kurzen Tage im Winter bringen es mit sich, dass man bei vielen Fahrten in Dunkelheit oder im Dämmerlicht unterwegs ist und es oft mit Nebel und anderen Erscheinungen zu tun hat, die die Sicht trüben. Umso wichtiger ist es, dass man sieht und gesehen wird. Das, was immer wichtig ist, hat nun besondere Bedeutung: Die Beleuchtung des Fahrzeugs muss intakt und (von der Werkstatt) richtig eingestellt sein, damit man weder im Blindflug noch im Blendflug unterwegs ist.

Im Zweifel Licht an

Die beiden Haßfurter Polizeihauptkommissare empfehlen Autofahrern bei schlechten Sichtverhältnissen mit Abblendlicht zu fahren. "Tagfahrlicht ist zwar schön, aber nicht nach hinten wirksam", findet Scherrer.

Auch der Frostschutz spielt mit den sinkenden Temperaturen wieder eine Rolle. Benzin und Diesel halten niedrige Temperaturen aus, andere Flüssigkeiten reagieren empfindlicher: Sowohl das Kühler-"Wasser" als auch die Füllung der Scheibenwaschanlage sollten regelmäßig auf ausreichend Frostsicherheit geprüft werden. Im ersten Fall droht sonst ein Motorschaden, im zweiten eine Mattscheibe.

Zum A und O des sicheren Fahrens gehört die freie Sicht durch alle Scheiben. Wer das Auto nachts nicht unterstellen kann, kommt nach frostigen Nächten um den Morgensport "Kratzing" nicht herum. Altbekannt: Dabei darf man den Motor nicht laufen lassen! Sinn macht die regelmäßige Reinigung der Scheiben innen. Denn dort bildet sich vor allem bei Fahrzeugen mit Dieselmotor ein feiner Schmierfilm, der das Glas leicht beschlagen lässt. Reiniger aus Spiritus-Basis beugen vor. Beim Durchblick helfen auch gute Wischerblätter! Ein großes Gefahren- und Unfallpotenzial sind laut Scherrer und Rottmann die vielen Wildwechsel im Landkreis Haßberge. "Unser Landkreis ist hügelig, bewaldet und landwirtschaftlich geprägt. Da fühlen sich die Tiere wohl", weiß Rottmann. Scherrer ergänzt die Zahlen: "Mit über 900 Wildunfällen im Jahr liegen wir in Bayern im vorderen Drittel."

Auch hier appellieren die Beamten an eine angepasste Geschwindigkeit. "Wenn da ein Warnschild für Wildwechsel steht, hat das schon seinen Sinn. Und es macht einen Unterschied, ob man mit 100 oder 70 Stundenkilometern einen Unfall hat", ergänzt Scherrer. Noch ein Thema liegt Scherrer und Rottmann am Herzen: der landwirtschaftliche Nutzverkehr im Herbst. "Wenn ein Traktor vor einem her fährt, reagiert man als Autofahrer schnell genervt. Dann baut sich Überholdruck auf und man zieht raus, obwohl die Straße verdreckt ist und man schlechte Sicht hat", weiß Scherrer. Kollege Rottmann ergänzt: "Wir empfehlen Autofahrern bei unseren Schulungen immer, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um nicht in Stress zu geraten. Wer sagt ,Ich bin in zehn Minuten da', der gerät schnell unter Zeitdruck." Gerade im Herbst kommt man besser langsam und dafür sicher ans Ziel.