Joachim Müller radelt mit aller Kraft die letzten Meter des steilen Waldwegs hinauf. Er schnauft und schwitzt, die Sonne strahlt über den Haßbergen bei Hofheim. Noch einige Male tritt der 57-Jährige kraftvoll in die Pedale seines Mountainbikes, dann hat er den ebenen Weg unterhalb der Schwedenschanze erreicht. Dort warten bereits einige seiner Mitfahrer, erschöpft lehnen sie über ihren Rädern. Aber alle lächeln und sind sichtlich stolz, die Bergetappe geschafft zu haben. "Für jeden, der so eine Tour macht, ist das ein Erlebnis", sagt Joachim Müller.

Der Hofheimer ist Mountainbike (MTB) Tour Guide. Das heißt, er führt Gruppen von Radfahrern auf ausgewählten Mountainbike-Strecken, auch Touren genannt. Joachim Müller bietet solche Touren in den Haßbergen, dem Steigerwald und der Rhön an. Er war schon im ganzen Landkreis Haßberge mit seinem Bike unterwegs. Außerdem organisiert er die Veranstaltung "Mountainbike Haßbergritt" (siehe Infokasten) mit. "Wir sind heute mit den Leuten gefahren, die die Strecke für den Haßbergritt geräumt haben. So dass man sie noch einmal testet und um weiterzugeben: Was ist schwer, was ist leicht, wo muss man aufpassen", erklärt Joachim Müller. An diesem Tag ist er mit zwölf Radfahrern vom Marktplatz in Hofheim gestartet, und anschließend durch Reckertshausen den großen Haßberg hinauf. Bis zu 22 Prozent Steigung haben sie bewältigt, einige mussten ihre Bikes schieben.Die Haßberge sind eine gute Mountainbike-Gegend, ist Joachim Müller überzeugt. "Wenn man oben am Wald rauskommt und man bis ins Schweinfurter Gebiet oder bis in den Steigerwald schauen kann. Das ist einfach wunderschön", sagt er.

Mountainbiken ist eine Radsportart, bei der man abseits von ausgebauten Straßen fährt. Auf speziell gefederten Rädern fährt man durch Wälder, auf Wiesenwegen und vor allem bergauf und bergab. Joachim Müller meint: "Das Tolle ist, dass man frei in der Natur fahren kann. Und natürlich die Herausforderung heraufzukommen. Und dann den Berg runter macht es auch wieder Spaß. Da sammelt man wieder ein bisschen Kräfte und kann den nächsten Anstieg nehmen." Das Mountainbiken erfordert sportliche Ausdauer, vor allem auf langen Touren und bei steilen Anstiegen. Aber auch die richtige Fahrtechnik, sprich das Beherrschen des eigenen Fahrrads ist enorm wichtig. Da die Sportler auf unbefestigten Wegen unterwegs sind, besteht immer die Gefahr zu stürzen. Besonders bei Abfahrten den Berg hinunter auf Trampelpfaden (Trails) muss man das Fahrrad stets unter Kontrolle haben. MTB Guides wie Joachim Müller bieten deshalb für Einsteiger spezielles Techniktraining an.

Joachim Müller betont, dass er niemals ohne einen Fahrradhelm auf Tour gehen würde. Um sich selbst als Radfahrer nicht zu gefährden und um die Natur zu schützen, sollte man einige Regeln beachten. Die Deutsche Initiative Mountainbike e.V. hat folgende sechs Regeln aufgestellt: Nur auf Wegen fahren; keine Spuren hinterlassen; das Mountainbike unter Kontrolle halten; andere Naturnutzer respektieren; Rücksicht auf Tiere nehmen; und die Tour im Voraus planen. Außerdem sollte man niemals ohne Erlaubnis eigene Mountainbike-Strecken, Rampen oder Schanzen in der freien Natur bauen. Joachim Müller weiß, dass vor allem Förster und Jäger kritisch gegenüber Mountainbikern seien. Wenn die Radfahrer Rücksicht auf ihre Umwelt und die Natur nehmen, gebe es aber keine Probleme, so der Hofheimer. Grundsätzlich ist das Radfahren auf freien Wegen in Bayern erlaubt, so urteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof im letzten Jahr. "Hierzu gehört grundsätzlich auch das Radfahren auf geeigneten Wegen im Wald, wenn es der Erholung und beispielsweise nicht kommerziellen Zwecken dient", stellte das Bayerische Umweltministerium bezüglich Mountainbikern fest.

Einsteigern rät der MTB Guide, auf die Rahmengröße des Fahrrads zu achten; sie muss zur eigenen Körpergröße passen. "Das ist ganz, ganz wichtig, weil die Geometrie stimmen muss", erklärt Joachim Müller. Anfängern empfiehlt er ein "Hard-trail"-Fahrrad , bei dem sind zumindest vorne an der Gabel Federn eingebaut. Der erfahrene Mountainbiker meint: "So 1000 Euro sollte man aber schon ausgeben, dass man etwas Vernünftiges bekommt".

Die Radfahrer auf dem großen Haßberg machen sich an die Abfahrt: Auf Forstwegen geht es rasant bergab in Richtung Goßmannsdorf, die anspruchsvollen Trails lassen sie an diesem Tag aus. Den letzten Abhang sausen die Mountainbiker nacheinander auf einem schmalen Feldweg hinunter. Hier versammelt Joachim Müller seine Mitfahrer, bevor sie gemeinsam zurück nach Hofheim radeln. Er findet: "In einer Gruppe zu fahren, macht viel mehr Spaß als nur alleine".