"Die Medien durchdringen unser Leben völlig, und eine große Herausforderung der Zukunft ist es, mit den digitalen Datenmengen klarzukommen. Dabei sind die Eltern verpflichtet, sich Sorgen zu machen. Medienerziehung ist wichtig, auch wenn Eltern meinen, keine Ahnung davon zu haben." Dies betonte der Medienfachberater von Unterfranken, Lambert Zumbrägel, bei einer Veranstaltung der Grundschule zu den neuen digitalen Welten mit dem Titel "Alles Smartphone, oder was?".
Digitalisierung und Medienkompetenz sind derzeit in aller Munde, und so war es der Wunsch des Elternbeirates an die neue Schulleiterin, einen Vortrag für die Eltern zur Medienerziehung anzubieten. Dabei übernahm der Elternbeirat die Kosten. Rektorin Angelika Schmitt gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass mehr als 80 Eltern ihr Interesse zeigten.
Lambert Zumbrägel, hauptberuflich beim Bezirksjugendring, nannte es seinen "Hauptjob", Jugendliche und Multiplikatoren über dieses wichtige Thema zu informieren. Dabei dürfe man natürlich die Eltern als Ansprechgruppe nicht vergessen. Das Thema sei sehr vielfältig, so dass eine Stelle dafür eigentlich zu wenig sei.
Positiv hob er jedoch hervor, dass im Landkreis Haßberge mit Eva Pfeil auch im Jugendamt eine Mitarbeitern sei, die sich mit zehn Stunden ihrer Arbeit der medienpädagogischen Arbeit widmen könne. Dies sei eine Seltenheit.
"Was kommt hier auf uns und unsere Kinder zu?" Diese Frage stellte er an den Anfang seines Vortrages und fügte gleich eine weitere hinzu: "Solange unsere Kinder auf dem Fahrrad nicht sicher sind, lassen wir sie nicht allein auf die Straße. Wie sieht es aber mit den Medien aus?"


Deutschland ziemlich abgehängt

Das Internet sei inzwischen zum Betriebssystem der Gesellschaft geworden, und zwar weltweit, viel mehr als das Fernsehen. Dabei sei Deutschland in dieser Beziehung ziemlich abgehängt: "Wir haben nun in den letzten Jahren gebuddelt wie die Blöden und sind mittlerweile bei der Ausstattung mit Glasfaser bei 7 %", zeigte Zumbrägel auf eine Statistik, in der asiatische Länder bei 75 % und in Europa die skandinavischen Länder oder Lettland mit 62 % weit vorne lägen.
Schon die letzte große Koalition habe jedem Schüler ein Handy schenken wollen, nun scheine es ernst zu werden: Der bayerische Schulminister habe alle Schulleitungen zu einem Medienkonzept verdonnert, und es sollen drei Milliarden Euro allein in Bayern zur Digitalisierung in die Schulen und in die Gesellschaft gepumpt werden. "Das Ende der Kreidezeit scheint gekommen, denn in den nächsten Jahren sollen dafür 30 Milliarden in die Bildung gesteckt werden", sagte Zumbrägel.
Auch die neue Digitalministerin Dorothee Bär halte inzwischen ja das Programmieren für so wichtig wie Lesen und Schreiben und fordere dazu sogar Programmierunterricht für die Grundschulen.


Begleitende Lernumgebung

Womit man leben müsse, seien die "Dilemmata": Die dickste Wanze sei inzwischen das Smartphone, das Daten über uns sammle und diese auch weitergebe. Das Smartphone sei eine "eierlegende Wollmilchsau, die alles und endlos kann". Mit ihr dürfe man die Schüler nicht alleine lassen, sondern man müsse für sie eine begleitende Lernumgebung schaffen.
"Oberstes Ziel ist es, die Kinder zu lehren, sich selbst zu schützen. Seien sie als Eltern bereit, mitzulernen."
Als ganz wichtig erachtete Medienpädagoge Lambert Zumbrägel Nutzungsvereinbarungen mit den Kindern. Mit dem Smartphone hätten fast alle Jugendlichen einen Hochleistungscomputer mit mobiler Internetanbindung in der Tasche. Nur hätten sie keine begleiteten Lernumgebungen, um sich die neue Kulturtechnik reflektiert und gezielt anzueignen. Das sei Aufgabe von Eltern, Jugendarbeit, Schule und Ausbildung. Auch eine "Wochen-Medien-Zeit" könne man vereinbaren.
Auf jeden Fall müsse man immer mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch bleiben und über Inhalte und die eigenen Sorgen reden.