Zunächst ging es um den kleinen Kosmos, doch der Traum von der großen, weiten Welt geht nun für Julia Korn in Erfüllung. Sie war eine von 75 Berufsanfängern, die am Freitag in einen neuen Lebensabschnitt starteten und im Rathaus von Bürgermeister Harald Pascher (FDP) auf die neue Erlebnisreise geschickt wurden. Für die 21-Jährige ist dies ein Abflug: Sie beginnt eine Ausbildung als Tourismuskauffrau im Reisebüro Touristik + Meer.

Verband der Bürgermeister die Begrüßung beim Empfang, den Stadt und Tourismus- und Werbegemeinschaft (TWG) traditionell zu Beginn des Ausbildungsjahres ausrichten, mit dem Wunsch, dass "hoffentlich viele von Ihnen Ebern auch als Lebensmittelpunkt wählen, nicht nur zum Altstadtfest", gehört die Sehnsucht nach der
Ferne bei Julia Korn nunmehr zum beruflichen Alltag.

Als Kundin kennt sie das Reisebüro, das seit zehn Jahren in Ebern beheimatet ist, bestens. "Ich verreise gern und habe immer hier gebucht." In Mexiko war sie schon, Dubai, Thailand, in der Dominikanischen Republik. Und bei der letzten Urlaubsplanung muss der Geracherin, die die Realschule in Ebern besuchte, auf der Homepage von Julia Kundmüller ein Stellenangebot aufgefallen sein.

Ein Angebot, das zu verlockend schien: "Mein Traumberuf." Zwar hatte sie schon eine Lehre als Einzelhandels-Kauffrau hinter sich und in mehreren Märkten in Eben, Haßfurt und Bamberg gearbeitet, aber das war's doch... - nach einem Schnuppertag reifte die Entscheidung.

Schnell hat sie sich bei Julia Kundmüller beworben, die seit dem Umzug ihres Reisebüros an den Marktplatz auf Expansionskurs steuert. "Das mit der Ausbildungsstelle haben wir eher kurzfristig und spontan entschieden. Zunächst hatten wir an einen fertig ausgebildeten Reisefachmann gedacht."

Den sucht Julia Kundmüller nun immer noch. "Wir setzen auf Expansion. Die Nachfrage ist groß. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden." Weil die Kundengespräche mit einem großen Beratungsaufwand verbunden seien, sei fachkundiges Personal erforderlich. "Gute Mitarbeiter sind das A + O."
Und Julia Korn freut sich nicht nur auf das Fernweh, sondern auch den Umgang mit Menschen.


Tipps aus der Praxis

Dabei dürfte ihr eine Empfehlung zupass kommen, den TWG-Vorsitzende Christina Seebach-Künzel beim Empfang in der Rathaushalle allen 73 Auszubildenden samt ihren Lehrherren gab: "Setzen Sie früh morgens schon ein Lächeln auf. Dann macht der Ernst des Lebens auch Spaß."

Seebach-Künzel griff auch eine Anregung von Bürgermeister Pascher auf: "Fragen Sie bei ihren Ausbildern nicht nur nach. Schauen Sie genau hin und schauen Sie sich etwas ab." Dann gab's noch eine TWG-Kaffeetasse für die Pausen.

75 Ausbildende haben 18 Firmen, die im Eberner Stadtgebiet angesiedelt sind, zum Start ins neue Lehrjahr bei einer Umfrage gemeldet, die Tourismus- und Werbegemeinschaft (TWG) in den vergangenen Wochen bei Chefs und Personalabteilung durchgeführt hat.

Die meisten - 29 - starten die Ausbildung bei FTE, wo auch die Verbundpartner Coca Cola in Knetzgau und Weiss-Spindeltechnologie in Maroldsweisach ihre Elektroniker und Zerspanungsmechaniker schulen. Eine bemerkenswerte Zahl, wenn man bedenkt, dass manche in der FTE-Chefetage noch vor drei, vier Jahren die Ausbildung im eigenen Hauses fast auf Null zurückschrauben wollten.

Zum zweitgrößten Ausbildungsbetrieb avanciert Marcapo, wo neun jungen Menschen in Zukunftsberufen eine Perspektive eröffnet wird, gefolgt von der Weigang AG (7) und Uniwell (6).

"Leider niemanden gefunden", so lautete die Auskunft mehrerer Handwerker. "Ich habe mir die Haken abgelaufen", verriet ein Meister, froh darüber, dass er am Freitag mit zwei Lehrlingen aufkreuzen konnte.

Auffällig ist bei der 2017er-Umfrage, dass sich die Geldinstitute und Autohäuser bei den Einstellungen zum Teil ganz, oder gegenüber den Vorjahren deutlich zurückhielten.
"Fehlanzeigen" ergab die Umfrage meist auch bei den im Stadtgebiet vertretenen Märkten, Metzgern und Bäckern.

Auswärtige Firmen mit Dependancen in Ebern setzen weiter auf den Standort: die BayWa, das Bayernwerk, der Caritas-Kreisverband, das Diakonische Werk Bamberg.