Günter Lieberth ist ein stilles Wasser. Und im Moment ganz schön in Aufruhr: Zoe bringt Bewegung rein. Zoe ist Französin und mit ihren fünf Sitzen, dem großen Kofferraum sowie flotten 130 "Sachen" ein richtig erwachsenes Elektroauto. Das macht den Schmach tenberger stolz.

Er ist damit ein konsequenter Pionier der Elektro-Fortbewegung im Landkreis Haßberge. 17 Jahre ist er schon mit einem kleinen City-El durch die Lande gekurvt. Und nun ist Günter Lieberth wieder einer der ersten in Zeil und wohl auch im Landkreis Haßberge, die ein reines Elektroauto (ohne Verbrennungsmotor) fahren.

Über 20.000 Euro muss man auf den Tisch blättern für solch ein gutes Stück - kein Wunder, dass die Zulassungsbehörde am Landratsamt Haßberge mehrheitlich Fahrzeughalter in höherem Alter (40 plus) verzeichnet, die solche Wagen zulassen.
Sie besitzen möglicherweise zum einen die innere Reife, zum anderen das nötige Kleingeld.

Ansprechpartner

Der Energieberater aus dem Umweltbildungszentrum in Oberschleichach war am Freitag extra zum Stützpunkthändler nach Bad Neustadt gekurvt ("der ist in Sachen Elektroautos sehr engagiert"), um seine Neuerwerbung abzuholen. Montag mit der brandneuen Zulassung versehen, steuerte Lieberth gleich die Redaktion in Zeil an. Denn der Energieberater beim Umweltbildungszentrum des Landkreises Haßberge ist auch privat gerne bereit, Frage und Antwort zu stehen (Telefonnummer 09524/3024004).

Lieberth ist ein "Grüner" der ersten Stunde und ganz persönlich überzeugter Energiesparer und Weltverbesserer. 17 Jahre hat er unbeirrbar durch Wind und Wetter den Urtyp eines Elektroautos gelenkt: Platz für zwei Personen, umhüllt von einem klapprigen Gehäuse.

Alles wie in einem "richtigen" Auto

Jetzt sitzt Lieberth in einem "richtigen" Auto. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Renault Zoe in nichts von einem üblichen Klein- oder Mittelklassewagen. Auf unserer kleinen Spritztour kühlt die Klimaanlage bei der Wärme draußen fast bis zur Frostgrenze, das Fahrgeräusch nimmt man fast nicht wahr. Lieberth schaltet den Eco-Modus aus - und die Kiste flitzt die Hauptstraße zum Zeiler Marktplatz rauf. Nicht von schlechten Eltern...

"Mit meinem City-El hab' ich ja sparsam fahren gelernt", sagt Lieberth und grinst beim "Gasgeben" übers ganze Gesicht, "aber da vergisst man das alles schon mal. Gestern bin ich schon den ganzen Tag herumgeheizt..." Freilich sinkt dann der Radius des Wagens, der bei vernünftiger Fahrweise bei 200 Kilometern liegt, auf 150 Kilometer, bis Zoe wieder an die Steckdose muss.

Wer denkt, dass so ein Elektroauto möglicherweise am Berg "verhungert", liegt falsch: Wenn Lieberth sein Zuhause im Altengrund ansteuert, pfeift der Wagen den steilen Weg hoch wie nichts. Auch die Bergstraße in Richtung Umweltbildungszentrum fährt sich locker.

Lieberth macht es Vergnügen, nebenbei das Display des Elektroautos im Auge zu behalten. Viele Hersteller bieten das so an. Direkt vor dem Fahrer errechnet der Computer auf der Basis der Geschwindigkeit die aktuelle Reichweite und zeigt sie in einem leuchtenden Diagramm an. Rechts in der Konsole findet man Radio und Navigator - und mehr. Eine grafische Darstellung des Fahrzeugs wechselt die Farbe und zeigt die Energieflut an: gelb - es wird aus der Batterie Strom entnommen; grün - beim Bremsen wird die Energie umgewandelt und zurückgeführt in die Batterie.

Tja die Franzosen...

Ein kleines bisschen neidisch schaut Lieberth nach Frankreich: "Dort wird der Wagen subventioniert mit 7000 Euro." Logisch löst ein Elektroauto für 13 000 Euro da einen Boom aus. So stark, dass die Franzosen mit den Lieferungen nach Deutschland ins Hintertreffen kommen. Der deutsche Händler hatte nur die Farben schwarz, weiß und hellblau.

"Blau ist meine Lieblingsfarbe, da hab ich's halt genommen. Auch wenn mir das schon fast zu hell ist", meint Lieberth, doch die Farbe schmälert seine Begeisterung für den Flitzer mit den blau getönten Lichtern kein bisschen.

Hat der Wagen doch hohen Unterhaltungswert. Auch weil der Bordcomputer automatisch erkennt, welcher Stromstecker eingesteckt ist. Vier Auflademodi gibt es vom normalen bis zum Starkstrom. Und dementsprechend verändert sich die Aufladezeit von fast acht zu einer halben Stunde.

Der französische Autobauer hat für die Batteriefrage seine eigene Lösung: Die kauft man nämlich nicht, sondern zahlt einen monatlichen Obolus. Und bekommt dafür auch immer wieder eine Batterie eingesetzt, wenn die alte zu schwach ist. Das hat den Vorteil, findet Lieberth, dass man von Neuentwicklungen profitieren kann.

Günther Liebert freut sich über die Entwicklung der neuen Generation alltagstauglicher, brauchbarer Autos für die Allgemeinheit. Die Automatik schaltet, alle Bedienelemente sind bekannt. Wer's nicht glaubt, der darf sich Günter Lieberths Zoe gerne genauer anschauen...