Wein und Wasser gehören irgendwie zusammen. Das wissen die Menschen spätestens seit der Hochzeit zu Kana, bei der Jesus, wie die Bibel beschreibt, Wasser in Wein verwandelt hat. Wasser von oben wünschen sich die Winzer und die Landwirte derzeit auch für ihre trockenen Böden. Schließlich sollen die Früchte an den Hängen und auf den Feldern gedeihen. Dass der Regen aber genau in der Zeit niederprasselte, als die über 30 Teilnehmer der Leserwanderung des Fränkischen Tages unterwegs waren, hätte nicht unbedingt sein müssen. Die Beziehungen der Zeitung zu ihrem Wetterfrosch sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Heidi Schick, die Chefin des gleichnamigen Winzerhofs in Ziegelanger, führte die Wanderer über den Abt-Degen-Steig durch die Weinberge zwischen Ziegelanger und Steinbach. Die Teilnehmer lernten die verschiedenen Lagen wie Ölschnabel, Pfaffenberg und Nonnenberg kennen. Heidi Schick erzählte Geschichtliches und Wissenswertes über den Weinbau.

Auf fast 100 Hektar
Franken war im Mittelalter das größte zusammenhängende Weinanbaugebiet in Europa. Der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) machte das alles zunichte. Mit dem Dreißigjährigen Krieg taucht auch der Name Abt Degen auf. Der gebürtige Zeiler führte das Kloster Ebrach nach diesem verheerenden Krieg zu neuer Blüte, und er war es, der die Silvaner-Rebe nach Franken brachte. Der Silvaner gilt heute als der typische Frankenwein.
Der Wanderweg zwischen Zeil und Steinbach ist nach ihm benannt. Das Geburtshaus Abt Degens steht heute noch am Marktplatz in Zeil.

Im Landkreis Haßberge wird auf knapp 100 Hektar Wein angebaut. Zwölf Hektar davon liegen in der Gemarkung Ziegelanger. Mehrere Winzer bearbeiten die Hänge. Nicht Konkurrenzdenken, sondern Zusammenarbeit kennzeichne das Verhältnis der Winzer heute, betonte Heidi Schick. Erfolg gebe es nur gemeinsam, sagte sie. "Wir sind mitten in Europa."

Dass die Arbeit der Winzer früher wie heute eine beschwerliche und anstrengende Tätigkeit ist, konnten die Wanderer an den alten, unter Denkmalschutz stehenden Lagen im oberen Teil der Hänge sehen. Sie sind nach der Weinbergsbereinigung vor rund 25 Jahren in ihrem ursprünglichen Zustand mit den vielen Trockenmauern belassen worden. Maschinelle Arbeit ist hier nicht möglich. Alles muss der Winzer von Hand erledigen. Dazu gehören auch die langen Aufstiege über die steilen und engen Winzertreppen.

Eine Winzertreppe nahmen die Wanderer in Angriff. Meter um Meter ging es auf den Steinstufen nach oben. Und als sie am Ziel angelangt waren, prasselte der Regen auf die Gruppe nieder. Das Wasser, das die Winzer und die Landwirte so dringend brauchen, kam.

Klatschnass
Der guten Stimmung in der Gruppe schadete der Regen nicht. Obwohl viele klatschnass waren, setzten sie ihre Tour fort und liefen über Steinbach zurück nach Ziegelanger. "Mir hat es gefallen", schwärmte Ursula Burger aus Eltmann. Vom Regen hat sie sich nicht beeindrucken lassen. "Das Wetter ist für mich kein Thema."

Andere Teilnehmer sahen es ähnlich. Sie freuten sich über die schöne Landschaft, die Weinberge und den weiten Blick ins Maintal. "Im Jahr bestimmt drei Mal" ist Anita Saal aus Breitengüßbach (Landkreis Bamberg) in der Gegend unterwegs. "Der Weg ist zu jeder Jahreszeit schön", weiß Lilo Köhler, ebenfalls aus Breitengüßbach.