Der Frühling hat meteorologisch Einzug gehalten. Was viele freut, bereitet Allergikern Sorge. Denn nach und nach fliegen sie wieder, die Pollen. Und seit Jahren beobachten Forscher, dass sich der Pollenflug deutlich um mehrere Tage nach vorne verlagert.

Was die Aggressivität betrifft, gibt es durchaus Unterschiede. Bei den Laubbäumen etwa lösen häufig Birke, Hasel und Erle eine Allergie aus. Für die letzten beiden hat die Flugsaison begonnen. Bei den Gräsern und Kräutern machen sich vor allem Rispengras, Beifuß, Brennnessel, Traubenkraut und Wegerich unbeliebt. Auch Getreidepollen können mitunter heftige Reaktionen hervorrufen.

Körper schlägt falschen Alarm

Verursacher der Allergie ist der Pollen (Blütenstaub) windbestäubter Pflanzen. Während insektenbestäubte Pflanzen zur Blütezeit weniger Pollen produzieren, müssen windbestäubte Pflanzen viele freisetzen, um die Bestäubung zu sichern. Dass der Körper so auf den Pollen reagiert, hat mit Proteinen zu tun, die darin vorkommen. Im Falle einer Allergie bildet das Immunsystem auf die eigentlich harmlosen Proteine eine ganze Reihe von Antikörpern.

Beschwerden entstehen an den Schleimhäuten von Nase, Augen und Mund. Die Folgen sind tränende und juckende Augen, Fließschnupfen, Niesattacken und Atemnot. Die Allergie kann auch zu Magen-Darm-Störungen, Müdigkeit und Kopfschmerzen führen. "Wichtig ist, dass man sie richtig behandelt, denn bei keiner oder falscher Behandlung führt das zu einem sogenannten Etagenwechsel", sagt der Haßfurter HNO-Arzt Raed Sammour. Gemeint ist damit, dass sich die Pollenallergie auf die unteren Atemwege ausbreitet und zu Asthma führen kann.

Achtung Kreuzallergie

Wer als Pollenallergiker beim Verzehr von Obst, Gemüse oder Nüssen ein Kribbeln im Mund, ein Kratzen im Hals oder ein pelziges Gefühl auf der Zunge spürt, leidet unter einer Kreuzallergie. Das liegt daran, dass die Allergene mancher Pollen und Lebensmittel so ähnlich sind, dass das Immunsystem sie nicht auseinanderhalten kann.

Welche Nahrungsmittel man nicht verträgt, hängt davon ab, auf welche Pollenarten man allergisch ist. Wer auf Birkenpollen allergisch ist, könnte auf Kernobst, Steinobst oder Nüsse allergisch reagieren; wer auf Beifuß allergisch ist, könnte auf Sellerie, Karotten, Fenchel und auf Gewürze wie Anis, Kümmel oder Petersilie allergisch reagieren. Haselpollenallergiker sind oft allergisch gegenüber Nüssen.

Behandlung und Vorsorge

Sammour erklärt, dass es verschiedene Behandlungsmethoden gibt: die symptomatische sowie prophylaktische Behandlung und die Hyposensibilisierung. Zur symptomatischen Behandlung werden Allergietabletten und freiverkäufliche Nasensprays angewendet, erklärt der HNO-Arzt. Bleibt der Zustand unverändert, können spezielle Nasensprays mit Cortison verwendet werden. "Wenn der Patient auf Dauer immer mehr Tabletten und Sprays braucht und immer mehr Beschwerden hat, muss man überlegen, ob man eine Hyposensibilisierung durchführt", erklärt er. Dabei erhält der Patient etwa alle vier Wochen über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren eine Spritze mit dem vermeintlich zu bekämpfenden Stoff. So gewöhnen sich die Abwehrzellen an das Allergen - das Immunsystem reagiert nicht mehr über.

Sammour rät Betroffenen generell, den Pollenflug zu vermeiden, indem sie sich wenig im Freien aufhalten und auch ihre Wäsche nicht im Freien trocknen. Bei Maximalwerten in der Luft soll auch auf körperliche Anstrengung verzichtet werden.

"Wichtig ist, dass man richtig lüftet", erklärt er. Denn die Pollenkonzentration in der Luft schwankt innerhalb des Tages. "Bei uns hier auf dem Land ist das Lüften in den Morgen- und Mittagsstunden problematisch, sodass erst abends gelüftet werden sollte." Auch das Schlafzimmer sollten Allergiker möglichst pollenfrei halten. "Wenn man nach Hause kommt, sollte man die Kleidung wechseln und diese im Bad ablegen. Es ist auch sinnvoll, dass man abends duscht."

Methoden aus der Naturheilkunde

Neben der Schulmedizin gibt es viele alternative Heilmethoden, wie Heilpraktiker Christian Beetz aus Knetzgau erklärt. Darunter die Bioresonanz- und Eigenbluttherapie. "Man könnte auch mit Honig eine Eigensensibilisierung machen", schlägt er vor. "Eine Faustregel, was man anwenden kann, gibt es aber nicht. Wir behandeln jeden Fall individuell."

Es gibt auch einfachere Methoden, die helfen können, wie Beetz erklärt: "Wir prüfen an der Wirbelsäule, zum Beispiel, ob es Spannungen im Brustkorb oder dem Schulter-Nacken-Bereich gibt." Denn durch solche Blockaden fällt es dem Betroffenen schwerer, richtig abzuhusten, "wodurch Stäube und Allergene in den Bronchien hängen bleiben". Häufig sind Büroarbeiter betroffen. "Ich rate, in der Mittagspause ein paar Bewegungsübungen zu machen. Das regt die Durchblutung an. Je besser die Durchblutung, desto mehr läuft die Nase."

Des Weiteren überprüft der Heilpraktiker, wie sich der Patient ernährt. Ist der Körper übersäuert, ist er anfälliger. Zuletzt warnt Beetz Betroffene vor häufigem Inhalieren, denn dadurch wird die natürliche Nasenflora, die wie eine Schutzbarriere wirkt, zerstört.

Doch ganz egal für welche Behandlungsmethode man sich entscheidet, eine Garantie auf dauerhafte Erfolge bestehe nicht, wie Beetz deutlich macht: "Die Bäume und Pflanzen nehmen ja auch Umweltgifte auf. Dadurch ändert sich auch die Zusammensetzung der Pollen, worauf manche wieder allergisch reagieren."